Sportkommentar

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - Pe­ter Tre­bing

Nein, Mit­leid ist völ­lig fehl am Platz, wenn es um den Stutt­gar­ter Ex-Coach Alex­an­der Zor­ni­ger geht. Im Ge­gen­teil: Bei vie­len, die sich über­haupt da­für in­ter­es­sie­ren was in Stuttgart pas­siert, dürf­te die Scha­den­freu­de über­wie­gen, dass der VfB den „Al­ter­na­tiv­lo­sen“end­lich in die Wüs­te ge­schickt hat. Zor­ni­ger, das war auf den ers­ten Blick ein gro­ßer Irr­tum. Weil man ihn im Schwa­ben­land als ei­ne Art Fuß­bal­lMes­si­as an­ge­prie­sen und mit ei­nem üp­pi­gen Drei-Jah­res-Ver­trag aus­ge­stat­tet hat­te. Viel Vor­schuss­lor­bee­ren für ei­nen, der bis da­to den Be­weis schul­dig ge­blie­ben war, ein er­folg­rei­cher Trai­ner zu sein. Der Auf­stieg mit RB Leip­zig in die Zwei­te Bun­des­li­ga – das war we­ni­ger dem ober­leh­rer­haf­ten Zor­ni­ger zu ver­dan­ken, als viel­mehr den ge­wal­ti­gen In­ves­ti­tio­nen der „Ro­ten Bul­len“in ei­nen qua­li­ta­tiv her­aus­ra­gen­den Dritt­li­ga-Ka­der. Trotz­dem glaub­te VfB-Sport­vor­stand Ro­bin Dutt mit Zor­ni­ger das gro­ße Los ge­zo­gen zu ha­ben. Die Fol­ge: Bis hin­un­ter in den Ju­gend­be­reich wur­de al­len Teams das neue, re­vo­lu­tio­nä­re und laut Zor­ni­ger al­ter­na­tiv­lo­se Sys­tem ver­ord­net, das in der Bun-

Oh­ne Zor­ni­ger fehlt Dutt ein gu­tes Ali­bi

des­li­ga ziem­lich schnell zur Lach­num­mer wur­de. Doch un­be­irr­bar und stur hielt der Pol­ter­geist vom Neckar an sei­ner Spiel­idee fest. Kri­ti­ker wur­den ver­bal ab­ge­watscht, die ei­ge­nen Spie­ler öf­fent­lich in den Sen­kel ge­stellt und die ei­ge­ne Kom­pe­tenz als un­an­tast­bar de­kla­riert. So et­was könn­te man auch Grö­ßen­wahn nen­nen, doch da­mit hät­te Zor­ni­ger in die­sem Me­tier nicht al­lei­ne ge­stan­den. Ge­schei­tert ist der eins­ti­ge VfB-Trai­ner aber nicht nur an den mie­sen Re­sul­ta­ten und feh­len­der Bun­des­li­ga-Rei­fe. Ge­schei­tert ist er ganz si­cher auch we­gen sei­ner Un­be­lehr­bar­keit. Und vom Hof ge­jagt wur­de er letzt­end­lich auch des­halb, weil er für sei­nen „Kum­pel“Ro­bin Dutt zum Ri­si­ko wur­de. Der VfB-Sport­vor­stand hat zwar eben­falls so gut wie kei­ne Er­fol­ge in sei­ner sport­li­chen Vi­ta vor­zu­wei­sen, hat aber da­für ein aus­ge­präg­tes Ta­lent, wie man sich selbst ins rech­te Licht set­zen kann. Dutt hat­te die Zei­chen der Zeit er­kannt und sucht nun nach der pas­sen­den Al­ter­na­ti­ve für den selbst­er­nann­ten „Al­ter­na­tiv­lo­sen“. Zor­ni­ger wur­de ge­op­fert – da­mit hat sich Dutt ein we­nig Zeit und Ru­he ver­schafft. Auch sein Vier-Jah­res-Ver­trag, der noch mehr als drei Jah­re läuft, stellt ei­ne ho­he Hür­de für ei­ne vor­zei­ti­ge Tren­nung dar. Dutt eben­falls zu be­ur­lau­ben wä­re für den klam­men VfB Stuttgart ziem­lich kost­spie­lig. Zor­ni­ger lie­fer­te als „Ram­bo“auf der Trai­ner­bank bis­lang ein gu­tes Ali­bi für Dutt. Doch es ist si­cher nur ei­ne Fra­ge der Zeit, wann man die Ar­beit des Sport­vor­stan­des sehr kri­tisch un­ter die Lu­pe neh­men wird.

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