Film­stars: Be­such bei ei­ner Tier­trai­ne­rin

Film­tier­trai­ne­rin Tat­ja­na Zimek lebt mit über 100 tie­ri­schen Schau­spie­lern zu­sam­men

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Me­la­nie Schnau­fer

Klei­ne Hun­de, gro­ße Hun­de, sol­che mit wu­sche­li­gem Fell oder mit kur­zem, Jun­ge und Al­te – kaum ein­ge­tre­ten, wird der Be­such in Tat­ja­na Zimeks Film­tier­schu­le im pfäl­zi­schen Min­feld von ei­ner bunt ge­misch­ten, fröh­lich bel­len­den Hun­de­schar um­ringt. Mit Be­geis­te­rung und schmut­zi­gen Pföt­chen hin­ter­las­sen Zi­tro­nella, Cin­de­rel­la, Ta­ba­lu­ga und die an­de­ren stau­bi­ge Si­gna­tu­ren auf al­len ver­füg­ba­ren Ho­sen­bei­nen. „Du weißt nie, wel­che Sze­nen du spä­ter mal dre­hen musst“, sagt Tat­ja­na Zimek, „des­we­gen las­se ich ih­nen viel Nar­ren­frei­heit.“ „Hät­te mir da­mals je­mand ge­sagt, dass ich mal mit über 100 Tie­ren auf ei­nem Hof von zwei Hekt­ar Land le­be und eu­ro­pa­weit ar­bei­te, hätt’ ich ge­dacht, der spinnt“, lacht die Tier­trai­ne­rin, die ih­re Schütz­lin­ge für Auf­trit­te in Film und Fern­se­hen so­wie Wer­be­spots vor­be­rei­tet – und das seit fast 30 Jah­ren. Mit Ein­füh­lungs­ver­mö­gen, Ge­duld, Krea­ti­vi­tät und vie­len Le­cker­li bringt Tat­ja­na Zimek ih­ren Tie­ren zahl­rei­che Tricks bei. Sie lässt Hüh­ner tan­zen („Herr Bel­lo“), Chi­hua­huas knur­ren („Um Him­mels Wil­len“) und schreckt auch nicht vor der Her­aus­for­de­rung zu­rück, 1 000 Rat­ten für ei­nen ProSie­benHor­ror­film zu bän­di­gen. Ih­re Schütz­lin­ge tre­ten in Fil­men wie „Bi­bi Blocks­berg“, „Ko­ko­wääh II“oder „7 Zwer­ge II“auf und glän­zen so­gar ne­ben Hol­ly­wood-Schau­spie­lern wie Tom Crui­se („Ope­ra­ti­on Wal­kü­re“). „Geht nicht, gibt’s nicht“heißt es im Film­ge­schäft, doch die Tier­trai­ne­rin ach­tet ge­nau dar­auf, ob es ih­ren Schütz­lin­gen gut geht. „Ich hab mei­ne Tie­re lieb“, stellt sie klar. „Das sind kei­ne Com­pu­ter, die ich ein­fach pro­gram­mie­ren kann“. Fin­ger­spit­zen­ge­fühl ist et­wa bei Dreh­ar­bei­ten mit ei­ner Kat­ze ge­fragt. Um den ei­gen­sin­ni­gen Mäu­se­jä­ger auf sei­nen Ein­satz vor­zu­be­rei­ten, fährt Tat­ja­na Zimek auch mal ei­ne Wo­che vor­her ans Set, „um mit ihm das Re­vier zu er­kun­den“. Dann wird vor Ort trai­niert, denn „wenn die Kat­ze bei mir zu Hau­se aufs Mäu­er­chen springt, heißt es noch lan­ge nicht, dass sie die­ses Kom­man­do auch in ei­ner frem­den Um­ge­bung be­folgt“, weiß die er­fah­re­ne Tier­trai­ne­rin. „Es ist ver­rückt, manch­mal be­nö­tigt man für ei­ne fünf Se­kun­den lan­ge Sze­ne wo­chen­lan­ge Vor­be­rei­tung“, ver­rät Tat­ja­na Zimek. „Lei­der ist Film­tier­trai­ner kein an­er­kann­ter Aus­bil­dungs­be­ruf, des­we­gen gibt es auch schwar­ze Scha­fe“, be­dau­ert sie. „Als jun­ges Mäd­chen ha­be ich mir so sehr ei­nen ei­ge­nen Hund ge­wünscht, doch mein Va­ter hat­te im­mer ei­ne an­de­re Aus­re­de“, er­in­nert sich Tat­ja­na Zimek, die in Wörth auf­ge­wach­sen ist. Wäh­rend ei­nes Prak­ti­kums im Tier­heim plün­dert sie ir­gend­wann ihr Spar­schwein und bringt un­ge­fragt „Wu­schel­hund“Bon­nie mit nach Hau­se – „da war das Thea­ter na­tür­lich groß“. Doch nach ein paar Ta­gen be­ru­hig­ten sich die El­tern und die da­mals 14-Jäh­ri­ge „war der glück­lichs­te Mensch“. In­spi­riert durch die Se­rie „Boo­mer, der Streu­ner“, brach­te die Ju­gend­li­che ih­rer Bon­nie die ers­ten Kunst­stü­cke bei und be­gann ir­gend­wann „ganz na­iv“, Fern­seh- an­stal­ten an­zu­schrei­ben. Nach zwei Jah­ren gab’s end­lich den ers­ten Auf­trag für ei­ne Pro­duk­ti­on in Ber­lin. „Die­ses Bild wer­de ich nie ver­ges­sen: Ich und der Hund im Zug, mei­ne Mut­ter wei­nend auf dem Bahn­steig“, er­zählt die Tier­trai­ne­rin, die ei­ne Aus­bil­dung zur Bio­lo­gisch-Tech­ni­schen As­sis­ten­tin ge­macht hat. Mitt­ler­wei­le lebt Tat­ja­na Zimek seit 14 Jah­ren auf dem gro­ßen, idyl­lisch ge­le­ge­nen Grund­stück am Orts­rand von Min­feld. „Hier bin ich glück­lich, hier kann ich mich ent­fal­ten“, sagt sie. Das Haus, ge­stri­chen in leuch­ten­dem Tür­kis und ver­ziert mit ro­sa Pfo­ten­ab­drü­cken, bil­det den Mit­tel­punkt des Hofs, der so weit ent­fernt scheint vom All­tag. Kaum hat man auf dem nied­ri­gen Mäu­er­chen Platz ge­nom­men, ku­scheln sich au­gen­blick­lich fünf Hun­de da­zu. Durchs bunt leuch­ten­de Laub spa­zie­ren Hüh­ner, ein paar Kat­zen streu­nen um­her und der zah­me St­ein­bock Ama­de­us wetzt die Hör­ner am Zaun sei­nes Ge­he­ges. Wo­hin das Au­ge schweift – übe­r­all Tie­re – Tat­ja­na Zimek kennt al­le beim Na­men und kann zu je­dem ei­ne Ge­schich­te er­zäh­len. Sie zeigt auf Huhn Cho­co­la­te, das in der Schweiz durch die Wer­be­spots ei­ner Su­per­markt­ket­te gro­ße Be­rühmt­heit er­lang­te und so­gar ein ei­ge­nes Face­book-Pro­fil be­sitzt. 40 Hun­de und 25 Kat­zen le­ben auf dem Grund­stück, da­zu kom­men Greif­vö­gel, Kol­kra­ben, Pa­pa­gei­en, Hüh­ner, Stör­che, Re­he und Wild­schwei­ne – vie­le da­von Hand­auf­zuch­ten oder aus dem Tier­heim. Zu tun gibt es im­mer was – Un­ter­stüt­zung be­kommt sie von drei Hel­fern so­wie vie­len Prak­ti­kan­ten. Bald ist Tat­ja­na Zimek wie­der un­ter­wegs: Im Musical „Der Zau­be­rer von Oz“über­nimmt ihr Wu­schel­hund Pop­corn ei­ne Haupt­rol­le. „Das ist et­was ganz Be­son­de­res“, freut sich die Tier­trai­ne­rin, denn „zum ers­ten Mal wird ,To­to‘ von ei­nem ech­ten Hund dar­ge­stellt.“Pop­corn ist das gan­ze Stück über auf der Büh­ne zu se­hen und soll mit der Schnau­ze ei­nen ro­ten Tep­pich aus­rol­len. „Das macht sie rich­tig su­per“, ist die Tier­trai­ne­rin stolz und prä­pa­riert den Tep­pich fürs Trai­ning – dar­in ver­steckt, ein le­cke­res Stück Wurst für den wu­sche­li­gen Musical-Star.

