Chan­ce für Wehr­lein

For­mel 1: Cin­de­rel­la der Renn­stre­cke – Ma­rus­sia auf dem Vor­marsch

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport -

Es ist ei­ne Cin­de­rel­la-Sto­ry in der For­mel 1, die sich da bei Ma­nor-Ma­rus­sia ab­spielt – und ei­ne der Haupt­rol­len könn­te bald das deut­sche Top-Ta­lent Pas­cal Wehr­lein spie­len. Ziem­lich genau ein Jahr ist es her, da er­schüt­ter­te der ver­häng­nis­vol­le Un­fall des am 17. Ju­li ge­stor­be­nen Ju­les Bi­an­chi die Kö­nigs­klas­se. Im Zen­trum der Trau­er stand fort­an sein Team, der oh­ne­hin fast per­spek­tiv­lo­se Ma­rus­sia-Renn­stall. Zwölf Mo­na­te und ei­ne In­sol­venz spä­ter ver­ar­bei­ten die Eng- län­der noch im­mer den tra­gi­schen To­des­fall, an­sons­ten hat sich vor dem heu­ti­gen Gro­ßen Preis von Russ­land fast al­les ge­än­dert. Die Zu­kunft ist vor­erst ge­si­chert, ab 2016 kom­men Ge­trie­be- und Auf­hän­gungs­kom­po­nen­ten von Wil­li­ams, und an der Mo­to­ren­front ge­lang der ganz gro­ße Coup: Ma­rus­sia wird in Zu­kunft den An­trieb von Welt­meis­ter Mer­ce­des in sei­ne Bo­li­den bau­en – vom chro­nisch punkt­lo­sen Hin­ter­bänk­ler-Team dürf­te der klei­ne Renn­stall da­mit zur ernst zu neh­men­den Grö­ße in der Kö­nigs­klas­se wer­den. Mit den Ag­gre­ga­ten des Bran­chen­pri­mus’ dürf­te Ma­nor-Ma­rus­sia, in die­ser Sai­son ein­zi­ger Renn­stall oh­ne WM-Punkt, ei­nen Sprung nach vor­ne ma­chen. „Das Team ist aus­dau­ernd, und es be­sitzt ei­nen fan­tas­ti­schen Wett­be­werbs­geist“, hat­te To­to Wolff zu­letzt ge­sagt, als der Mo­to­ren-De­al öf­fent­lich wur­de. Im­mer wie­der ou­te­te sich der Mer­ce­des-Mo­tor­sport­chef zu­vor als Fan der „Schrau­berT­rup­pe“aus Din­nington: „Wir sind al­le ge­spannt dar­auf zu se­hen, wel­che Fort­schrit­te sie im nächs­ten Jahr mit ih­rem neu­en Au­to und der Hy­brid-Po­wer-Unit von Mer­ce­des ma­chen kön­nen.“Die Auf­bruch­stim­mung rund um Man­orMa­rus­sia wird nun durch die mög­li­che Ver­pflich­tung Pas­cal Wehr­leins wei­ter be­feu­ert. Der Mer­ce­des-Mann, seit ei­nem Jahr be­reits Er­satz­fah­rer der Welt­meis­ter, steht in der DTM kurz da­vor, sich zum jüngs­ten Cham­pi­on in der Ge­schich­te der Se­rie zu krö­nen. Am nächs­ten Wo­che­n­en­de, dem sei­nes 21. Ge­burts­tags (18. Ok­to- ber), steigt das Sai­son­fi­na­le in Hockenheim, da­nach will der Sig­ma­rin­ger so schnell wie mög­lich in die Kö­nigs­klas­se. Durch den Ma­nor-De­al hat sich nun ei­ne neue Tür ge­öff­net. Auf bei­den Sei­ten wird die Per­so­na­lie zwar zu­rück­hal­tend kom­men­tiert. Nach der DTM-Sai­son, sagt Wolff, „wer­den wir se­hen, ob wir ihn in der For­mel 1 un­ter­brin­gen“. Ma­nor-Sport­chef Gra­e­me Low­don be­zeich­net Wehr­lein als „of­fen­sicht­lich gro­ßes Ta­lent, er ist si­cher­lich ein Fah­rer, den man im Au­ge be­hal­ten soll­te“. Ent­spre­chen­de Ver­hand­lun­gen be­stä­tigt er noch nicht. Doch al­le Par­tei­en wür­den von der Ver­pflich­tung pro­fi­tie­ren: Ma­nor be­kä­me für sei­ne ers­te Sai­son mit ei­nem kon­kur­renz­fä­hi­gen Au­to ei­nes der größ­ten Ta­len­te auf dem Markt. Mer­ce­des könn­te sei­nem Youngs­ter, des­sen Fo­kus klar auf der Kö­nigs­klas­se liegt, schon 2016 ein Cock­pit bie­ten. Wehr­lein wür­de den nächs­ten Schritt nach der DTM ma­chen, und das nicht bei ei­nem chan­cen­lo­sen Team – er dürf­te sich gleich in sei­ner ers­ten Sai­son mit Ni­co Hül­ken­berg (Force In­dia) und Co. im Kampf um die Plät­ze hin­ter den Top-Teams mes­sen. „Aschen­put­tel“Ma­nor könn­te ihm das bie­ten. Noch vor ei­nem Jahr hät­te das wohl nie­mand für mög­lich ge­hal­ten.

Coup: Ab 2016 lie­fert Mer­ce­des die Mo­to­ren

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