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Der Sonntag (Mittelbaden) - - Tipps & Themen - Avs

Bun­des­kanz­ler Kon­rad Ade­nau­er war schon 1952 der An­sicht, „wir soll­ten jetzt mit der Na­zi­rie­che­rei mal Schluss ma­chen“. Er mein­te da­mit das Stö­bern in der NS-Ver­gan­gen­heit man­cher bun­des­deut­scher Po­li­ti­ker. Das sah die im Trüm­mer-Ber­lin der Nach­kriegs­zeit auf­ge­wach­se­ne und 1960 nach Frank­reich ge­gan­ge­ne Beate Klars­feld Jah­re spä­ter aber ganz an­ders. Sie ohr­feig­te Bun­des­kanz­ler Kurt Ge­org Kie­sin­ger 1968, wie zu­vor auf ei­ner stu­den­ti­schen Ver­samm­lung in der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Ber­lin öf­fent­lich an­ge­kün­digt, auf ei­nem CDU-Par­tei­tag in Ber­lin aus Pro­test ge­gen des­sen NS-Pro­pa­gan­da-Ver­gan­gen­heit. Die hat­te sie schon zu­vor im­mer mal wie­der do­ku­men­tiert, oh­ne al­ler­dings grö­ße­res öf­fent­li­ches In­ter­es­se zu fin­den. Kie­sin­ger hat­te nach der Ohr­fei­ge da­her nur ei­ne Fra­ge: „War das die Klars­feld?“Beate Klars­feld und ihr Mann Ser­ge mach­ten aber auch mit ih­rer Jagd auf Na­zi-Kriegs­ver­bre­cher wie den Gesta­po-Chef von Lyon in­ter­na­tio­nal Schlag­zei­len. Jetzt hat das Ehe­paar sei­ne Er­in­ne­run­gen vor­ge­legt. Her­aus­ge­kom­men ist ei­ne der span­nends­ten und be­rüh­rends­ten Do­ku­men­ta­ti­ons­lek­tü­ren über die jün­ge­re Zeit­ge­schich­te.

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