Ro­ber­to Ca­val­li: Ein Mo­de­künst­ler gibt Aus­kunft

Das Buch ei­nes „Jun­gen aus be­schei­de­ner Fa­mi­lie“

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Patri­cia Klatt

Ich möch­te we­der als Sty­list noch als De­si­gner be­zeich­net wer­den. Ich se­he mich ger­ne als Mo­de­künst­ler, der Spaſs dar­an hat, weiſ­se Baum­woll­tü­cher in kost­ba­ren Bro­kat zu ver­wan­deln.“– Ein be­rühm­ter De­si­gner, der nicht als sol­cher be­zeich­net wer­den möch­te? In sei­ner Au­to­bio­gra­fie „Just Me!“ist das nicht die ein­zi­ge Über­ra­schung, die Ro­ber­to Ca­val­li be­reit hält. Auf rund 380 Sei­ten schreibt er sehr of­fen über sein Le­ben und sein Mo­de­im­pe­ri­um, wie er zu dem wur­de, der er heu­te ist. Ca­val­li sel­ber sagt, er ent­hül­le in dem Buch erst­mals Aspek­te sei­nes Cha­rak­ters, die bis­her der Öf­fent­lich­keit so nicht be­kannt ge­we­sen sei­en. Ro­ber­to Ca­val­li, der in­zwi­schen 90 Pro­zent sei­nes Im­pe­ri­ums an ei­ne ita­lie­ni­sche Fir­ma ver­kauft und nur zehn Pro­zent sel­ber be­hal­ten hat, hat einst mit sei­ner neu ent­wi­ckel­ten Tech­nik die Druck­kunst in der Mo­de re­vo­lu­tio­niert, ein völ­lig neu­es und in­no­va­ti­ves Druck­ver­fah­ren ent­wi­ckelt. Be­druck­te Strick­wa­ren, be­druck­tes Le­der, dann die ers­te ei­ge­ne Werk­statt in Flo­renz – die Mar­ke „Ro­ber­to Ca­val­li“war ge­bo­ren, und der Weg dort­hin war al­les an­de­re als grad­li­nig und ein­fach. Ca­val­li be­rich­tet in „Just Me!“nicht nur über die Mo­de­welt in Mai­land, New York, Pa­ris und im Pa­laz­zo Pit­ti in Flo­renz, son­dern schreibt auch of­fen über sei­ne Kind­heit, die mehr als müh­sa­me Schul­zeit, sei­ne ei­ge­ne Sprung­haf­tig­keit und schlieſs­lich sei­ne Be­geis­te­rung für Mo­de und Ma­le­rei. Vie­le Fort­schrit­te, eben­so vie­le Rück­schlä­ge und end­lich der Er­folg, der „ba­sier­te auf mei­nem Ge­fühl und mei­ner In­tui­ti­on, und ich wuss­te, dass ich auf dem rich­ti­gen Weg war“, so Ca­val­li. Der 75 Jah­re al­te De­si­gner ist nun seit vier Jahr­zehn­ten er­folg­reich in der Mo­de­sze­ne ver­tre­ten und die Pro­mi­nen­ten lie­ben sei­ne Ent­wür­fe und sein De­sign. Hal­le Ber­ry, Sha­ki­ra, Vic­to­ria Beck­ham, Jen­ni­fer Lopez, An­ne Hat­ha­way tra­gen Ca­val­li, so­gar für Micha­el Jack­son hat­te er ei­nen An­zug ent­wor­fen. Vie­le Fotos in sei­nem Buch zei­gen Ca­val­li mit Stars in sei­nen Ent­wür­fen. Über­haupt neh­men Fotos in „Just Me!“ei­nen groſ­sen Teil ein, sei­en es nun die mit be­rühm­ten Per­sön­lich­kei­ten oder von di­ver­sen Mo­de­schau­en. An­de­re Fotos zei­gen Ca­val­li bei der Ar­beit oder auf pri­va­ten Auf­nah­men im Krei­se sei­ner Fa­mi­lie. Des­halb muss man auch gar nicht be­son­ders mo­de­af­fin sein, um das Buch zu mö­gen, al­lein die reich be­bil­der­te Le­bens­ge­schich­te die­ses be­son­de­ren Man­nes und sei­ner Fa­mi­lie ist le­sens­wert und un­ter­halt­sam ge­nug. Ca­val­li selbst sagt, dass „Just Me!“kein Buch über Mo­de sei, son­dern „von ei­nem Jun­gen aus ei­ner be­schei­de­nen Fa­mi­lie, der dank sei­ner star­ken Wil­lens­kraft er­folg­reich wur­de. Ich ha­be es für mich selbst ge­schrie­ben und auch, um mei­nen Kin­dern et­was zu hin­ter­las­sen; um sie zu in­spi­rie­ren.“Ro­ber­to Ca­val­li lässt den Le­ser teil­ha­ben an sei­nen Ge­dan­ken und Ge­füh­len: Atem­los lei­det man mit, wenn die ers­te Ehe un­auf­halt­sam in die Brü­che geht, es gibt Lieb­schaf­ten, der De­si­gner er­zählt über sei­ne zwei­te Ehe mit Eva Ca­val­li und die tie­fe Lie­be zu sei­nen fünf Kin­dern, die sein Le­ben prä­gen. Wo­che­n­end- und Fe­ri­en­va­ter, ein Haus in der To­sca­na, Pfer­de, Hun­de, ein Boot – Ca­val­li scheint als Fa­mi­li­en­va­ter ge­nau­so fort­wäh­rend wei­ter zu stre­ben wie bei al­len an­de­ren Din­gen, die er tut. „Ich fand, dass jun­ge Men­schen ver­ste­hen soll­ten, wie wich­tig es ist, sich auf sich selbst und sei­ne ei­ge­nen Qua­li­tä­ten zu ver­las­sen“, sagt Ca­val­li in ei­nem Interview. Die Mar­ke Ca­val­li, sie um­fasst heu­te Da­men-, Her­ren­und Kin­der­mo­de eben­so wie die Sport­kol­lek­ti­on, die Par­fum-Li­nie und meh­re­re Re­stau­rants, ein mil­lio­nen­schwe­res Im­pe­ri­um, das sei­nen An­fang nahm an ei­nem sechs Me­ter lan­gem Druck­tisch in ei­ner klei­nen an­ge­mie­te­ten Ga­ra­ge in Flo­renz.

„Just Me!!“von Ro­ber­to Ca­val­li, ei­ne Au­to­bio­gra­fie, 280 Sei­ten, Tre Tor­ri Ver­lag, 29,90 Eu­ro

Foto: © Tre Tor­ri Ver­lag

Zahl­rei­che Bil­der von Ca­val­lis Mo­de­schau­en il­lus­trie­ren das Schaf­fen des an­ar­chi­schen, viel­schich­ti­gen und gleich­zei­tig au­then­ti­schen Man­nes.

Foto: © Tre Tor­ri Ver­lag

Ro­ber­to Ca­val­lis Stu­dio in Flo­renz: Der De­si­gner, der am 15. No­vem­ber 1940 in Flo­renz ge­bo­ren wur­de, be­zeich­net sich selbst als „Mo­de­künst­ler“.

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