Zoo mit Zu­kunft

Was sich im Karls­ru­her Tier­park al­les än­dern wird

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Foto: jo­do/Montage: SO

Das groſ­se Interview mit Zoo­di­rek­tor Mat­thi­as Rein­schmidt le­sen Sie auf der

Seit dem 1. Ju­li ist der aus Bühl stam­men­de Mat­thi­as Rein­schmidt Di­rek­tor des Karls­ru­her Zoos. Im Interview mit dem SONN­TAG er­in­nert er sich an sei­nen ers­ten Be­such im Zoo und be­grün­det un­ter an­de­rem, war­um sich Eis­bä­ren auch in Deutsch­land wohl­füh­len.

Woll­ten Sie schon als Kind Zoo­di­rek­tor wer­den?

Mat­thi­as Rein­schmidt: Mei­ne El­tern hat­ten ei­nen Ede­ka-La­den in Bühl, und manch­mal durf­te ich an der Kas­se ste­hen. Ei­nes Ta­ges sag­te ei­ne äl­te­re Da­me zu mir: Du bist jetzt schon die vier­te Ge­ne­ra­ti­on hier im La­den, willst du denn das Ge­schäft ein­mal über­neh­men? Da sag­te ich: Nein, ich möch­te Zoo­di­rek­tor wer­den. So er­zählt mir das zu­min­dest mei­ne Mut­ter, ich selbst kann mich nicht mehr dar­an er­in­nern, ich war da­mals erst sechs Jah­re alt.

Sie hat­ten Ih­re Lei­den­schaft al­so schon früh ent­deckt?

Rein­schmidt: Ich be­saſs schon als Kind mei­nen ei­ge­nen Spiel­zeug­zoo mit Gum­mi­tier­chen. Dann fing es an, dass man auch le­ben­de Tie­re hat­te. Wir hat­ten im­mer Wel­len­sit­ti­che zu Hau­se, dann kam Bla­cky, das ers­te Meer­schwein­chen. Mit acht be­saſs ich dann das ers­te Pär­chen Wel­len­sit­ti­che. Im Zoo­ge­schäft kauf­te ich ei­nen Nist­kas­ten, ein paar Wo­chen spä­ter hat­te ich drei klei­ne Vö­gel. Die zog ich auf, die wur­den im­mer gröſ­ser, dann ha­ben die noch­mal ge­brü­tet, da ka­men vier Jun­ge, da hat­te ich plötz­lich neun Wel­len­sit­ti­che.

Er­in­nern Sie sich an Ih­ren ers­ten Be­such im Karls­ru­her Zoo?

Rein­schmidt: Das war in mei­ner Kind­heit, da war ich mit Tan­te Ma­ria und On­kel Jo­sef im Zoo. Ich kann mich ganz be­wusst dar­an er­in­nern, dass wir ei­ne Tü­te Brot da­bei hat­ten und die Kar­p­fen von der Gon­do­let­ta aus ge­füt­tert ha­ben, was man ja gar nicht darf. Aber das war ein ein­drück­li­ches Er­leb­nis, wie die Kar­p­fen ihr Maul raus­streck­ten. Auch die Ele­fan­ten ha­be ich ge­se­hen, auch die Ra­ni war da­mals schon da. Ich bin im­mer gern in den Zoo ge­gan­gen, das war im­mer et­was Be­son­de­res für mich. Gleich­zei­tig wuchs mein pri­va­ter Zoo im­mer mehr an, zeit­wei­lig hat­ten wir bis zu 200 Wel­len­sit­ti­che zu Hau­se. Der Dach­bo­den war kom­plett aus­ge­baut, ich hat­te 14 Vo­lie­ren. Zu die­ser Zeit hat mich gar nichts an­de­res in­ter­es­siert.

Und nach dem Abi stu­dier­ten Sie Bio­lo­gie.

