Bü­cher aus und über die Re­gi­on

Ge­schich­te, Ge­schich­ten, ein Thril­ler und vie­le Bil­der: Neu­er­schei­nun­gen des Jah­res 2015

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Re­gi­on - Bo lie bo lie SO

Die Ge­schich­te des Rau­mes, der heu­te die Bun­des­län­der Ba­den-Würt­tem­berg, Rhein­land-Pfalz und Saar­land ab­deckt auf 256 Sei­ten – das ist am­bi­tio­niert. Aber war­um soll in ei­nem Buch nicht ge­lin­gen, was der SWR in ei­ner sie­ben­tei­li­gen Fern­seh­se­rie ge­schafft hat – die Ge­schich­te Süd­west­deutsch­lands prä­gnant und all­ge­mein­ver­ständ­lich zu ver­mit­teln? Ge­org Pat­zer, His­to­ri­ker und Jour­na­list aus Karls­ru­he, meis­tert die­se Auf­ga­be rou­ti­niert. Un­ter dem Leit­the­ma „Wie wir wur­den, was wir sind“ver­folgt er lan­ge Ent­wick­lungs­li­ni­en. Dass die Ver­gan­gen­heit sehr viel mit der Ge­gen­wart zu tun hat, zeigt sich schon an den Ka­pi­tel­über­schrif­ten. Sie hei­ßen et­wa „Wie wir Bür­ger wur­den“(da geht es um Rit­ter und

Das Fo­to von Kin­dern, die vor der Ku­lis­se der klei­nen Knie­lin­ger Häu­schen 1898 in der Alb ste­hen, er­in­nert an die sehr dörf­li­che Zeit des heu­ti­gen Karls­ru­her Stadt­teils. Durch die West­stadt fuhr da­mals noch ei­ne Ei­sen­bahn Rich­tung Ma­xau, wie ei­ne Fo­to­gra­fie von 1912 zeigt. Dar­auf er­streckt sich noch ein dich­ter Wald zwi­schen Kai­ser­al­lee und Hayd­n­platz. Man ver­tieft sich gern in die Auf­nah­men die­ses Bu­ches vol­ler Schwarz-Weiß-Auf­nah­men aus dem al­ten Karls­ru­he. An­hand von 340 Fo­tos aus der Zeit zwi­schen 1870 und 1978 lässt sich ei­ne Ah­nung von den Ve­rän­de­run­gen in der ba­di­schen Re­si­denz und Haupt­stadt be­kom­men. Der Bild­band will kei­ne Nost­al­gie mit Post­kar­ten­mo- Städ­te, Kir­chen und Klös­ter im Mit­tel­al­ter), „Wie die Ar­beit un­ser Le­ben ver­än­der­te“(hier ste­hen In­dus­tria­li­sie­rung und Ar­bei­ter­be­we­gung im Mit­tel­punkt) oder „Wie wir in die Ka­ta­stro­phe steu­er­ten“(Ers­ter Welt­krieg, Wei­ma­rer Re­pu­blik und NS-Staat). Zahl­rei­che Bil­der lo­ckern das Buch auf – dar­un­ter sind auch et­li­che Fo­tos, die vom SWR nach­ge­stell­te Sze­nen zei­gen. Das mag die Fans der TV-Se­rie er­freu­en – zu ei­nem Sach­buch, auch ei­nem, das sich an ei­ne brei­te Öf­fent­lich­keit wen­det, passt sich die­se Form der Ge­schichts­fik­ti­on al­ler­dings nicht wirk­lich. ti­ven be­schwö­ren, son­dern setzt auch das Un­fer­ti­ge ins Bild. Ein Blick in die Ger­wig­stra­ße 1899 zeigt, dass sie da­mals nur auf ei­ner Sei­te mit ho­hen Wohn­häu­sern be­baut war. Da­zu ist das Buch von Fer­di­nand Lei­kam ge­schickt auf­ge­baut. Je­des der acht Ka­pi­tel wird mit ei­nem at­trak­ti­ven groß­for­ma­ti­gen Fo­to ein­ge­lei­tet, die Bild­tex­te punk­ten mit nüch­ter­ner Sach­lich­keit und die bei­ge­füg­ten his­to­ri­schen In­for­ma­tio­nen sind kurz und nütz­lich. Die über­wie­gend aus dem Stadt­ar­chiv Karls­ru­he stam­men­den Auf­nah­men zei­gen nicht nur Ge­bäu­de, son­dern auch Men­schen.

Das gibt es nur in Ba­den“. An­ge­sichts die­ses Buch­ti­tels mu­tet es schon ein klein biss­chen ko­misch an, wenn der ba­di­sche Wein auf­ge­führt wird und der ba­di­sche Spar­gel. Klar kom­men die­se Pro­duk­te aus Ba­den, aber es „gibt“sie auch an­ders­wo. So­gar in Würt­tem­berg sol­len schon Leu­te ge­sich­tet wor­den sein, die sich ba­di­sche Tröpf­chen durch die Keh­le rin­nen lie­ßen. Wo­mög­lich schmaus­ten sie da­zu ein kö­nig­li­ches Ge­mü­se, das in ei­nem Land ge­dieh, in wel­chem zwar nie ein Kö­nig, aber im­mer­hin Mark­gra­fen und Groß­her­zö­ge re­gier­ten. Stutt­gart hin­ge­gen gibt es in Ba­den nicht, auch wenn es ei­ne ba­di­sche Grün­dung war. Aber Schwamm dar­über – auf sol­che Fein­hei­ten kommt es gar nicht an. Mat­thi­as

