Ni­ko­laus: Wenn Strümp­fe und Stie­fel ge­füllt sind

Als Sankt Ni­ko­laus ein­mal ei­ne sehr gu­te Idee hat­te . . .

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite -

Ge­schenk­pa­pier ge­hört zum Fest. Ver­pa­cken geht aber auch an­ders: In den USA und in En­g­land ver­gisst kein Kind, im Ad­vent sei­nen Strumpf am Ka­min auf­zu­hän­gen, da­mit ihn der Weih­nachts­mann Hei­lig­abend mit Süſ­sig­kei­ten und klei­nen Ge­schen­ken füllt. Tat­säch­lich war die­ser Brauch ur­sprüng­lich dem Ni­ko­laus vor­be­hal­ten. Dass Sankt Ni­ko­laus und der Weih­nachts­mann zwei ver­schie­de­ne Per­so­nen sind, ver­gisst man gern! Der Bi­schof, des­sen Fest­tag heu­te am 6. De­zem­ber ge­fei­ert wird, hat mit dem Ga­ben­brin­ger im Ren­tier­schlit­ten höchs­tens die ro­te Far­be sei­nes Ge­wands ge­mein­sam. Wäh­rend ein Bi­schof na­mens Ni­ko­laus (Ni­ko­laus von My­ra) vor rund 1 700 Jah­ren tat­säch­lich ge­lebt hat, ist der Weih­nachts­mann ei­ne er­fun­de­ne Fi­gur, die vor et­wa 100 Jah­ren in den USA ent­stand. Bis er vom Weih­nachts­mann ab­ge­löst wur­de, füll­te der Ni­ko­laus die Stie­fel der Kin­der – und ih­re Strümp­fe am Ka­min. Wie es da­zu kam, er­zählt man sich in En­g­land so: Einst leb­te ein Va­ter mit drei Töch­tern. Nach­dem sei­ne Frau ge­stor­ben war, er­zog und ver­sorg­te der Mann die Mäd­chen al­lei­ne. So blieb ihm we­nig Zeit zum Ar­bei­ten und Geld ver­die­nen, denn da­mals gab es noch kei­ne Ki­tas, in de­nen die Kin­der be­treut wur­den. Die Fa­mi­lie be­saſs nicht viel Geld, es reich­te ge­ra­de so zum Le­ben. Als die Töch­ter zu jun­gen Frau­en her­an­ge­wach­sen wa­ren, je­de ei­nen Freund hat­te und ihn hei­ra­ten woll­te, konn­te der Va­ter vor Sor­ge um die Zu­kunft sei­ner Mäd­chen kaum schla­fen. Denn frü­her war es üb­lich, dass El­tern ih­ren Töch­tern ei­nen Teil ih­res Ver­mö­gens in die Ehe mit­ga­ben. Das nann­te man Mit­gift. Sei­nen drei Töch­tern wür­de er nichts mit­ge­ben kön­nen, dach­te der Va­ter trau­rig. Sankt Ni­ko­laus hör­te von der Not des Va­ters. Ei­nes Nachts blick­te er durchs Fens­ter ins Haus der Fa­mi­lie. Am Ka­min hat­ten die Töch­ter ih­re Strümp­fe zum Trock­nen auf­ge­hängt. Da kam dem Ni­ko­laus ei­ne Idee. Er klet­ter­te durch den Schorn­stein, rutsch­te in die Stu­be und füll­te die Strümp­fe mit Gold. Da­bei hin­ter­lieſ­sen sei­ne Stie­fel Ab­drü­cke, denn er muss­te ja durch die Asche des Ka­mins lau­fen. Am nächs­ten Mor­gen be­merk­ten die Töch­ter, dass ih­re Strümp­fe dick wa­ren und schwer nach un­ten zo­gen. Sie trau­ten ih­ren Au­gen nicht: Gold! So wa­ren die Mäd­chen ver­sorgt, konn­ten hei­ra­ten und der Va­ter wie­der ru­hig schla­fen. Seit­dem stel­len eng­li­sche Fa­mi­li­en an Weih­nach­ten Kek­se und ei­ne heiſ­se Tas­se Ka­kao an den Ka­min, als Stär­kung für den Ni­ko­laus und sei­ne gu­ten Ta­ten. Un­ab­hän­gig da­von, wer die Ge­schen­ke un­ter den Tan­nen­baum legt: Die Idee, dass man sich an Weih­nach­ten be­schenkt, ist sehr alt. Men­schen woll­ten da­durch zum Aus­druck brin­gen, dass sie ein­an­der wert­schät­zen. Da­mit die Über­ra­schung noch ef­fek­ti­ver war, wur­den die Ga­ben ver­packt. Vor 500 Jah­ren pro­bier­ten es wie­der­um die En­g­län­der mit bun­ter Ta­pe­te. Doch die war schwer zu fal­ten und brach an den Kan­ten aus­ein­an­der. Vor 150 Jah­ren wur­de das prak­ti­sche­re dün­ne Ge­schenk­pa­pier er­fun­den, 1930 der Te­sa­film, der es zu­sam­men­hielt. Heut­zu­ta­ge wird Weih­nachts­ge­schenk­pa­pier in 300 ver­schie­de­nen Mo­ti­ven ver­kauft! Ent­spre­chend groſs sind die Alt­pa­pier­ber­ge nach dem Fest: 55 000 Ton­nen wa­ren es 2014, hat das Um­welt­bun­des­amt be­rech­net. Ei­ne Ton­ne hat 1 000 Ki­lo­gramm. Im­mer­hin re­cy­celn die meis­ten Fa­mi­li­en in Deutsch­land ge­brauch­tes Ge­schenk­pa­pier, in­dem sie es ins Alt­pa­pier wer­fen oder wie­der­ver­wen­den. Krea­ti­ve An­ders-Ver­pa­ckun­gen sind auch Stof­fe, be­mal­te oder be­druck­te Pa­pier­tü­ten und be­kleb­te Schuh­kar­tons, die man an­der­wei­tig nut­zen kann. Tan­ja Ka­sisch­ke

In der Köl­ner Ni­ko­laus-Schu­le des Bunds der Deut­schen Ka­tho­li­schen Ju­gend wur­den in den letz­ten Wo­chen Ni­ko­laus-Darstel­ler aus­ge­bil­det. Die ins­ge­samt 55 über­wie­gend männ­li­chen Teil­neh­mer er­hiel­ten In­for­ma­tio­nen rund um die his­to­ri­sche Fi­gur und die be­kann­tes­ten Ni­ko­laus-Le­gen­den.

Da freut sich das Kind: Der Ni­ko­laus hat den Strumpf ge­füllt.

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