Rein­schmidt: Aber weil ich kein gu­ter Schü­ler war und mein Abi mit 2,8 mach­te, muss­te ich war­ten und konn­te nicht gleich stu­die­ren. Das war das Gu­te, das war ja die Fü­gung. Denn wenn ich ein Ein­ser-Abitu­ri­ent ge­we­sen wä­re, wä­re ich viel­leicht nie in den Karls­ru­her Zoo ge­kom­men. Als mein Wehr­dienst be­en­det war, schrieb ich nai­ve­r­wei­se an den Karls­ru­her Zoo, ob sie nicht ei­nen Tier­pfle­ger bräuch­ten, ich könn­te das! In der Ant­wort stand, das sei ein Aus­bil­dungs­be­ruf, aber sie könn­ten mir ein Prak­ti­kum an­bie­ten. Dann war ich ein hal­bes Jahr hier Prak­ti­kant, bis ich dann den Stu­di­en­platz be­kom­men ha­be. Wäh­rend des Prak­ti­kums lern­te ich al­les ken­nen, da pro­fi­tie­re ich bis heu­te da­von. Ei­ni­ge der Kol­le­gen von da­mals sind heu­te noch da. Auch wäh­rend des Stu­di­ums hielt ich im­mer den Kon­takt, mach­te Fe­ri­en­jobs und Prak­ti­ka. Ich war da­mals üb­ri­gens der ers­te Prak­ti­kant von Clemens Becker, dem heu­ti­gen stell­ver­tre­ten­den Lei­ter. Da­nach mach­te ich mei­ne Di­plom­ar­beit hier im Zoo über Pa­pa­gei­en.

Da­nach wa­ren Sie fast acht Jah­re lang Re­dak­teur der Fach­zeit­schrift „Pa­pa­gei“in Bret­ten. Wie kam es zum Wech­sel in den Lo­ro Par­que nach Te­ne­rif­fa?

Rein­schmidt: Ich ha­be im­mer Le­ser­rei­sen in den Lo­ro Par­que ver­an­stal­tet, das Mek­ka der Pa­pa­gei­en­freun­de. Die hat­ten da­mals schon 3 000 Pa­pa­gei­en. Ei­nes Ta­ges rief mich der Be­sit­zer an, er bräuch­te ei­nen Fach­mann wie mich. Das war für mich der Weg zu­rück in den Zoo!

In­zwi­schen sind Sie ein knap­pes hal­bes Jahr in Karls­ru­he. Ken­nen Sie al­le Tie­re per­sön­lich und mit Na­men?

Rein­schmidt: Na­tür­lich nicht al­le, aber es gibt cha­ris­ma­ti­sche Tie­re wie die Ele­fan­ten, die kennt man na­tür­lich auch mit Na­men. Wir ha­ben Tie­re, das sind ech­te Karls­ru­her, die wer­den auch von den Leu­ten er­kannt. Aber wenn Sie zum Bei­spiel un­se­re Sä­be­lan­ti­lo­pen an­se­hen, da ste­hen sechs Tie­re, die sind iden­tisch. Nur der Huf­tier­pfle­ger kennt da die Un­ter­schie­de, aber für mich sind das halt sechs Sä­be­lan­ti­lo­pen.

Wo se­hen Sie den Karls­ru­her Zoo in zehn Jah­ren?

Rein­schmidt: Der Trend in den Zoos geht all­ge­mein da­hin, dass es we­ni­ger Ar­ten wer­den, aber mehr In­di­vi­du­en ei­ner Art – um gröſ­se­re So­zi­al­grup­pen zu hal­ten. Wenn Sie Huf­tie­re se­hen oder Af­fen, dann hält man die ei­gent­lich in gröſ­se­ren Grup­pen, da ver­sucht man dann, die Ge­he­ge zu ver­gröſ­sern, was na­tür­lich nur auf Kos­ten an­de­rer Ar­ten geht, da wir ja in un­se­rem Platz be­grenzt sind. Als ich Prak­ti­kant war, gab es noch sehr vie­le klei­ne Ge­he­ge für Huf­tie­re, jetzt sind es nur noch vier. Mein Ziel ist es, auf zwei zu re­du­zie­ren. Ich will meh­re­re Ar­ten zu­sam­men­le­gen, die zu­sam­men­pas­sen, das macht das Le­ben für die Tie­re in­ter­es­san­ter.

