Rein­hard Mey: Hom­mage an vie­le sei­ner Freun­de

Auf sei­nem neu­en Al­bum in­ter­pre­tiert Rein­hard Mey die Songs an­de­rer Künst­ler

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - uni

Rein­hard Mey be­schreibt sich selbst ger­ne als Spiel­mann. Er ist ein Bar­de des wirk­li­chen Le­bens und ist sich mit sei­ner Mu­sik und sei­nen Ein­stel­lun­gen über al­le Zeit­geist­strö­mun­gen hin­weg im­mer treu ge­blie­ben. Die Idee des Spiel­manns prägt im Hin­ter­grund auch das bun­te We­sen des Al­bums „Lie­der von Freun­den“. Denn auch der von Burg zu Burg und Dorf zu Dorf zie­hen­de mit­tel­al­ter­li­che Spiel­mann sang ne­ben ei­ge­nen Lie­dern im­mer auch po­pu­lä­re oder wer­ti­ge Ver­se sei­ner rei­sen­den Kol­le­gen, um Po­li­tik, Neu­ig­kei­ten und na­tür­lich die Min­ne in die Welt zu tra­gen. Schaut man sich die Lie­der an, die Rein­hard Mey hier in­ter­pre­tiert, trifft die­se Be­schrei­bung mit­ten ins Herz. Denn Rein­hard Mey singt auf dem vor­lie­gen­den Al­bum tat­säch­lich „Lie­der von Freun­den“, al­so aus­schlieſs­lich Lie­der von an­de­ren Lie­der­ma­chern oder Song­schrei­bern, die er per­sön­lich kennt und schätzt oder de­ren Lie­der, Chan­sons oder Wer­ke ihm viel be­deu­ten. „Lie­der von Freun­den“ist nicht, wie ein Stu­dio­al­bum, in ei­nem re­la­tiv kur­zen Zeit­rah­men er­ar­bei­tet wor­den, son­dern ist ei­ne Samm­lung von Auf­nah­men, die über vie­le Jah­re hin­weg aus Lust, Lau­ne und tie­fem Ge­fühl ent­stan­den sind. Rein­hard Mey singt zum Bei­spiel uns­terb­li­che Klas­si­ker der Frie­lich dens­be­we­gung wie „Que sont de­ve­nues les fleurs“oder „Le Dé­ser­teur“. Na­tür­lich sind auch Lie­der von al­ten Weg­ge­fähr­ten der Lie­der­ma­cher­be­we­gung wie Franz Jo­sef De­gen­hardts „Wöl­fe mit­ten im Mai“, Klaus Hoff­manns „Ma vie“, Lud­wig Hirschs „Schutz­en­gerl“, Man­fred Mau­ren­bre­chers „Das al­te Fahr­rad“und Ulrich Ros­kis „Gib mir Feu­er, heiſ­se Frau“auf dem Al­bum zu fin­den. Das Lied „Mein Weg“von Klaus Hoff­mann hat Rein­hard Mey für ihn ins Fran­zö­si­sche über­setzt und mit ihm zum 60. Ge­burts­tag von Klaus Hoff­mann auch ge­mein­sam auf­ge­führt. Ne­ben den Lie­dern der klas­si­schen Lie­der­ma­cher­gil­de in­ter­pre­tiert Mey auch be­kann­te Songs von an­spruchs­vol­len Rock­mu­si­kern wie Rio Reiser („Zau­ber­land“), dem ver­stor­be­nen Ost-Ro­cker Ger­hard Gun­der­mann („An Va­ter“) oder Heinz Ru­dolf Kun­ze mit dem tröst­li­chen und So­li­da­ri­tät ein­for­dern­den „Du bist nicht al­lein“. Ein ver­blüf­fen­der mu­si­ka­li­scher Aus­reiſ­ser ist die be­kann­te Arie „Willst du dein Herz mir schen­ken“. Das Lied stammt aus dem Kla­vier­buch der An­na Mag­da­le­na Bach, der zwei­ten Frau von Se­bas­ti­an Bach. Na­tür­lich sind auf dem Al­bum auch in­ter­na­tio­na­le Folk-Songs zu fin­den. Wo­bei Rein­hard Mey nicht auf die Po­pu­la­ri­tät der Lie­der schaut, son­dern wirk- nur dem ei­ge­nen Ge­schmack folgt. So hat er ei­nen Song des bri­ti­schen Folk-Sän­gers Co­lin Wil­kie („Emi­ly An­ne“) auf Eng­lisch ein­ge­sun­gen, und auf Ein­la­dung der be­kann­ten kor­si­schen Folk-Pop Band I Mu­vri­ni ein ori­en­ta­lisch ge­präg­tes Lied „Ja­l­a­la­bad“mit ei­nem deut­schen Text ver­se­hen. „Lie­der von Freun­den“ist be­son­ders, weil es kei­nen Re­geln folgt und in der Viel­falt über­rascht. Es ist span­nend, wie Rein­hard Mey

Die gan­ze Welt des Spiel­manns

je­des Lied sei­ner mu­si­ka­li­schen Freun­de, die er wohl­tu­end an­ar­chis­tisch von De­gen­hardt bis Bach ein­sor­tiert, zu sei­nen Ei­ge­nen macht. „Lie­der von Freun­den“schenkt uns ein mu­si­ka­li­sches Uni­ver­sum, das oh­ne Kon­zept, aus dem Bauch des Künst­lers her­aus, plötz­lich vor uns er­scheint und zum be­wuss­ten Hin­hö­ren zwingt, Ge­fühls­wel­ten öff­net oder zum La­chen bringt. Es spie­gelt die gan­ze Welt des Spiel­manns Rein­hard Mey wi­der und das – man glaubt es kaum – oh­ne ein ein­zi­ges ei­ge­nes Lied!

Rein­hard Mey spen­det sei­nen Er­lös aus dem Ver­kauf die­ser CD an die Flücht­lings­hil­fe SOSKin­der­dorf.

Foto: Jim Ra­ke­te/Uni­ver­sal

Auf sei­nem neu­en Al­bum fin­den sich nur Co­ver­ver­sio­nen: Rein­hard Mey singt „Lie­der von Freun­den“. Da­zu ge­hö­ren un­ter an­de­rem Klaus Hoff­mann und Franz Jo­sef De­gen­hardt.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.