Heb­am­me: Ulrike Lau-Roll­büh­ler und ih­re vie­len Ba­bys

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - E In­grid Voll­mer

ine Ge­burt ist et­was Ein­zig­ar­ti­ges. Wer die ers­ten Se­kun­den ei­nes Men­schen au­ßer­halb des Mut­ter­leibs mit­er­lebt hat, wird das be­stä­ti­gen. Und wie sieht das aus, wenn man fast 1 000 Ge­bur­ten be­glei­tet hat? „Je­de für sich ist ab­so­lut ein­zig­ar­tig, ab­so­lut emo­tio­nal, im­mer wie­der neu“, sagt Ulrike Lau-Roll­büh­ler. Die Heb­am­me hat von 1987 bis 2013 im Stadt- und Land­kreis Karls­ru­he vie­len klei­nen Men­schen auf dem Weg ins Le­ben ge­hol­fen. Jetzt hat sie sich in ih­rer Heb­am­men­pra­xis auf Schwan­ge­ren-, Wo­chen­bett- und Säug­lings­be­treu­ung spe­zia­li­siert. Mit ei­ner Heb­am­me, die in der Ge­burts­hil­fe tä­tig ist, ei­nen Ter­min zu ver­ein­ba­ren, ist fast un­mög­lich. Die­se Er­fah­rung ha­ben auch die Kin­der von Ulrike LauRoll­büh­ler ge­macht. „Die kön­nen ein Lied da­von sin­gen, wie oft ich sie ha­be sit­zen­las­sen“, sagt sie. Vie­le Jah­re lang stan­den pri­va­te Ak­ti­vi­tä­ten im­mer hin­ter dem Be­ruf zu­rück. „Mein Mann und mei­ne Kin­der ha­ben das ak­zep­tiert und ich hat­te ein tol­les so­zia­les Um­feld“, sagt die 54-Jäh­ri­ge. Das hat es ihr er­mög­licht, teils 36 St­un­den am Stück im Be­ruf un­ter­wegs zu sein. „Ein Bla­sen­sprung, ei­ne Ge­burt, ein Pro­blem beim Stil­len, ein ganz nor­mal ver­ein­bar­ter Ter­min mit ei­ner Frau“, zählt Lau-Roll­büh­ler auf. Dann schnell hin­le­gen, schnell, „schnell schla­fen“, denn bei der nächs­ten Pa­ti­en­tin könn­ten mit­ten in der Nacht die We­hen ein­set­zen. Wenn sie sich heu­te über­legt, wie sie das mit drei Kin­dern und Haus­halt ge­schafft, hat, weiß sie es selbst nicht. Heb­am­men, so meint sie, bräuch­ten schon ganz spe­zi­el­le Män­ner, die de­ren Ein­satz oh­ne Mur­ren hin­näh­men. „Durch­hal­te­ver­mö­gen, Biss und Ge­duld“, sind für sie die wich­tigs­ten Ei­gen­schaf­ten ei­ner Heb­am­me. Sie sei auch im Pri­va­ten sehr ge­dul­dig, meint sie, und vor al­lem mit Durch­hal­te­ver­mö­gen aus­ge­stat­tet. Das tes­tet sie im­mer wie­der bei Berg­tou­ren mit Freun­din­nen aus. „In der Na­tur kann ich aus­span­nen“, er­zählt Ulrike LauRoll­büh­ler. „Es be­frie­digt mich, wenn ich ein Ziel er­rei­che und mich da­für rich­tig an­stren­gen muss.“Zum ers­ten Mal in ih­rem Le­ben gönnt sie sich dem­nächst ei­ne sechs­wö­chi­ge Auszeit. „Ich fah­re nach In­di­en“, sagt die Yo­ga­an­hän­ge­rin. „Und ich wan­de­re im Hi­ma­la­ya.“Man sieht ihr an, dass da ein Traum in Er­fül­lung geht. Bis es so­weit ist, be­gnügt sich Ulrike Lau-Roll­büh­ler mit den klei­nen Ni­schen, die das Le­ben bie­tet: je­den Mor­gen ei­ne St­un­de Yo­ga, Wan­de­run­gen in der Pfalz, Spa­zier­gän­ge mit Hund Ma­ruk.

Ulrike Lau-Roll­büh­ler hat als Heb­am­me fast 1 000 Ge­bur­ten be­glei­tet. In ih­rer spär­li­chen Frei­zeit geht sie ger­ne wan­dern. Fo­to: ivo

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