Wer­den Tie­re ganz ver­schwin­den?

Rein­schmidt: Die zwei Ka­me­le bei­spiels­wei­se ha­ben wir in der Um­bau­pha­se in den Tier­park Ober­wald (die „Auſ­sen­stel­le“des Zoos) ge­stellt, de­nen geht es so gut da drauſ­sen, dass ich die nicht mehr rein­ho­le. Die blei­ben im Ober­wald. Und die Banteng-Rin­der wer­den wir ganz auf­ge­ben, die ge­hen nach Cott­bus. Das Kon­zept sieht vor, ei­ni­ge Groſs­tier­ar­ten auf­zu­ge­ben, um mehr Platz für an­de­re Tie­re zu ha­ben.

An­de­rer­seits ha­ben Sie aber durch das Exo­ten­haus ge­ra­de die Zahl der Ar­ten und Tie­re deut­lich er­höht.

Rein­schmidt: Stimmt, da­durch ha­ben wir ei­nen Ge­gen­trend ge­setzt. Vor­her hat­ten wir 1000 Tie­re und 140 Ar­ten, jetzt ha­ben wir 3000 Tie­re und 250 Ar­ten. Das heiſst, vie­le Zoos re­du­zie­ren ih­re Ar­ten, wir ha­ben sie fast ver­dop­pelt. Aber in den nächs­ten Jah­ren wird es kei­ne Stei­ge­run­gen mehr ge­ben, son­dern Um­nut­zun­gen. Ich se­he zum Bei­spiel kei­ne Zu­kunft mehr für Lö­wen, weil wir ein­fach kei­nen Platz ha­ben. Wir ha­ben die al­te Lö­win Sa­fo hier, ich wer­de da kei­nen mehr da­zu ho­len. Die al­te Lö­win ha­be ich üb­ri­gens selbst aus Te­ne­rif­fa hier­her ge­bracht. Ich ken­ne sie schon, seit sie zwei Jah­re alt ist, jetzt ist sie 17.

Was war bis­her der schöns­te Mo­ment in Ih­rem Le­ben als Zoo­di­rek­tor?

Rein­schmidt: Die Er­öff­nung des Exo­ten­hau­ses. Ich war ge­ra­de mal vier Wo­chen da, und durf­te ge­mein­sam mit dem OB die gröſs­te At­trak­ti­on er­öff­nen, die der Karls­ru­her Zoo je­mals hat­te. Das war mit 21 Mil­lio­nen auch das gröſs­te Stadt­ge­burts­ta­ge­schenk. Be­völ­ke­rung und Stadt ste­hen hin­ter dem Zoo, da sind wir auf ei­ner gu­ten Li­nie. Die Pla­nungs­grup­pen hat­ten ja schon ein hal­bes Jahr ge­tagt, als ich kam.

Lang­fris­tig pla­nen Sie ein Ele­fan­ten-Al­ters­heim.

Rein­schmidt: Ja, ei­ne Re­si­denz für al­te Ele­fan­ten­kü­he, das ist ein Tier­schutz­pro­jekt, da sind wir Vor­rei­ter, wenn wir bei­spiels­wei­se al­te Ele­fan­ten­kü­he auf­neh­men, die aus dem Zir­kus aus­ge­mus­tert wer­den. Da müs­sen wir aber un­se­re Ele­fan­ten-Auſ­sen­an­la­ge er­wei­tern. Wir ha­ben der­zeit 1 100 Qua­drat­me­ter, bis 2017 pla­nen wir ei­ne 2750 Qua­drat­me­ter groſ­se An­la­ge. Dann kön­nen hier fünf Ele­fan­ten le­ben.

Wie wol­len Sie den Zoo von der Bun­des­li­ga in die Cham­pi­ons Le­ague füh­ren?

