Le­se­stoff

Der Sonntag (Mittelbaden) - - TIPPS & THEMEN - Avs

Rus­si­sche Ver­la­ge ha­ben Ser­gej Le­be­dews neu­en Ro­man „Men­schen im Au­gust“wie ei­ne hei­ße Kar­tof­fel wei­ter­ge­reicht. Kei­ner trau­te sich, ihn zu dru­cken. Le­be­dew (Jahr­gang 1981) ist als Pu­tin-Kri­ti­ker be­kannt. Sein ak­tu­el­les Buch be­schäf­tigt sich je­doch höchs­tens in­di­rekt mit dem ge­gen­wär­ti­gen Russ­land. Im Fo­kus steht – wie schon bei sei­nem ers­ten Ro­man – die Ver­gan­gen­heit. Doch auch die kann für ei­nen Au­tor im heu­ti­gen Russ­land zum Pro­blem wer­den. Je­den­falls wenn er die an­ge­sag­te pa­trio­ti­sche Hel­den­sa­ga ver­wei­gert und er sich den dunk­len, mons­trö­sen Sei­ten der rus­si­schen Ge­schich­te zu­wen­det. Wenn er je­ne „Straf­zo­nen des Schwei­gens“auf­spürt, die sich übe­r­all in der Ver­gan­gen­heit auf­tun. Es geht um die Ver­bre­chen der Stalin­zeit, um Mil­lio­nen von Men­schen, die de­por­tiert wur­den, Säu­be­run­gen zum Op­fer fie­len, in Gu­lags ver­schwan­den oder die im „Gro­ßen Va­ter­län­di­schen Krieg“als Ka­no­nen­fut­ter en­de­ten. Le­be­dew ist ein eben­so poe­ti­scher wie düs­te­rer Ro­man über sein Hei­mat­land ge­lun­gen, ei­ne ver­schlun­ge­ne Zei­t­rei­se in die „Straf­zo­nen des Schwei­gens“. Die ei­ge­ne Fa­mi­li­en­ge­schich­te dien­te ihm da­bei als Vor­la­ge.

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