Sportkommentar

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport -

Die US-Jus­tiz setzt ih­re „Treib­jagd“in Sa­chen Fi­fa un­be­irrt fort. Und die be­vor­zug­te Beu­te ist klar de­fi­niert: Ho­he Funk­tio­nä­re des Ver­ban­des. Von de­nen fin­den sich in­zwi­schen im­mer mehr hin­ter Git­tern wie­der. Es ist die Zeit der Abrech­nung mit den kor­rup­ten Man­dats­trä­gern des Welt­fuſs­ball­ver­ban­des. Fast hat man den Ein­druck, als stün­de der Selbst­be­die­nungs­la­den in Zü­rich kurz vor sei­ner Schlieſ­sung. Der Fleiſs der Straf­ver­fol­ger aus der Schweiz und den USA hin­ter­lässt groſ­se Lü­cken im Per­so­nal­be­stand der Fi­fa. Denn der ge­hen lang­sam die Leu­te aus, die die vie­len Pos­ten und Äm­ter be­set­zen könn­ten. Auch die Re­form­kom­mis­si­on sucht hän­de­rin­gend nach Re­for­mern. Nun sind die na­tür­lich per se schon ziem­lich rar beim Welt­fuſs­ball­ver­band, doch in­zwi­schen lich­ten sich am Zü­rich­berg auch die Rei­hen de­rer, die ei­gent­lich da­für sor­gen soll­ten, dass bald al­les wie­der bes­ser wird. Der groſ­se Neu­be­ginn war das Ziel, doch das rückt in im­mer wei­te­re Fer­ne. Und die US-Jus­tiz lässt in ih­ren State­ments ziem­lich un­ge­niert durch­bli­cken, dass man die Fi­fa ei­gent­lich für ei­ne Or­ga­ni­sa­ti­on hält, in der Kor­rup­ti­on gang und gä­be war und even­tu­ell so­gar noch ist. Über Geld­wä­sche in ganz groſ­sem Stil wird da ge­re­det. Auch die Ver­ga­ben der Welt­meis­ter­schaf­ten 2018

Die groſ­se „Treib­jagd“am Zü­rich­berg

(an Russ­land) und 2022 (an Ka­tar) blei­ben wei­ter im Zwie­licht. Und noch et­was dürf­te die ver­blie­be­nen Fi­fa-Funk­tio­nä­re be­un­ru­hi­gen. In Pa­ris wur­de ge­ra­de erst die „World As­so­cia­ti­on of Le­agues“ge­grün­det – ei­ne Ver­ei­ni­gung vie­ler Pro­fi­li­gen. Die hat sich of­fi­zi­ell auf die Fah­nen ge­schrie­ben, an der Er­neue­rung der Fi­fa mit­zu­ar­bei­ten. Doch darf man ge­trost da­von aus­ge­hen, dass die Pro­fi­clubs auch ei­ge­ne Zie­le ver­fol­gen. Bei­spiels­wei­se wird man die ver­wor­re­ne Si­tua­ti­on si­cher nut­zen, um den ei­ge­nen Ein­fluss im Welt­fuſs­ball­ver­band gra­vie­rend aus­zu­bau­en. So ganz ne­ben­bei könn­te die Ver­ei­ni­gung gar zu ei­ner ech­ten Al­ter­na­ti­ve zur „kran­ken“Fi­fa wer­den. Denn nach ak­tu­el­lem Stand scheint es fast un­mög­lich zu sein, den Ver­band zu re­struk­tu­rie­ren. Weil es schlicht und er­grei­fend am Wil­len und den ge­eig­ne­ten Köp­fen fehlt, um dies zu tun. Ei­ne Kon­stel­la­ti­on, die den lan­ge ziem­lich macht­lo­sen und oft schi­ka­nier­ten Pro­fi­clubs un­ver­hofft die Chan­ce gibt, sich end­lich dem läs­ti­gen Fi­fa-Dik­tat zu ent­le­di­gen. Mag der Ver­lust des Mo­no­pols auf die WM-Aus­rich­tung durch die Fi­fa der­zeit (noch) kein rea­lis­ti­sches The­ma sein – so dürf­ten die ex­or­bi­tant ho­hen Sum­men, die bei ei­ner WM um­ge­setzt wer­den kön­nen, schon bald Be­gehr­lich­kei­ten we­cken. Auch und ge­ra­de im Pro­fi­fuſs­ball. Pe­ter Tre­bing

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