Pla­ti­ni gibt nicht klein bei

Rü­cken­de­ckung aus Süd­afri­ka

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite -

Im Kampf um sei­ne Kan­di­da­tur als Prä­si­dent des Welt­ver­ban­des Fi­fa leg­te Mi­chel Pla­ti­ni nach sei­ner Su­s­pen­die­rung als Fi­fa-Vi­ze und Chef des Eu­ro­pa-Ver­ban­des Ein­spruch ein. Zu­gleich for­dert Süd­ame­ri­kas Kon­ti­nen­tal­ver­band die Auf­he­bung von Pla­ti­nis Su­s­pen­die­rung.

Mi­chel Pla­ti­ni kämpft um sei­nen Traum von der Fi­fa-Prä­si­dent­schaft und darf sich über Rü­cken­de­ckung aus Süd­ame­ri­ka freu­en. Der Kon­ti­nen­tal­ver­band Conmebol hat die Auf­he­bung der 90-tä­gi­gen Sper­re (sie­he auch „Sport­kom­men­tar“auf Sei­te 13) für den Ue­fa-Chef ge­for­dert und hält an der Un­ter­stüt­zung des Fran­zo­sen bei der Wahl am 26. Fe­bru­ar 2016 fest. Pla­ti­ni hat un­ter­des­sen wie er­war­tet sei­nen Ein­spruch ge­gen die Su­s­pen­die­rung durch die Fi­fa-Ethik­kom­mis­si­on ein­ge­reicht – doch die Zeit drängt für den frü­he­ren Welt­klas­se-Fuß­bal­ler. Zwar hat Pla­ti­ni gera­de noch vor der Sper­re sei­ne Kan­di­da­tur ein­ge­reicht, doch ei­ne Le­u­munds­prü­fung durch die Ethik­kom­mis­si­on wird er als su­s­pen­dier­ter Prä­si­dent­schafts­kan­di­dat nach En­de der Be­wer­bungs­frist am 26. Ok­to­ber kaum be­ste­hen. Aus die­sem Grund will der fran­zö­si­sche Na­tio­nal­ver­band FFF In­for­ma­tio­nen von RTL In­fo zu­fol­ge Ein­spruch beim In­ter­na­tio­na­len Sport­ge­richts­hof CAS ein­le­gen. Die­sen Schritt kann Pla­ti­ni per­sön­lich noch nicht un­ter­neh­men, der Fran­zo­se muss zu­nächst die Fi­fa-Be­ru­fungs­kom­mis­si­on als nächs­te In­stanz an­ru­fen. DFB-Prä­si­dent Wolf­gang Niers­bach schließt ei­ne Ver­schie­bung des Fi­fa-Wahl­kon­gres­ses am 26. Fe­bru­ar zwar nicht mehr ka­te­go­risch aus, es wä­re für ihn aber nur ei­ne Not­lö­sung. Auf­grund der Er­mitt­lun­gen der Jus­tiz in den USA und in der Schweiz be­zeich­ne­te der 64-Jäh­ri­ge, der in der Fi­fa-Exe­ku­ti­ve an Ent­schei­dun­gen über ent­spre­chen­de Ter­min­fra­gen mit­ent­schei­den kann, ei­ne Neu­an­set­zung der Wahl ei­nes Nach­fol­gers für den in­zwi­schen sus­pen­dier­ten Fi­fa-Boss Jo­seph S. Blat­ter für ei­nen spä­te­ren Zeit­punkt in ei­nem Sport1-In­ter­view als al­len­falls in be­grenz­tem Rah­men ver­tret­bar. Viel­mehr warnt er vor ei­nem Hin­aus­zö­gern der not­wen­di­gen Neu­ord­nung an der Fi­fa-Spit­ze. „Wenn man wirk­lich an den Punkt

Wie ent­schei­det die Be­ru­fungs­kom­mis­si­on?

