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Der Sonntag (Mittelbaden) - - Tipps & Themen -

Jo­hann Wolf­gang Goe­the, 26 Jah­re jung, kommt im No­vem­ber 1775 in Wei­mar an. Kurz dar­auf lernt er Char­lot­te von St­ein ken­nen und ver­liebt sich so­fort in die 33-Jäh­ri­ge. Aber sie gibt sich kühl. Schließ­lich ist sie ver­hei­ra­tet, hält sich stets an hö­fi­sche Eti­ket­te und gilt als Mus­ter an Selbst­be­herr­schung. Kei­ne op­ti­ma­len Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne lei­den­schaft­li­che Be­zie­hung. Si­grid Damm, re­nom­mier­te Ken­ne­rin der Goe­the­zeit, hat sich das in ih­rem neu­en Buch „Som­mer­re­gen der Lie­be“mal et­was ge­nau­er an­ge­se­hen. „Zet­tel­gen“nennt Goe­the die oft nur kur­zen Mit­tei­lun­gen, die er mit der Frau aus­tauscht, die ihn so fas­zi­niert. Si­grid Damm ver­gleicht sie mit den SMS von heu­te: Oft schrei­ben sie sich zwei-, drei­mal am Tag. Manch­mal sind es nur we­ni­ge, selt­sam ver­trau­te Zei­len, Ver­ab­re­dun­gen zum Es­sen, zu Kon­zer­ten, Aus­flü­gen: „Wenn Sie zu Hau­se es­sen so komm ich und brin­ge Ih­nen Schnee­glöck­gen“, kün­digt er ihr an. Rund 1 700 die­ser Brie­fe aus Goe­thes Feder sind er­hal­ten, 231 hat Si­grid Damm für ihr Buch aus­ge­wählt. Lei­der feh­len die Ge­gen­stü­cke von Char­lot­te von St­ein. Ei­nen Teil ih­rer Brie­fe hat Goe­the ihr auf ih­ren Wunsch hin zu­rück­ge­ge­ben, ei­nen Teil ver­brannt. Scha­de.

Si­grid Damm, Som­mer­re­gen der Lie­be, Suhr­kamp, 405 Sei­ten, 22,95 Eu­ro ★★★★✩

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