Her­tha fast nur Spiel­ball

Münch­ner 2:0 völ­lig un­ge­fähr­det

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport -

Die 21. Herbst­meis­ter­schaft prak­tisch in der Ta­sche, die Kon­kur­renz nur ein Spiel­ball und auch wirt­schaft­lich in ei­ner ei­ge­nen Ga­la­xie: Re­kord­meis­ter Bay­ern München be­herrscht den deut­schen Fuß­ball nach Be­lie­ben, der 26. Ti­tel scheint auch nach dem völ­lig un­ge­fähr­de­ten 2:0 (2:0) ge­gen Her­tha BSC nur ei­ne Form­sa­che zu sein. Doch Vor­sicht, warn­te Sport­vor­stand Mat­thi­as Sam­mer, das per­so­ni­fi­zier­te mah­nen­de Man­tra der Sä­be­ner Stra­ße: „Ich sa­ge schon län­ger, dass es ein Ma­ra­thon ist und stol­pern kann man auf je­dem Me­ter.“Der 48-Jäh­ri­ge fin­det es des­halb „be­scheu­ert, jetzt schon vor Weih­nach­ten über die Fra­ge nach der Meis­ter­schaft zu re­den. In Dort­mund ha­ben wir ei­nen star­ken Kon­kur­ren­ten“, sag­te Sam­mer. Nur wie die­se Über-Bay­ern we­nigs­tens in der Bun­des­li­ga tat­säch­lich ins Strau­cheln ge­ra­ten sol­len, da­für fehlt im Grun­de jeg­li­che Vor­stel­lungs­kraft. 40 Punk­te nach 14 Spie­len hat noch nie ein Team ge­sam­melt, 56 Hin­run­den­spie­le in Fol­ge sind die Münch­ner nun be­reits oh­ne je­de Nie­der­la­ge. Und bei Punkt­ver­lus­ten des „gro­ßen“Kon­kur­ren­ten Bo­rus­sia Dort­mund heu­te steht die Herbst­meis­ter­schaft be­reits am 14. Spiel­tag fest. Ge­gen ei­ne harm­lo­se Her­tha wa­ren selbst acht (!) Aus­fäl­le (un­ter an­de­rem Dou­glas Cos­ta, Ar­jen Rob­ben, Da­vid Ala­ba, Thia­go, Franck Ri­be­ry, Ma­rio Göt­ze) lo­cker zu ver­schmer­zen. Die To­re von Tho­mas Mül­ler (34.) und Kings­ley Co­man (41.) drück­ten nur un­zu­rei­chend aus, wie über­le­gen die Münch­ner ei­gent­lich wa­ren. „In den letz­ten Ta­gen hat kei­ner über Her­tha ge­re­det, aber die Mann­schaft hat es wie­der sehr se­ri­ös ge­macht“, ur­teil­te Sam­mer. In den Ta­gen, die der Sport­vor­stand mein­te, da wur­de un­ter an­de­rem auf ei­ner ziem­lich er­eig­nis­ar­men Jah­res­haupt­ver­samm­lung über neu­er­li­che Re­kord­zah­len aus der Sai­son 2014/15 mit ei­nem Ge­winn von fast 24 Mil­lio­nen Eu­ro ge­spro­chen. „Es ist die viel­leicht bes­te Zeit in un­se­rer 115-jäh­ri­gen Vereinsgeschichte“, ju­bel­te Vor­stands­boss Karl­Heinz Rum­me­nig­ge am Frei­tag­abend den Mit­glie­dern im Au­di Do­me zu, um dann aber in Sam­mer­scher Dik­ti­on an­zu­fü­gen: „Wir soll­ten uns nicht ver­füh­ren las­sen und früh­zei­tig ab­fei­ern.“Rum­me­nig­ge sieht den FC Bay­ern mitt­ler­wei­le als „Mis­ter Zu­ver­läs­sig“, der FC Hol­ly­wood sei lan­ge pas­se, man sei ein „FC Se­ri­ös“ge­wor­den. Aber trotz ei­ner bis­her „na­he­zu ma­kel­lo­sen Sai­son“sei das Triple nicht der ein­zig gül­ti­ge Maß­stab. „Wir soll­ten nicht glau­ben, dass al­les an­de­re als das kei­nen Er­folg dar­stellt. In der Cham­pi­ons Le­ague und im DFB-Po­kal geht es erst rich­tig los“, sag­te der 60-Jäh­ri­ge. In die­ser Pha­se

Fast Herbst­meis­ter und Re­kord­zah­len

soll­te dann auch Pep Guar­dio­las Wunsch in Er­fül­lung ge­hen. Zwi­schen März und Mai, wenn die Ti­tel ver­ge­ben wer­den, hofft der Trai­ner, dass ihm ei­ne Per­so­nal­si­tua­ti­on wie am Sams­tag er­spart bleibt. Oh­ne Spie­ler wie Rob­ben, Cos­ta oder Ala­ba, die ak­tu­ell al­le an mus­ku­lä­ren Pro­ble­men la­bo­rie­ren, wird es in­ter­na­tio­nal sehr schwie­rig. „Wir ha­ben es bis­her sehr gut ge­macht. Gro­ßes Kom­pli­ment“, sag­te Guar­dio­la und gab den Spie­ler erst ein­mal zwei Ta­ge frei – ei­ner da­von war für die tra­di­tio­nel­len Ad­vents­be­su­che bei Fan­clubs re­ser­viert. Die Ber­li­ner wa­ren der­weil der Mei­nung, „das Ma­xi­mum her­aus­ge- holt zu ha­ben“, wie Trai­ner Pal Dar­dai sag­te. Dass dies für ei­nen Ta­bel­len­fünf­ten in­zwi­schen ei­ne glat­te Nie­der­la­ge ist, sagt viel aus über die Kräf­te­ver­hält­nis­se in der Li­ga. Und so war Dar­da­is Ur­teil zu den Über-Bay­ern un­zwei­deu­tig: „Man braucht nichts schön­re­den“, sag­te er: „Die Bay­ern sind ein­fach zwei Klas­sen bes­ser.“Ka­pi­tän Fa­bi­an Lus­ten­ber­ger wand­te da­her rasch den Blick nach vorn. „Das wirft uns nicht aus der Bahn. Im nächs­ten Heim­spiel wol­len wir zu­rück in die Er­folgs­spur“, sag­te der Schwei­zer. Dann geht es ge­gen Bay­er Leverkusen.

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