kä­me, das ist noch nicht be­spro­chen, al­so im Kon­junk­tiv ge­spro­chen, wir müss­ten even­tu­ell noch ein­mal ver­schie­ben, dann kann das auf kei­nen Fall ein lan­ges Her­aus­schie­ben sein, weil ein­fach Druck auf dem Kes­sel ist“, sag­te Niers­bach. Ei­ne 14-köp­fi­ge Be­ru­fungs­kom­mis­si­on un­ter Vor­sitz von Lar­ry Mus­sen­den von den Ber­mu­da-In­seln muss nun über die Ein­sprü­che – ne­ben Pla­ti­ni will auch Amts­in­ha­ber Jo­seph Blat­ter ge­gen sei­ne Sper­re vor­ge­hen – ent­schei­den. Die Be­ru­fungs­kom­mis­si­on zeig­te sich in der Ver­gan­gen­heit stets un­nach­gie­big. So war der Ein­spruch des asia­ti­schen Fuß­ball-Chefs Mo­ha­med Bin Ham­mam ge­gen sei­ne le­bens­lan­ge Sper­re ge­nau­so ab­ge­wie­sen wor­den wie die Be­ru­fung der Exe­ku­tiv­mit­glie­der Reynald Te­ma­rii and Amos Ada­mu. Auch der eins­ti­ge Che­f­er­mitt­ler Michael Gar­cia war im ver­gan­ge­nen Jahr ab­ge­blitzt, als er die Be­wer­tung des Un­ter­su­chungs­be­richts durch Ethik-Rich­ter Hans-Joa­chim Eckert an­ge­pran­gert hat­te. Gar­cia war dar­auf­hin zu­rück­ge­tre­ten. In­ter­es­sant dürf­te nun sein, wie sich die Kom­mis­si­on – ein Pro­dukt der al­ten Fi­faStruk­tu­ren – nun bei Blat­ter und Pla­ti­ni ent­schei­det. Pla­ti­ni, der wäh­rend der Sper­re sei­ne Fuß­ball-Tä­tig­kei­ten ru­hen las­sen muss, war wie Blat­ter für 90 Ta­ge sus­pen­diert wor­den. Hin­ter­grund ist of­fen­bar ei­ne Zah­lung von Blat­ter an Pla­ti­ni in Hö­he von zwei Mil­lio­nen Schwei­zer Fran­ken aus dem Jahr 2011. Geht es nach dem süd­ame­ri­ka­ni­schen Ver­band, muss zu­min­dest bei Pla­ti­ni die Sper­re auf­ge­ho­ben wer­den. „Die Un­schulds­ver­mu­tung ist ein Grund­recht, das be­rück­sich­tigt wer­den muss. Herr Pla­ti­ni ist für kein Ver­ge­hen für schul­dig er­klärt wor­den, da­her ge­fähr­det die Sper­re den Wahl­pro­zess um die Fi­fa-Prä­si­dent­schaft“, teil­te Conmebol mit. Die Sper­re sei nicht zeit­ge­mäß und un­ver­hält­nis­mä­ßig. Zu­rück­hal­ten­der äu­ßer­te sich Niers­bach. „Ich ste­he zu mei­ner Mei­nung, dass es ei­ne Be­las­tung für ihn ist, nach­dem er vor 14 Ta­gen noch der ab­so­lu­te Fa­vo­rit war. Aber was das UefaExe­ku­tiv­ko­mi­tee zum Aus­druck brin­gen woll­te ist, dass es noch kei­ne Ver­ur­tei­lung ist, es ist ei­ne pro­vi­so­ri­sche Sper­re.“Wäh­rend bei Blat­ter die Schwei­zer Be­hör­den ein Er­mitt­lungs­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet ha­ben, wird Pla­ti­ni der­zeit noch als Aus­kunfts­per­son ge­führt. Dem Fran­zo­sen sol­le laut Conmebol ge­stat­tet wer­den, sei­ne Kan­di­da­tur für die Nach­fol­ge von Blat­ter wei­ter zu ver­fol­gen, oh­ne dass die­se durch ei­ne Vor­ver­ur­tei­lung ge­fähr­det wer­de. Der süd­ame­ri­ka­ni­sche Ver­band sei von den Fä­hig­kei­ten Pla­ti­nis über­zeugt, hieß es wei­ter. Auf Jack War­ner dürf­te dies nicht mehr zu­tref­fen. Der Ex-FifaVi­ze ist we­gen sei­ner Ver­wick­lung im Kor- rup­ti­ons­skan­dal be­reits le­bens­lang ge­sperrt wor­den. In sei­ner Hei­mat Tri­ni­dad/ To­ba­go kämpft er der­zeit ge­gen die Aus­lie­fe­rung in die USA an. Die An­ge­le­gen­heit sei ei­ne „ame­ri­ka­ni­sche He­xen­jagd“mein­te War­ner mit Blick auf die Un­ter­su­chun­gen der US-Jus­tiz. Auch Blat­ter be­kam von sei­nem lang­jäh­ri­gen Weg­ge­fähr­ten ’was zu hö­ren: „Der Tag, als ich die Fi­fa ver­las­sen muss­te, war der An­fang vom En­de für Blat­ter. Die glei­chen Leu­te, die mir ei­ne Gru­be gr­a­ben woll­ten, sind nun in ein viel tie­fe­res Loch ge­fal­len.“Die For­de­run­gen nach grund­le­gen­den Re­for­men in­ner­halb der Fi­fa wer­den lau­ter. Die Ver­ei­ni­gung der Pro­fi­li­gen reg­te die Er­nen­nung ei­nes un­ab­hän­gi­gen und glaub­wür­di­gen Füh­rungs­or­gans als Über­gangs­lö­sung an. Es gel­te zwar die Un­schulds­ver­mu­tung, aber die Fi­fa müs­se jetzt auf den „rich­ti­gen Weg“ge­bracht wer­den. Struk­tu­rel­le Re­for­men und Trans­pa­renz sei­en nö­tig, so die Ver­ei­ni­gung. Sie reg­te an, dass die Mit­glie­der der Fi­fa-Exe­ku­ti­ve und die Top-Ma­na­ger ih­re Ver­gü­tun­gen of­fen­le­gen.

Ver­fech­ter ei­ner ra­schen Neu­ord­nung an der FifaSpit­ze: DFB-Prä­si­dent Wolf­gang Niers­bach. Fo­to: avs

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