Es war an Weih­nach­ten, am 24. De­zem­ber 1831, als das Ge­schenk ei­nes li­be­ra­les ba­di­sches Pres­se­ge­setz ver­ab­schie­det wur­de. Ab 1. März 1832 soll­te al­le Zen­sur der Druck­schrif­ten im Groß­her­zog­tum Ba­den auf­ge­ho­ben sein. Das pass­te den an­de­ren deut­schen Staa­ten über­haupt nicht. Auf ih­ren Druck hin, nahm Groß­her­zog Leo­pold schon im Ju­li 1832 die Druck­frei­heit zu­rück. Die Er­in­ne­rung an sol­che po­li­ti­sche Wen­de­punk­te und Epi­so­den wird in ei­nem nütz­li­chen Ka­len­da­ri­um zur ba­di­schen Ge­schich­te fest­ge­hal­ten. Hein­rich Hauß’ Werk „Ba­den Tag für Tag“ist in vier Tei­le ge­glie­dert. Dem kur­zen Blick auf Er­eig­nis­se an je­dem Da­tum folgt ei­ne et­was aus­führ­li­che­re No­ti­zen fast für je­den Keh­le und Patri­cia Keß­ler ging es viel­mehr dar­um, die ba­di­sche See­le zu strei­chen. Schließ­lich be­steht Ba­den-Würt­tem­berg aus zwei Tei­len: ei­nem grö­ße­ren und ei­nem schö­ne­ren. Die bei­den ha­ben Amü­san­tes, Ku­rio­ses, Re­kord­ver­däch­ti­ges und vie­les an­de­re, was sich als Be­son­der­heit ver­kau­fen lässt, zu­sam­men­ge­tra­gen und lau­nig prä­sen­tiert. Die Ba­di­sche Re­vo­lu­ti­on 1848/49 et­wa – sie fin­det sich im Ab­schnitt über „Ba­di­sche Kul­tur“. Auch ori­gi­nell: Um Flow­tex, den schwers­ten Fall von Wirt­schafts­kri­mi­na­li­tät in Deutsch­land, geht es im Ka­pi­tel „Ba­di­sche Er­folgs­ge­schich­ten“. Ka­len­der­tag mit Ab­bil­dun­gen. Be­son­ders zahl­reich sind da­bei Kurz­bio­gra­fi­en von Per­sön­lich­kei­ten, dar­un­ter im­mer­hin mehr Frau­en als in ei­nem Vor­gän­ger­werk. Ei­ne Chro­no­lo­gie, die sich an Jah­res­zah­len ori­en­tiert, er­mög­licht nach Ju­bi­lä­en Aus­schau zu hal­ten, wäh­rend ein Per­so­nen­re­gis­ter den Ab­schluss bil­det. Ins­ge­samt ist ein wert­vol­les Nach­schla­ge­werk ent­stan­den, in dem kul­tu­rel­le Ter­mi­ne wie Aus­stel­lungs­er­öff­nun­gen eben­falls ih­ren Platz ha­ben, wäh­rend die So­zi­al- und Ge­sell­schafts­ge­schich­te zu kurz kommt. Ei­nen Auf­wärts­trend gab es beim Über­nach­tungs­tou­ris­mus in der Haupt­sai­son im Som­mer 2015. Al­ler­dings gin­gen die Zu­wachs­ra­ten zu­letzt leicht zu­rück, und im Ok­to­ber 2015 wur­de bei den Über­nach­tun­gen so­gar ein leich­tes Mi­nus ver­zeich­net, heißt es beim Sta­tis­ti­schen Lan­des­amt. Im ge­sam­ten Som­mer­halb­jahr (Mai bis Ok­to­ber) 2015 be­grüß­te die hei­mi­sche Be­her­ber­gungs­bran­che (ab zehn Bet­ten oder Stell­plät­zen) 12,3 Mill. an­kom­men­de Gäs­te, das wa­ren 4,2 Pro­zent mehr als im Vor­jahr. In ei­ni­gen Be­triebs­ar­ten

Mehr Tou­ris­ten über­nach­te­ten im Land

wa­ren je­doch auch Über­nach­tungs­rück­gän­ge zu be­ob­ach­ten. So ver­zeich­ne­ten Ju­gend­her­ber­gen und Hüt­ten (mi­nus 6,4 Pro­zent) so­wie Schu­lungs­hei­me (mi­nus 3,8 Pro­zent) ge­gen­über dem vor­her­ge­hen­den Som­mer nen­nens­wer­te Rück­gän­ge. Auf der an­de­ren Sei­te er­ziel­ten die Cam­ping­plät­ze (plus 9,6 Pro­zent) und die Ho­tels gar­nis (plus 7,9 Pro­zent) kräf­ti­ge Zu­wäch­se. Un­ter den prä­di­ka­ti­sier­ten Ge­mein­den stan­den leich­ten Rück­gän­gen in den Kn­eipp­kur­or­ten (mi­nus 1,7 Pro­zent) so­wie in den Mi­ne­ral- und Mo­or­bä­dern (mi­nus 0,2 Pro­zent) über­durch­schnitt­li­che Zu­wäch­se in den Heil­kli­ma­ti­schen Ku­r­or­ten (plus 4,4 Pro­zent) ge­gen­über.

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