Ei­ne Ex­plo­si­on und vier To­te

Po­li­zei ver­mu­tet Fa­mi­li­en­dra­ma / Er­ker von Haus in Karls­ru­he weg­ge­sprengt

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - bo/avs

Der Knall war oh­ren­be­täu­bend, vier Men­schen sind tot. Un­ter den Op­fern, die die Feu­er­wehr nach der Ex­plo­si­on in ei­ner Karls­ru­her Woh­nung ent­deck­te, sind auch zwei Kin­der. Ob die Men­schen durch die Ex­plo­si­on star­ben oder be­reits vor­her – wo­mög­lich durch Ge­walt – ums Le­ben ge­kom­men sind, war ges­tern noch un­klar. Die Er­mitt­lungs­be­hör­den ver­mu­ten, dass sich ei­ne Fa­mi­li­en­tra­gö­die er­eig­net hat. Im be­schau­li­chen Stadt­teil Wol­farts­wei­er ist das Ent­set­zen groß. Am Frei­tag­abend kurz nach 20.15 Uhr hat­te ei­ne be­sorg­te Frau die Po­li­zei zu der Woh­nung in der Al­bert-Ein­stein-Stra­ße ge­ru­fen. Es soll sich um die Mut­ter ei­ner Schü­le­rin ge­han­delt ha­ben, die mit ei­nem Mit­glied der in der Woh­nung im zwei­ten Ober­ge­schoss le­ben­den Fa­mi­lie be­freun­det war. Die Frau hat­te of­fen­bar am Abend ver­geb­lich an der Woh­nungs­tür ge­klin­gelt. Weil trotz des ein­ge­schal­te­ten Lich­tes nie­mand öff­ne­te, in­for­mier­te die Frau die Po­li­zei. Wie Po­li­zei und Staats­an­walt­schaft mit­teil­ten, kam es un­mit­tel­bar nach Ein­tref­fen der Be­am­ten zu ei­ner ex­plo­si­ons­ar­ti­gen Ver­puf­fung in der Woh­nung. „Die Druck­wel­le der De­to­na­ti­on war der­art stark, dass der Glas­kör­per ei­nes zur Woh­nung ge­hö­ren­den Er­kers weg­ge­sprengt wur­de“, heißt es im gest­ri­gen Be­richt der Er­mitt­ler. Dann be­gann es zu bren­nen. Als kurz dar­auf Feu­er­wehr­leu­te die Räu­me be­tra­ten – we­gen der enor­men Rauch­ent­wick­lung mit schwe­rem Atem­schutz – ent­deck­ten sie leb­lo­se Kör­per. Für die Op­fer sei je­de Hil­fe zu spät ge­kom­men, heißt es. Zu­nächst war von drei Lei­chen die Re­de, ges­tern teil­ten Po­li­zei und Staats­an­walt­schaft mit, dass zwei Er­wach­se­ne und zwei Kin­der ums Le­ben ge­kom­men sind. Die Feu­er­wehr, die mit 40 Ein­satz­kräf­ten und elf Fahr­zeu­gen vor Ort war, konn­te die Flam­men rasch er­sti­cken und ein Über­grei­fen auf die sie­ben wei­te­ren Woh­nun­gen in dem Haus ver­hin­dern. De­ren Be­woh­ner hat­ten sich al­le un­ver­sehrt in Si­cher­heit brin- gen kön­nen. Vor dem Ge­bäu­de la­gen nach dem Un­glück un­zäh­li­ge Trüm­mer­tei­le – und da­zwi­schen auch Kin­der­spiel­zeug. Ne­ben Po­li­zei, Feu­er­wehr und Ret­tungs­dienst so­wie dem Wol­farts­weie­rer Orts­vor­ste­her und Ver­tre­tern des So­zia­len Di­ens­tes war auch die Not­fall­seel­sor­ge vor Ort. Be­reits in der Nacht zum gest­ri­gen Sams­tag nah­men An­ge­hö­ri­ge der Kri­mi­nal­tech­nik die Spu­ren­si­che­rung in der zer­stör­ten Woh­nung auf. Die Kri­mi­nal­po­li­zei ge­wann schnell den Ein­druck, dass es sich wohl nicht um ein „Un­fall­ge­sche­hen“ge­han­delt ha­ben kön­ne. Die Ur­sa­che der Ver­puf­fung war al­ler­dings auch ges­tern noch un­ge­klärt. Die Karls­ru­her Er­mitt­ler wur­den sei dem Mor­gen von Brand­sach­ver­stän­di­gen des Lan­des­kri­mi­nal­amts Ba­den-Würt­tem­berg un­ter­stützt. An­ge­hö­ri­ge des In­sti­tu­tes für Rechts- und Ver­kehrs­me­di­zin der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg ha­ben eben­falls Un­ter­su­chun­gen auf­ge­nom­men. Da­bei sol­len die Iden­ti­tä­ten der Op­fer zwei­fels­frei fest­ge­stellt und die ge­nau­en To­des­ur­sa­chen ge­klärt wer­den. Ges­tern war noch nicht si­cher, ob al­le To­ten zu der Fa­mi­lie ge­hö­ren. Die Ob­duk­tio­nen sol­len mor­gen vor­ge­nom­men wer­den. „Es spricht ei­ni­ges da­für, dass es ei­ne Fa­mi­li­en­tra­gö­die sein könn­te“, sag­te ein Po­li­zei­spre­cher in der Nacht zum Sams­tag vor Ort. Ob ein Ab­schieds­brief ge­fun­den wur­de, woll­ten die Er­mitt­ler nicht ver­ra­ten. Die üb­ri­gen Be­woh­ner des Acht­fa­mi­li­en­hau­ses konn­ten ges­tern in ih­re Woh­nun­gen zu­rück­keh­ren. „Von sta­ti­scher Sei­te her gibt es kei­ne Be­den­ken“, sag­te ein Spre­cher. Die Feu­er­wehr ha­be sich das Haus noch­mals an­ge­se­hen und so ent­schie­den. Bei der Ver­puf­fung ist nach ers­ten Schät­zun­gen ein Sach­scha­den von min­des­tens 50 000 Eu­ro ent­stan­den. Aus­führ­lich über die Er­eig­nis­se in Karls­ru­heWol­farts­wei­er und den Fort­gang der Er­mitt­lun­gen be­rich­ten die Ba­di­schen Neu­es­ten Nach­rich­ten.

Am Mor­gen da­nach sieht man, was die enor­me Druck­wel­le an ei­nem Mehr­fa­mi­li­en­haus in Karls­ru­he-Wol­farts­wei­er an­ge­rich­tet hat. Zwei Kin­der und zwei Er­wach­se­ne ka­men ums Le­ben.

Foto: avs/Deck

Glas­scher­ben so­wie un­zäh­li­ge Trüm­mer­tei­le la­gen nach der Gas­ex­plo­si­on in Karls­ru­he-Wol­farts­wei­er auf der Stra­ße – und ei­ne klei­ne Plüsch­schild­krö­te. Foto: avs/jo­do

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