„Wer­det laut“

Der „Schwarz­wald-Ire“Rea Gar­vey und sein drit­tes So­lo-Al­bum „Pris­ma“

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Tipps & Themen -

Pris­ma – So lau­tet der viel­ver­spre­chen­de Ti­tel von Rea Gar­veys drit­tem So­lo-Al­bum. Und das nicht oh­ne Grund. Er­ober­te der cha­ris­ma­ti­sche „Schwarz­wald-Ire“, der sei­ne Kar­rie­re einst von Frei­burg aus star­te­te, bis­lang durch emo­tio­na­le Aus­sa­gen die Her­zen der Na­ti­on, wid­met er sich nun ei­nem The­ma, das ihm eben­so wich­tig ist: dem Hin­se­hen, Wach­wer­den und Auf­ste­hen. Ei­ner lan­gen mu­si­ka­li­schen Tra­di­ti­on fol­gend, hat Rea Gar­vey ei­nen aus­gie­bi­gen Blick auf die Welt um sich her­um ge­wor­fen und ein Al­bum mit Kopf und Herz ge­schrie­ben; mit lei­den­schaft­li­chen Songs, die bei al­lem un­ge­bro­che­nen Op­ti­mis­mus, auf­rüt­teln sol­len. Ein Pris­ma macht Din­ge sicht­bar, die mit blo­ßem Au­ge nicht er­kenn­bar sind. Es ver­wan­delt, mit­tels der Zer­streu­ung von Licht, ei­nen ein­zi­gen Licht­strahl in ein bun­tes Far­ben­spek­trum. Stellt man sich vor, die­ser Licht­strahl steht für uns den Zu­hö­rer, dann ist man an­ge­kom­men auf Pris­ma: „Dies ist kei­ne neu­zeit­li­che The­se, son­dern dient ei­ner prag­ma­ti­schen Ab­sicht. Die Songs Ar­mour, Fi­re, Run For The Bor­der, Put Your Tools Down Boys sol­len auf ei­ne Tat­sa­che auf­merk­sam ma­chen: Die Welt steht in Flam­men und wenn die Din­ge nicht bes­ser wer­den, dann müs­sen wir laut wer­den“, sagt Rea. Kon­fron­ta­ti­on. So lau­tet die De­vi­se auf die­sem Al­bum. Ob­wohl Rea Gar­vey sich sei­ne po­si­ti­ve Grund­ein­stel­lung bei­be­hält, mahnt er zum Laut­wer­den. Er weiß, er ist so­wohl Op­fer als auch Tä­ter und rich­tet sei­ne Wor­te so­mit genau so sehr an sich selbst, wie auch an die Welt da drau­ßen. Man muss wo­mög­lich et­was här­ter durch­grei­fen, denn es ste­hen kei­ne ge­rin­ge­ren Din­ge als un­se­re Frei­heit und un­ser Wohl­er­ge­hen auf dem Spiel. Doch ob­wohl die Songs da­zu auf­ru­fen, auf­zu­rüs­ten, sind sie kei­ne Pre­dig­ten. Auch wenn Rea Gar­vey im­mer auf­ge­schlos­sen und be­reit ist, sich in ver­schie­de­ne Rich­tun­gen aus­zu­stre­cken, geht er auf die­sem Al­bum sei­nen ganz ei­ge­nen Weg. Sei­ne Wur­zeln sind ver­an­kert in ei­ner mu­si­ka­li­schen Tra­di­ti­on, die in vie­ler­lei Hin­sicht zeit­los ist. Ei­ne Tat­sa­che, die er sich an­ge­hal­ten fühlt, mit die­sem Al­bum zu be­to­nen. Vom lang­jäh­ri­gen Weg­be­glei­ter und Gar­vey-Pro­du­zen­ten An­dy Chat­ter­ley pro­du­ziert, rü­cken die schil­lern­den Synth-Sounds von „Can’t Stand The Si­lence“und die akus­ti­sche In­stru­men­ta­ti­on, wie sie auf „Pride“stark ver­tre­ten wa­ren, in den Hin­ter­grund. Kla­re, sat­te E-Gi­tar­re und ein gro­ßer, luf­ti­ger Drum-Sound hel­fen nun, sei­ne ak­tu­el­le Mes­sa­ge rü­ber­zu­brin­gen. Erst­ma­lig in sei­ner 15-jäh­ri­gen Kar­rie­re hat Rea Gar­vey ein Al­bum in sei­ner deut­schen Wahl­hei­mat, Berlin, auf­ge­nom­men. Der über­wie­gen­de Groß­teil der Auf­nah­men fand in den le­gen­dä­ren Han­sa Stu­di­os in Berlin statt – Ge­burts­stät­te ei­ni­ger Al­ben von Grö­ßen wie Da­vid Bo­wie, Ig­gy Pop oder U2. Die ent­spre­chen­den Al­ben mach­ten reich­lich Ge­brauch von der Akus­tik die­ser be­rühm­ten Sä­le und auch Pris­ma bil­det in die­ser Hin­sicht kei­ne Aus­nah­me. Ana­log zum Pris­ma des Al­bum­ti­tels, wird das Spek­trum an mu­si­ka­li­schen Schat­tie­run­gen zur Schau ge­stellt: Die ly­ri­sche Ge­schich­te von Mo­cking­bird han­delt von Be­ses­sen­heit und Ver­wir­rung und ist ver­packt in ein Ar­ran­ge­ment, das an 60er R’n’B er­in­nert – ver­zerr­te Gi­tar­re und zu­neh­men­de Hör­ner. Par­al­lel zu sei­ner mu­si­ka­li­schen Kar­rie­re, setzt sich Gar­vey auch für hu­ma­ni­tä­re Ar­beit ein. Es sind die Ein­drü­cke, die er auf den um­fang­rei­chen Rei­sen im Rah­men die­ser Ar­beit sam­meln durf­te, die auf die­sem Al­bum Aus­druck fin­den. „Die­ses Al­bum ist ein Aus­bau mei­ner selbst, mei­ner Ge­müts­ver­fas­sung, aber es ist eben auch ein State­ment – Du bist ein In­di­vi­du­um und wenn ihr nicht glück­lich mit der Welt seid, dann tut euch zu­sam­men und wer­det laut.“

Nach­denk­li­cher Mu­si­ker: Rea Gar­vey hat ei­nen aus­gie­bi­gen Blick auf die Welt um sich her­um ge­wor­fen und ein Al­bum mit Kopf und Herz ge­schrie­ben. Fo­to: avs

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