Rein­schmidt: Wir brau­chen Al­lein­stel­lungs­merk­ma­le. Wir müs­sen nichts ma­chen, was es schon zehn­mal gibt. Das Exo­ten­haus ist so ein Al­lein­stel­lungs­merk­mal, das ist nach Leip­zig das zweit­gröſs­te Tro­pen­haus in Deutsch­land. Ich se­he zwei ganz groſ­se The­men: Der Ar­ten­schutz und die Zo­o­päd­ago­gik. Das gibt uns auch das Recht, wil­de Tie­re bei uns hal­ten zu dür­fen. Ich se­he die­se Tie­re als Bot­schaf­ter ih­rer Art, aber ich se­he sie nicht als Tie­re, die nur zur Be­lus­ti­gung der Leu­te da sind. Sie ha­ben ei­ne ganz kla­re Funk­ti­on. Wir müs­sen sie in ei­nem le­bens­na­hen Um­feld prä­sen­tie­ren, da­mit man ganz­heit­lich er­fasst, wie so ein Tier lebt. Ich muss kei­ne Raub­kat­ze vor Ka­cheln zei­gen, son­dern in ih­rem na­tür­li­chen Le­bens­raum. Gleich­zei­tig müs­sen wir das ver­bin­den mit dem Le­ben der Tie­re in ih­rem Frei­land. Vie­le sind be­droht, die möch­ten wir auch im Frei­land un­ter­stüt­zen. Zum Bei­spiel ha­ben wir das Exo­ten­haus di­rekt mit ei­nem Bi­o­di­ver­si­täts­pro­jekt in Ecua­dor ver­bun­den. Mit Un­ter­stüt­zung aus Karls­ru­he soll in Ecua­dor aus 35 Hekt­ar ex­ten­si­vem Wei­de­land durch Auf­fors­tung wie­der ein ar­ten­rei­cher Re­gen­wald wer­den.

Sol­len mehr sol­cher Pro­jek­te fol­gen?

Rein­schmidt: Mein Ziel ist es, für je­de Le­bens­welt hier bei uns ein Pro­jekt in der Na­tur zu ha­ben, dass wir hier die­sen Ar­ten­schutz le­ben und zei­gen und auch in der Na­tur för­dern. Rein­schmidt: Es ist wich­tig, un­se­re Kin­der an die Na­tur her­an­zu­füh­ren. Im­mer mehr Men­schen le­ben welt­weit in Städ­ten. Vie­le Kin­der ken­nen die Na­tur gar nicht mehr, für vie­le Kin­der ist der Zoo das ein­zi­ge Fens­ter zur Na­tur. Die­se Auf­ga­be wird im­mer wich­ti­ger für uns, denn Kin­der, die kei­ne Na­tur ken­nen­ler­nen, wer­den spä­ter auch kei­ne Na­tur­schüt­zer.

Wird es in Karls­ru­he wei­ter­hin Men­schen­af­fen ge­ben?

Rein­schmidt: Die Schim­pan­sen sind vie­le Jah­re da, Ben­ni ist schon 49. Ich möch­te ger­ne an Men­schen­af­fen fest­hal­ten, aber ich se­he den Be­darf in Rich­tung Ar­ten­schutz mehr bei den Orang- Utans, denn dies ist die am meis­ten be­droh­te Men­schen­af­fen­art über­haupt. Hier soll­ten wir uns un­be­dingt am Eu­ro­päi­schen Er­hal­tungs­zucht­pro­gramm mit ei­ner Hal­tung be­tei­li­gen, zu­mal der Zoo Karls­ru­he seit 30 Jah­ren in der Person von Clemens Becker das Zucht­pro­gramm ko­or­di­niert. Als Vi­si­on könn­te ich mir so­gar vor­stel­len, nicht nur Su­ma­tra-Orang-Utans zu hal­ten, son­dern auch die Su­ma­trati­ger. Na­tür­lich nicht di­rekt im glei­chen Ge­he­ge, aber man könn­te bei­de Tier­ar­ten in Wech­sel­ge­he­gen hal­ten und so­mit für mehr Ab­wechs­lung im All­tag der Tie­re sor­gen.

