Rü­gens ru­hi­ger Sü­den

In Lau­ter­bach star­ten die Fäh­ren zum Bio­sphä­ren­re­ser­vat Vilm

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Reise & Urlaub -

Die Fähr­schif­fe vom Fest­land nach Gle­witz auf der Halb­in­sel Zu­dar in Rü­gens äu­ßers­tem Sü­den brau­chen nur zehn Mi­nu­ten. Im Mit­tel­al­ter ka­men je­des Jahr Hun­der­te von Pil­gern über den St­re­lasund ins gleich­na­mi­ge Dorf Zu­dar. Das lag an St. Lau­ren­ti­us, ei­ner Wall­fahrts­kir­che mit ei­nem Ma­ri­en­bild, von dem es hieß, es kön­ne Wun­der wir­ken. Nach­dem 1372 et­li­che Wall­fah­rer bei der Über­fahrt er­tran­ken, wa­ren sich vie­le da nicht mehr so si­cher. Die Pil­ger­fahr­ten nah­men ein jä­hes En­de. Die Kir­che steht noch und di­rekt da­vor Susanne Falk. Sie ist in Ost-Berlin auf­ge­wach­sen. „Aber ich ha­be mich in Rü­gen ver­liebt“, sagt sie, „die Land­schaft ist so traum­haft schön.“Seit 15 Jah­ren ar­bei­tet sie als Rei­se­füh­re­rin auf der In­sel. Spa­zier­gän­ger auf Zu­dar lau­fen vor­bei an Fel­dern mit Mais und Raps, ne­ben de­nen Mar­ge­ri­ten und Korn­blu­men blü­hen. Und auch die Strän­de sind ein­sam, an­ders als in Binz oder Sel­lin. Ei­ner, der den Sü­den Rü­gens im­mer ge­liebt hat, war Fürst Wil­helm Mal­te (1783 bis 1854). Er hat das nörd­lich von Zu­dar ge­le­ge­ne Put­bus ge­grün­det und zum Ur­laubs­ort ge­macht. Das Ba­de­haus Goor im Orts­teil Lau­ter­bach wur­de 1818 in sei­nem Auf­trag er­baut. Da­mals brach­te man das Ost­see­was­ser in Fäs­sern dort­hin, er­wärm­te es, füll­te es in Wan­nen für die Ba­de­gäs­te. Heu­te ist das Ba­de­haus Goor ein Well­ness-Ho­tel. Zum Ha­fen von Lau­ter­bach sind es zu Fuß nur fünf Mi­nu­ten. Von hier star­ten die Fahr­ten zur In­sel Vilm. Nach nur ei­ner Vier­tel­stun­de Über­fahrt ist der In­sel­ha­fen zu se­hen. Andre­as Kuh­fuß von der Ree­de­rei Lenz war­tet an Land auf die Pas­sa­gie­re. Al­lei­ne dür­fen sie die knapp ei­nen Qua­drat­ki­lo­me­ter klei­ne In­sel nicht er­kun­den. Vilm ist Teil des Bio­sphä­ren­re­ser­vats Süd­ost-Rü­gen. Mehr als 60 Be­su­cher pro Tag sind nicht er­laubt. Der Sü­den der In­sel ist kom­plett ge­sperrt. Noch in den 1950ern ka­men re­gel­mä­ßig Tou­ris­ten, 1959 auch Ot­to Gro­te­wohl, Mi­nis­ter­prä­si­dent der DDR. Er ließ an­schlie­ßend meh­re­re Häu­ser für Mi­nis­ter der DDR-Re­gie­rung bau­en. Bald dar­auf wur­de die In­sel für Ot­to-Nor­mal­be­su­cher ge­sperrt, und das blieb sie bis zur Wen­de.

Na­tur­re­ser­vat ers­ter Gü­te. Die In­sel Vilm bei Rü­gen war einst das be­vor­zug­te Ur­laubs­quar­tier der SED-Bon­zen. Heu­te ist sie Bio­sphä­ren­re­ser­vat. Fo­to: Gr­a­bow­ski

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