„Hüüüüüüüh­ner . Hüüüüüh­ner . . .“: Mit lang ge­zo­ge­nen Ru­fen lockt Tier­trai­ne­rin Tat­ja­na Zimek ih­re Tie­re an. Die kom­men aus al­len Win­keln des Gar­tens blitz­schnell an­ge­saust, denn die fei­nen Le­cker­li möch­ten sich we­der Huhn noch Storch ent­ge­hen las­sen. So­gar ei­ne Kat­ze mischt sich neu­gie­rig un­ter das Fe­der­vieh.

Wu­schel­hund Pop­corn ist der Star im Musical „Der Zau­be­rer von Oz“. Auf der Büh­ne rollt die auf­ge­weck­te Hün­din als „To­to“ei­nen lan­gen ro­ten Tep­pich aus. Fotos: Tan­ja Mo­ri Mon­tei­ro

„Ich ar­bei­te ger­ne mit Hun­den, sie sind su­per­in­tel­li­gent“, sagt die er­fah­re­ne Tier­trai­ne­rin. Zu ih­rem Ru­del ge­hö­ren 40 Tie­re, von jun­gen Azu­bis bis hin zu den Se­nio­ren, die ih­re Film­kar­rie­re be­reits be­en­det ha­ben.

Be­son­de­rer Schnapp­schuss: Über 100 Tie­re be­her­bergt Tat­ja­na Zimek auf ih­rem Hof in Min­feld. Da kann es schon mal zur zag­haf­ten Be­geg­nung zwi­schen Reh und Kat­ze kom­men.

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