War­um gibt es kei­ne neu­en Eis­bä­ren­ba­bys mehr?

Rein­schmidt: Un­ter Zei­ten von Anton Kohm, der von 1979 bis 1991 Zoo­di­rek­tor war, war die Eis­bä­ren­zucht die bes­te in Deutsch­land. Kohm hat­te in sei­ner Zeit et­wa 25 jun­ge Eis­bä­ren ge­züch­tet. Wir hat­ten fünf Weib­chen und ei­nen Wil­ly, der je­des Jahr aus Ber­lin an­reis­te und die Da­men be­gat­tet hat und dann wie­der weg war. Dann hat man die Eis­bä­ren­an­la­ge um­ge­baut. Wäh­rend des Um­baus brach­te man die Eis­bä­ren nach Nürn­berg, wo sie er­schos­sen wur­den, weil ir­gend­ein Un­be­fug­ter sie raus­ge­las­sen hat. Da­mit war die gan­ze Eis­bä­ren­zucht­grup­pe da­hin. In­zwi­schen ha­ben wir ein Männ­chen und zwei Weib­chen. Aber es funk­tio­niert nicht mit der Zucht. Seit zehn Jah­ren le­ben sie zu­sam­men, aber es hat nichts ge­bracht. Al­so brau­chen wir ei­nen neu­en Mann, und wir hat­ten schon fast ei­nen, aber der passt nicht, der ist zu eng ver­wandt mit un­se­ren. Wir müs­sen al­so ei­nen an­de­ren fin­den, ich möch­te ger­ne lang­fris­tig wie­der jun­ge Eis­bä­ren ha­ben. Un­ter Kohm gab es Zei­ten, da hat­ten wir gleich­zei­tig fünf jun­ge Eis­bä­ren in ei­nem Jahr, das wä­re heu­te ei­ne Welt­sen­sa­ti­on!

Kri­ti­ker sa­gen, Eis­bä­ren pass­ten gar nicht in ei­nen deut­schen Zoo.

Rein­schmidt: Ich hab mir im Som­mer bei 38 Grad die Eis­bä­ren an­ge­schaut. Un­se­re drei ha­ben sich wie folgt ver­hal­ten: ei­ner lag im Was­ser, hat sich ab­ge­kühlt. Der an­de­re stand un­term Ra­sen­spren­ger, der drit­te lag auf der Be­ton­plat­te und hat sich ge­sonnt. Das wird dann von man­chen fehl­in­ter­pre­tiert, die sa­gen, der lie­ge apa­thisch da. Aber ist der wirk­lich so we­nig in­tel­li­gent, dass er sich in die pral­le Son­ne legt? Nein, der ver­hält sich sei­nen Be­dürf­nis­sen ent­spre­chend, der ei­ne will ins Was­ser, der an­de­re sucht Schat­ten, der drit­te sonnt sich und ge­nieſst das, und wenn es ihm zu warm wird, wird er sich Ab­küh­lungs­mög­lich­kei­ten su­chen, von de­nen es im Ge­he­ge ei­ni­ge gibt.

Man­che Tier­schüt­zer sa­gen, dass ein Tier lie­ber in Frie­den in der Na­tur aus­ster­ben soll­te, be­vor es in Men­schen­ob­hut lebt.

