Patrick Fritz-Ben­zing: Be­zirks­kan­tor und Or­ga­nist

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Patrick Fritz-Ben­zing | Tho­mas Liebs­cher

Wie gut ha­ben es Or­ga­nis­ten, was ih­ren Ar­beits­platz an­geht. So er­ha­ben dür­fen sie sich füh­len. Von der Em­po­re der ka­tho­li­schen Karls­ru­her Stadt­kir­che St. Ste­phan aus neh­men die in­ne­ren Wer­te die­ses groß­ar­ti­gen Rund­baus ei­nen im­mer aufs Neue ge­fan­gen. Auch wenn der Rau­mein­druck nicht mehr je­nem ent­spricht, den Fried­rich Wein­bren­ner einst schuf. Vie­les ist er­neu­ert in die­sem klas­si­zis­ti­schen Bau von 1814. Auch das In­stru­ment von Patrick Frit­zBen­zing. Seit drei Jah­ren ver­fügt die er­wei­ter­te Klais-Or­gel über 74 Re­gis­ter und gibt dem Kan­tor von St. Ste­phan gren­zen­lo­se Mög­lich­kei­ten in die Hän­de. „Es ist, als ob man ein bes­tens vor­be­rei­te­tes Sin­fo­nie­or­ches­ter vor sich sit­zen hat“, schwärmt der 38-Jäh­ri­ge. In je­weils zwei sonn­tag­mor­gend­li­chen Got­tes­diens­ten so­wie sams­tags­abends darf man sei­ne Kunst ge­nie­ßen. Vie­le kom­men von weit her, un­ter an­de­rem, weil sie das vir­tuo­se Spiel zum Aus­zug schät­zen. Heu­te Nach­mit­tag steigt Fritz-Ben­zing von oben her­un­ter, um im Chor­raum ab 17 Uhr den Ste­phan­schor plus Karls­ru­her Ba­rock­or­ches­ter bei der h-Moll-Mes­se von Jo­hann Se- bas­ti­an Bach zu di­ri­gie­ren. „Die Mu­sik von Bach liegt mir oh­ne­hin be­son­ders am Her­zen, da­zu die deut­sche Ro­man­tik des 19. Jahr­hun­derts.“Kar­ten für das Kon­zert gibt es noch an der Abend­kas­se. Die ers­ten Er­fah­run­gen an der Or­gel mach­te Fritz-Ben­zing an der re­la­tiv gro­ßen Or­gel von St. Ja­ko­bus in sei­nem Hei­mat­ort Schut­ter­wald. „Ich war et­wa 13 Jah­re alt, als es mich reiz­te, nicht nur zu Hau­se Kla­vier zu spie­len. Der Klang der Or­gel hat mich früh fas­zi­niert.“Das mu­si­ka­li­sche Ta­lent mach­te ra­sant Kar­rie­re. Mit 17 Jah­ren hol­te der Sohn ei­nes Kauf­manns ei­nen zwei­ten Preis beim Bun­des­wett­be­werb Ju­gend mu­si­ziert, mit 20 avan­cier­te er zum Bun­des­sie­ger. Der Weg zum Kir­chen­mu­si­ker war da­mit vor­ge­zeich­net und führte ihn vom Wohn­ort Frei­burg vor zehn Jah­ren nach Karls­ru­he. In der Re­gi­on ist er als Be­zirks­kan­tor zu­dem für die Aus­bil­dung von ne­ben­be­ruf­li­chen Or­ga­nis­ten oder Chor­lei­tern zu­stän­dig. Wenn der Mu­si­ker die täg­li­che Ver­wal­tungs­ar­beit hin­ter sich hat, dann steigt er oft auch spät abends auf die Em­po­re von St. Ste­phan und lässt mit Hil­fe der 5 000 Pfei­fen kraft­vol­le Klän­ge im Karls­ru­her „Pan­the­on“er­klin- gen . Zu Hau­se, bei der Frau, ei­ner Mu­sik­leh­re­rin und drei Kin­dern spielt die Mu­sik dann eher die zwei­te Gei­ge. Dass Fritz-Ben­zing ein Las­ter hät­te, kann man nicht sa­gen. Aber ei­nen Las­ter, den hat er schon. Er ver­fügt schließ­lich über den Lkw-Füh­rer­schein, jobb­te einst ger­ne bei ei­ner Spe­di­ti­on und di­ri­gier­te gern den Truck vom Lenk­rad aus. Die Lei­den­schaft blieb er­hal­ten und an sei­nen al­ten Vol­vo legt er auch mal Hand an. Die Vor­be­rei­tung der Weih­nachts­got­tes­diens­te be­glei­tet den Or­ga­nis­ten in der Ad­vents­zeit. An Hei­lig­abend und an den Fei­er­ta­gen setzt Fritz-Ben­zing noch stär­ke­re fei­er­li­che Ak­zen­te. Tra­di­ti­on ist auch „sein“Sil­ves­ter­kon­zert, in die­sem Jahr zu­sam­men mit dem Trom­pe­ter Wolfram Lau­el. Dann sorgt der Kan­tor für ein mu­si­ka­li­sches Feu­er­werk zum Jah­res­ab­schluss.

Foto: pr

Ei­nen er­ha­be­nen Ar­beits­platz in Karls­ru­hes ka­tho­li­scher Stadt­kir­che hat Patrick Fritz-Ben­zing. Der Or­ga­nist von St. Ste­phan fand im Hei­mat­ort Schut­ter­wald früh zur Kir­chen­mu­sik.

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