Sportkommentar

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport -

Olym­pi­sche Spie­le in Deutsch­land – für den Groß­teil der deut­schen Be­völ­ke­rung ist dies ein mehr als reiz­vol­ler Ge­dan­ke. Die Ten­denz in den Um­fra­gen ist klar: Fast zwei Drit­tel der Bür­ger wür­den es be­grü­ßen, wenn Olympia im Som­mer 2024 Gast an der El­be wä­re. Doch die­se Zahl ist nicht maß­ge­bend, wenn heu­te die Ham­bur­ger selbst dar­über ent­schei­den, ob man den nächs­ten Schritt im Be­wer­bungs­ver­fah­ren ge­hen will. Na­tio­nal hat man be­reits Ber­lin über­trumpft, bei der end­gül­ti­gen Ent­schei­dung 2017 in Li­ma hie­ßen die Kon­kur­ren­ten Los Angeles, Pa­ris, Rom und Budapest. Vor­aus­ge­setzt, in Ham­burg wird die de­mo­kra­ti­sche Le­gi­ti­ma­ti­on für die Be­wer­bung ge­schaf­fen. In den vier an­de­ren po­ten­zi­el­len Olympia-Städ­ten hat man dar­auf ver­zich­tet. Ak­tu­ell schei­nen 56 Pro­zent der Han­se­städ­ter be­reit und wil­lens zu sein, auch die enor­men Kos­ten in Kauf zu neh­men. Denn der Ers­te Bür­ger­meis­ter Olaf Scholz

Olympia – jetzt ha­ben die Bür­ger das Wort

hat voll­mun­dig ver­spro­chen, dass man nicht mehr als die ver­an­schlag­ten 1,2 Mil­li­ar­den Eu­ro an den Ge­samt­kos­ten von mehr elf Mil­li­ar­den stem­men müss­te. Ei­ne ziem­lich op­ti­mis­ti­sche Ein­schät­zung in ei­ner Stadt, die sich ge­ra­de mit der El­bphil­har­mo­nie bis auf die Kno­chen bla­miert hat. Dort sind die Kos­ten von ur­sprüng­lich 77 Mil­lio­nen Eu­ro auf in­zwi­schen rund 800 Mil­lio­nen Eu­ro ex­plo­diert. Da darf man nur hof­fen, dass die Olympia-Kal­ku­la­ti­on prä­zi­ser ist. Doch un­ab­hän­gig von der Fi­nan­zie­rung, der ver­spro­che­nen Nach­hal­tig­keit der Spie­le und der an­ge­kün­dig­ten Ab­kehr vom Gi­gan­tis­mus vor­an­ge­gan­ge­ner Olym­pi­scher Spie­le hat Al­fons Hör­mann, der Prä­si­dent des Deut­schen Olym­pi­schen Sport­bun­des, den Ham­bur­gern noch ei­ne gro­ße Bür­de auf dem Weg zu den Wahl­ur­nen mit­ge­ge­ben. Beim Re­fe­ren­dum gin­ge es nicht nur um Olympia in Ham­burg. Nein, man wür­de auch dar­über ent­schei­den, wie die Zu­kunft des deut­schen Sports aus­se­hen wür­de. Als Sport­funk­tio­när kann und muss man dies wahr­schein­lich so se­hen – die Han­sea­ten aber müs­sen heu­te nach ganz sub­jek­ti­ven Kri­te­ri­en ent­schei­den. Un­ter an­de­rem dar­über, ob man sich Olympia leis­ten kann und auch leis­ten will. Das Wort ha­ben nun die Bür­ger, nicht die Funk­tio­nä­re und Po­li­ti­ker – und das ist auch gut so. Pe­ter Tre­bing

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