Schall­plat­ten: So sieht’s bei den Samm­lern aus

Über 130 Vi­nyl-Samm­ler ge­wäh­ren Ein­blick in ih­re Schatz­kam­mern

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Wolf­gang We­ber Ei­lon Paz, Dust & Groo­ves – Plat­ten­samm­ler und ih­re Hei­lig­tü­mer, Eden Books, 488 Sei­ten, durch­ge­hend far­big be­bil­dert, 24,1 x 30,5 Zen­ti­me­ter, 49,95 Eu­ro

Sie ist ein­fach nicht tot­zu­krie­gen, die gu­te al­te Schall­plat­te. Ver­mut­lich wird sie sich auch noch in 100 Jah­ren, wenn kein Mensch mehr weiß, wie ei­ne CD aus­sieht, auf den Plat­ten­tel­lern die­ser Welt dre­hen. Und übe­r­all auf der Welt wer­den wei­ter­hin Men­schen le­ben, die Spaß dar­an Ein di­ckes Buch, nicht nur für Plat­ten­samm­ler, son­dern auch für Fans schö­ner Fotos. ha­ben, die schwar­zen Schei­ben in den bun­ten Hül­len zu sam­meln, zu ar­chi­vie­ren, zu sor­tie­ren – und na­tür­lich an­zu­hö­ren. Der 1974 in Is­ra­el ge­bo­re­ne Fo­to­graf und Plat­ten­samm­ler Ei­lon Paz in­ter­es­siert sich nicht nur für Plat­ten, son­dern auch für Plat­ten­samm­ler. 2008 star­te­te er die Web­sei­te www.du­stand­groo­ves.com, auf der die flei­ßigs­ten und ver­rück­tes­ten Plat­ten­samm­ler der Welt vor­ge­stellt wer­den. Auf der Sei­te fin­det man nicht nur un­glaub­li­che Fotos von über 130 Plat­ten­samm­lun­gen und ih­ren Be­sit­zern, son­dern auch In­ter­views und Por­traits von sehr in­ter­es­san­ten, manch­mal skur­ri­len, aber auf al­le Fäl­le lei­den­schaft­li­chen Men­schen. Jetzt gibt’s ei­nen um­fang­rei­chen Aus­schnitt die­ser Web­sei­te auch in ei­nem rich­ti­gen, ana­lo­gen, ge­druck­ten Buch: Der opu­len­te Bild­band „Dust & Groo­ves“gibt auf 432 groß­for­ma­ti­gen Sei­ten ei­nen ein­zig­ar­ti­gen Ein­blick in die fas­zi­nie­rends­ten Plat­ten­samm­lun­gen welt­weit. In hoch­wer­ti­gen Fo­to­stre­cken und aus­führ­li­chen In­ter­views geht „Dust & Groo­ves“der Sam­mel­lei­den­schaft sei­ner Prot­ago­nis­ten auf den Grund. Über 130 Samm­ler, dar­un­ter re­gel­rech­te Stars der Sze­ne wie Gil­les Peterson, Ah­mir „Qu­est­l­ove“Thomp­son, Kei­ran Heb­den oder The Gas­lamp Kil­ler, ge­wäh­ren ei­nen Blick in ihr Al­ler­hei­ligs­tes und spre­che über ih­re Mo­ti­va­ti­on, ih­re Ge­schich­te und, na­tür­lich, über ih­re Lieb­lings­plat­ten. Zum Bei­spiel „Qu­est­l­ove“: Er ist Schlag­zeu­ger der le­gen­dä­ren Hip-Hop-Band The Roots und Rund-um-die-Uhr-DJ und fin­det ne­ben­bei im­mer noch Zeit, neue Plat­ten zu kau­fen. Sein ers­tes Wohn­zim­mer be­stand aus­schließ­lich aus Plat­ten, eben­so die Kü­che und das Ba­de­zim­mer. „Ir­gend­wann fing ich an, die Plat­ten zu zer­bre­chen, wäh­rend ich von hier nach da zu kom­men ver­such­te“, er­zählt er im Interview. Da nahm dann sein „Plat­ten­raum“Gestalt an. „1999 be­auf­trag­te ich mei­nen Sch­wa­ger, der da­mals Schrei­ner war, mir Re­ga­le zu bau­en, in die min­des­tens 50 000 Plat­ten pas­sen. In­zwi­schen ste­hen an ver­schie­de­nen Plät­zen rund 75 000 Schall­plat­ten. „Ei­ne der bes­ten Samm­lun­gen, an die ich kam, war die von der Toch­ter von Le­vi Stubbs von den Four Tops. Sie gab mir 25 von die­sen Kis­ten – ir­re 1960er-Pro­be­pres­sun­gen von Mo­town-Sa­chen. Durch die Be­kannt­schaft mit den rich­ti­gen Leu­ten ha­be ich hier ein paar un­schätz­ba­re Stü­cke an­ge­häuft.“Ge­schich­ten wie die­se gibt’s vie­le in die­sem wun­der­schö­nen Buch. Und am bes­ten legt man wäh­rend des Le­sens und Blät­terns ein­fach mal wie­der ei­ne Schall­plat­te auf.

Das ist Ju­ni­chi Miya­ji aus Chi­ga­sa­ki in Ja­pan. In die­sem Zim­mer be­wahrt er sei­ne Singles auf. Hier prä­sen­tiert er ei­ne Plat­te der schwe­di­schen Beat-Ka­pel­le Len­ne & the Lee Kings. Foto: Ei­lon Paz

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