Rein­schmidt: Da bin ich zu 100 Pro­zent da­ge­gen. Ich wür­de um je­de Tier­art kämp­fen, und wenn’s nur noch ein Pär­chen gä­be, wür­de ich ver­su­chen, sie zu ver­meh­ren, um die­se Art zu hal­ten. Der Zoo ist auch ei­ne Mög­lich­keit, Tier­ar­ten tem­po­rär zu hal­ten, um dann in der Na­tur wie­der die Be­din­gun­gen zu schaf­fen, sie dort­hin zu­rück zu brin­gen. Die In­sti­tu­ti­on Zoo hat bis heu­te nach­weis­lich et­wa 50 Ar­ten er­hal­ten. Auch der Karls­ru­her Zoo hat, ge­mein­sam mit an­de­ren Zoos, in zwei Pro­jek­ten Tie­re ge­züch­tet, die aus­ge­stor­ben wa­ren, jetzt aber wie­der in der Na­tur le­ben. Zum ei­nen das Pr­ze­wals­kiP­ferd, zum an­de­ren die Sä­be­lan­ti­lo­pe. Jetzt gibt’s die Tie­re wie­der in der frei­en Na­tur.

Wird man den Karls­ru­her Zoo bald öf­ters im Fern­se­hen se­hen?

Rein­schmidt: Ich hat­te schon vor mei­ner Karls­ru­her Zeit et­wa 400 Fern­seh-Pro­duk­tio­nen ge­macht und ich er­leb­te den Wer­be­ef­fekt im Lo­ro Par­que auf Te­ne­rif­fa. Net­te Ge­schich­ten aus dem Zoo, da kom­men die Leu­te und wol­len das se­hen. Auch für Karls­ru­he wä­re das ein gu­ter und kos­ten­güns­ti­ger Wer­be­ef­fekt. Die VOX-Sen­dung „hund­kat­ze­maus“wird künf­tig re­gel­mäſ­sig über uns be­rich­ten. Auch den SWR ha­be ich im­mer wie­der da. „Tat­ja­nas Tier­ge­schich­ten“ka­men frü­her nur aus Stuttgart oder Hei­del­berg, jetzt auch aus Karls­ru­he. Mei­ne De­vi­se ist: Je­de Wo­che oh­ne Zoo­nach­rich­ten ist ei­ne schlech­te Wo­che. Mar­ke­ting ist ganz wich­tig.

Wie wol­len Sie mehr Be­su­cher an­lo­cken?

Rein­schmidt: Wir müs­sen das Be­son­de­re sein! Flä­chen­mäſ­sig kön­nen wir nicht der gröſs­te sein, ar­ten­mäſ­sig auch nicht, aber wir kön­nen der in­no­va­tivs­te Ar­ten­schutz­zoo sein mit den tolls­ten Pro­jek­ten. Die Stadt Karls­ru­he ist bei­spiels­wei­se Pa­te für den Na­tio­nal­park Nord­schwarz­wald. Luch­se ha­ben wir schon im Zoo und der Au­er­hahn könn­te noch kom­men und so­mit kann man bei uns die Sym­bol­tie­re als Vor­be­rei­tung zum Na­tio­nal­park­be­such schon in Karls­ru­he se­hen, denn in der frei­en Na­tur wird man die­se nur mit ganz viel Glück zu Ge­sicht be­kom­men. Mit die­sen Tie­ren könn­te man auch den Lau­ter­berg im Zoo als Pen­dant zum Schwarz­wald ent­wi­ckeln und dort nur ein­hei­mi­sche Tie­re zei­gen. Ide­en ha­be ich vie­le.

Foto: avs/Deck

Über den Um­weg Te­ne­rif­fa kam der ge­bür­ti­ge Büh­ler Mat­thi­as Rein­schmidt wie­der zu­rück in sei­ne ba­di­sche Hei­mat, wo er seit Ju­li den Karls­ru­her Zoo lei­tet. Hier um­armt der Zoo­di­rek­tor ei­ne Sey­chel­len-Rie­sen­schild­krö­te im Exo­ten­haus.

Und die Zo­o­päd­ago­gik?

Foto: pia Karls­ru­he

Die Sa­ki-Af­fen sind ei­ne der At­trak­tio­nen im Exo­ten­haus des Karls­ru­her Zoos. Wie Faul­tie­re, Flug­hun­de und vie­le Vo­gel­ar­ten kön­nen sie sich frei in der Hal­le be­we­gen.

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