Ei­ne Lie­be fürs Le­ben

Seit An­ge­li­na Jo­lie im bit­ter­ar­men Kam­bo­dscha ge­dreht hat, lässt sie das Land nicht mehr los

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Tipps & Themen - Er­in Ha­le

An­ge­li­na Jo­lie lä­chelt von ei­nem al­ten Foto an der Wand auf die Din­ner­gäs­te im Re­stau­rant „Shi­va Shak­ti“in der kam­bo­dscha­ni­schen Haupt­stadt Ph­nom Penh her­ab. Das Foto stammt aus dem Jahr 2001. Das war vor Brad Pitt und vor ih­ren sechs Kin­dern. Die Ent­de­ckung des ärm­li­chen Lan­des in Süd­ost­asi­en war ein dra­ma­ti­scher Wen­de­punkt in ih­rem Le­ben, wie die 40-Jäh­ri­ge jetzt wie­der bei ei­nem Film­fes­ti­val in der Haupt­stadt Ph­nom Penh er­zähl­te. Das Land lässt sie nicht mehr los. Sie dreht dort ge­ra­de und be­ehr­te ein Fes­ti­val mit ei­nem per­sön­li­chen Auf­tritt. „Hier in die­sem Land hat­te ich die­sen Mo­ment, in dem mir klar wur­de: Ich will Mut­ter wer­den, und ich will ei­ne Art kam­bo­dscha­ni­sche Fa­mi­lie ha­ben“, sag­te Jo­lie. Mit vie­len Kin­dern. Das hat sie ge­schafft. Ih­ren Äl­tes­ten, Mad­dox (14), ad­op­tier­te sie 2002 in Kam­bo­dscha. Sei­ne jün­ge­ren Ge­schwis­ter sind Pax (11) aus Viet­nam, Za­ha­ra (10) aus Äthio­pi­en so­wie Shi­loh (9) und die Zwil­lin­ge Vi­vi­en­ne und Kn­ox (7), die Jo­lie mit Schau­spie­ler Brad Pitt hat. Bis zu dem Mo­ment hat­te JoWohl­tä­tig­keits­or­ga­ni­sa­tio­nen lie in Hol­ly­wood ihr Image als „wild child“kul­ti­viert: fre­che Auf­trit­te, hem­mungs­lo­se Be­zie­hun­gen, frei­zü­gi­ge Out­fits, viel Sex­Ap­peal, Tä­to­wie­run­gen und zwei Ehen. Ehe­mann Num­mer zwei, Schau­spie­ler Bil­ly Bob Thorn­ton, ist auch auf dem Foto zu se­hen. Kam­bo­dscha wur­de zu­nächst die Wie­ge ih­res Er­folgs: Jo­lie dreh­te dort 2001 den Ac­tion­film „La­ra Croft: Tomb Rai­der“. Es war ihr Durch­bruch. Doch un­ab­hän­gig von dem fil­mi­schen Er­folg hat Kam­bo­dscha bei Jo­lie ei­nen Nerv ge­trof­fen. „Ich war da­mals nicht stolz auf mich und mein Le­ben“, sag­te sie. „Hier ha­be ich so viel über das Le­ben ge­lernt, hier wur­de mir klar, dass ich mei­ne Per­spek­ti­ve än­dern muss.“Die Wür­de der Men­schen, die Art und Wei­se, wie sie bei al­ler Ar­mut das Trau­ma der Schre­ckens­herr­schaft der Ro­ten Kh­mer in den 70er Jah­ren ver­ar­bei­te­ten, im­po­nier­ten Jo­lie. Sie krem­pel­te ihr Le­ben um. Erst ad­op­tier­te sie Mad­dox. Dann wur­de sie Bot­schaf­te­rin des UN-Flücht­lings­hilfs­werks UNHCR. Thorn­ton be­kam den Lauf­pass, sei­nen ein­tä­to­wier­ten Na­men auf ih­rem Arm ließ sie per La­ser ent­fer­nen. 2005 lern­te sie Schau­spie­ler Brad Pitt ken­nen und lie­ben. Sie kauf­te sich in der Nä­he von Mad­dox’ Ge­burts­ort Bat­tam­bang ein Haus und 60 000 Hekt­ar Land und mach­te dar­aus ein Na­tur­schutz­ge­biet. Sie half vie­len und grün­de­te die „Mad­dox Jo­lie Pitt“-Stif­tung für Um­welt­schutz. 2005 ver­lieh ihr das Kö­nig­reich für ihr En­ga­ge­ment die Eh­ren­staats­bür­ger­schaft. Seit Sep­tem­ber ist sie wie­der da. Jo­lie dreht den Film „First They Kil­led My Fa­ther“(Der wei­te Weg der Hoff­nung), die Ge­schich­te der Ro­te-Kh­mer-Zeit aus der Sicht ei­nes Kin­des. Mad­dox hilft als Pro­duk­ti­ons­as­sis­tent und spielt ei­ne klei­ne Rol­le in dem Film. „Ich will, dass Mad­dox et­was über die­ses Land lernt“, sag­te Jo­lie. „Er ist mein Sohn, aber er ist auch ein Sohn Kam­bo­dschas.“Jo­lie dreht in der Um­ge­bung der Tem­pel­an­la­gen Ang­kor Wat bei Siem Reap. Die Fa­mi­lie hat­te sie oft im Schlepp­tau. Pa­pa­raz­zi ent­deck­ten Jo­lie und Pitt vor ein paar Wo­chen mit ei­ni­gen Kin­dern im Markt von Siem Reap, von an­de­ren Tou­ris­ten dort nicht zu un­ter­schei­den. Wie Be­su­cher und Ein­hei­mi­sche fuhr die Fa­mi­lie im Tuk-Tuk, ei­ner Art Mo­tor­rad mit Fahr­gast-An­hän­ger. „Je­der kennt sie in die­sem Land, weil sie be­rühmt ist und weil sie so viel ge­tan hat“, sagt Chea So­pheap, Di­rek­tor ei­nes Film­in­sti­tuts in Ph­nom Penh. Die Kam­bo­dscha­ner re­spek­tier­ten ih­re Pri­vat­sphä­re aber. Kein Men­schen­auf­lauf, wo Jo­lie auf­taucht. Nie­mand be­drängt sie. Ein ziem­lich ent­spann­ter Aus­flug für die be­rühm­te Fa­mi­lie.

Aus dem „wild child“wur­de die Bot­schaf­te­rin

Pro­mi­nen­ter Gast beim Film­fes­ti­val in Kam­bo­dscha war An­ge­li­na Jo­lie, die hier mit dem Re­gis­seur Rithy Panh über ih­ren Film „First They Kil­led My Fa­ther“(Der wei­te Weg der Hoff­nung) spricht. Foto: avs

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