Ter­min un­term Man­del­baum

Auf Mallor­ca ist jetzt Ern­te­zeit

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Reise & Urlaub -

Es sind nicht mehr die Far­ben, um die es nun geht. Die­ses strah­len­de Weiß, die­ses zar­te Ro­sa. Es ist nun der Ge­schmack. Und ein biss­chen ist es auch das Er­leb­nis, al­lent­hal­ben beim Ern­ten zu­zu­schau­en. Die Blü­ten aus Ja­nu­ar und Fe­bru­ar sind längst fer­ne Ver­gan­gen­heit – die­se Vor­bo­ten des Früh­lings, die die Wan­de­rer in die Man­del­hai­ne lo­cken und Syn­onym für das mil­de Kli­ma Mallor­cas sind. Die­sel­ben Bäu­me sind jetzt dünn be­laubt, ge­ben den Blick frei auf hell­brau­ne Scha­len­früch­te. Sie las­sen sich von der Son­ne per­fekt aus­leuch­ten – denn auf Mallor­ca ist das Wet­ter im No­vem­ber kaum an­ders als im Ja­nu­ar und Fe­bru­ar. Es gibt vie­le schö­ne und war­me Ta­ge, nicht mehr die gro­ße Hit­ze, kein Ba­de­wet­ter, aber im­mer noch Wan­der­wet­ter, Drau­ßen­sitz­wet­ter, so­gar Lie­ge­stuhl­wet­ter. Und es ist die Zeit, zu der Pe­re Coll und Unai Gall­ar­do den Kopf weit in den Na­cken le­gen und mit lan­gen Me­tall­stan­gen jon­glie­ren. Es ist Man­de­lern­te auf dem Gut Bi­nia­gu­al bei Inca öst­lich der Aus­läu­fer des Tra­m­un­ta­na-Ge­bir­ges –und über­all sonst auf Mallor­ca. Et­wa 750 000 Man­del­bäu­me gibt es Schät­zun­gen zu Fol­ge auf der In­sel – vor al­lem im Süd­os­ten und in der Mit­te. Vor ei­nem Vier­tel­jahr­hun­dert wa­ren es noch dop­pelt so vie­le. Die An­bau­flä­che hat sich von 30 000 auf 15 000 Hekt­ar hal- biert, und vie­le Jah­re lang lohn­te es sich nicht mal mehr, die Man­deln zu ern­ten: Zu tief war der Preis auf dem Welt­markt ge­fal­len Al­lein die Kos­ten für die Ern­te­hel­fer la­gen ober­halb des Ver­kaufs­prei­ses von gera­de mal knapp über zwei Eu­ro pro Ki­lo – die Be­wäs­se­rungs­kos­ten der Mo­na­te zu­vor und al­le Pfle­ge gar nicht mit­ge­rech­net. Nur EU-Sub­ven­tio­nen hiel­ten die mal­lor­qui­ni­schen Man­del­bau­ern in den schlimms­ten Jah­ren am Le­ben. Und der An­bau an­de­rer Er­zeug­nis­se. Pe­re Coll und Unai Gal­la­ordo ern­ten seit Jah­ren schon auf ei­ge­ne Rech­nung. Die Guts­be­sit­zer von Bi­nia­gu­al nicht weit vom Städt­chen Bi­nis­sa­lem ver­die­nen ihr Geld mit Wein und Oli­ven und ver­schen­ken die Man­deln an die Mit­ar­bei­ter: Wer mag, darf von den Bäu­men ern­ten so viel er will und kann selbst ent­schei­den, ob er es für den Pri­vat­ge­brauch tut oder die Aus­beu­te wei­ter­ver­kau­fen will. „Uns geht es dar­um, die Bäu­me zu er­hal­ten, das Land­schafts­bild und die Kul­tur der In­sel zu be­wah­ren“, er­zählt Guts­ver­wal­te­rin Char­lot­te Mil­ler. Pe­re Coll hat die Haut ei­nes Man­nes, der sein Be­rufs­le­ben in der Son­ne ver­bracht hat. Er hat die gro­ßen, rau­en Hän­de ei­nes Men­schen, der viel auf den Fel­dern ge­ar­bei­tet hat. Die­sen Herbst­tag greift er da­mit auf das Netz, das rund um den größ­ten Man­del­baum aus­ge­brei­tet ist. Er formt die Hand­flä­chen zu ei­ner Schüs­sel, füllt sie mit ei­ner aus­ho­len­den Be­we­gung mit Man­deln. Und er strahlt da­bei: „ Für mich ste­hen sie für das gan­ze Le­ben. Sie ste­hen für Mallor­ca. So wie jetzt ha­be ich sie seit der Kind­heit auf­ge­klaubt.“Wenn er sel­ber ei­nen Baum pflan­zen dürf­te? „. Wahr­schein­lich ei­nen Man­del­baum. Viel­leicht aber auch ei­ne Oli­ve. Oder ei­nen Gra­nat­ap­fel­baum.“All drei ge­dei­hen in Mallor­cas Kli­ma präch­tig. Tat­säch­lich spielt die Dür­re in Ka­li­for­ni­en den mal­lor­qui­ni­schen Bau­ern in­zwi­schen in die Hän­de. Ak­tu­ell liegt der Ki­lo­preis für ge­schäl­te Man­deln bei sechs Eu­ro. Die Sa­che fängt an, sich wie­der zu rech­nen. Auf Bi­nia­gu­al aber än­dert sich nichts: Die Man­deln „ge­hö­ren“den Mit­ar­bei­tern. An man­chen Wo­che­n­en­den stel­len sie sich auf die Märk­te und ver­kau­fen die Früch­te. Wer sie ih­nen ab­nimmt? Oft sind es Ur­lau­ber. „Weil kaum et­was bes­ser schmeckt als fri­sche hand­ge­pflück­te Man­deln. Und weil die mal­lor­qui­ni­schen die bes­ten der Welt sind“– meint Pe­re.

Noch im­mer ist Wan­der­wet­ter

Flü­ge – bei­spiels­wei­se mit Air Berlin, Tuifly oder Con­dor gibt es ab zahl­rei­chen deut­schen Flug­hä­fen für rund 90 Eu­ro pro Stre­cke. www.airber­lin.com www.tuifly.com www.con­dor.com

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