Die Re­gi­on

Bar­ba­ra Ei­ten­ei­er: Vor 50 Jah­ren wur­de sie Pfar­re­rin

Der Sonntag (Mittelbaden) - - ERSTE SEITE - Bar­ba­ra Ei­ten­ei­er | Kir­chen­rä­tin i.R. Ingrid Voll­mer

Wirk­lich sor­gen­frei war ihr Le­ben nie. Und doch fühl­te sich Bar­ba­ra Ei­ten­ei­er als über­zeug­te Christin im­mer um­sorgt. „Ver­trau­en auch im Zwei­feln: ei­ne Er­fah­rung, die ich mit manch An­de­ren tei­le“, sagt sie. Als ei­ne der dienst­äl­tes­ten Pfar­re­rin­nen der Ba­di­schen Lan­des­kir­che woll­te sie im­mer die Sor­gen An­de­rer mit­tra­gen. Selbst heu­te, mit 83 Jah­ren, räumt die ge­bür­ti­ge Darm­städ­te­rin schmun­zelnd ein, ih­ren Hang zu pro­blem­be­haf­te­ten The­men wohl nie zu ver­lie­ren. „Es gibt ge­nug in der Welt, was ei­nen be­schäf­tigt“, sagt Ei­ten­ei­er, die zu­letzt als Kir­chen­rä­tin im Per­so­nal­re­fe­rat der Lan­des­kir­che zu­stän­dig war für die Be­glei­tung von Pfarr­vi­ka­ren und Pfar­rern bei­der­lei Ge­schlechts. Ge­mein­de­pfar­re­rin war sie zu ih­rem Leid­we­sen selbst nie, denn als sie 1965 den Ti­tel Pfar­re­rin er­hielt, und das war erst seit 1962 mög­lich, duf­ten Frau­en noch kei­ne Kir­chen­ge­mein­den über­neh­men. „Manch­mal über­kam mich schon ein we­nig Weh­mut“, er­in­nert sie sich zu­rück, „mein Groß­va­ter war Ge­mein­de­pfar­rer und ich wuss­te, welch schö­ne Auf­ga­be das ist.“Aber Ei­ten­ei­er ent­deck­te ih­re Chan­ce: in der Ju­gend­ar­beit, in der Seel­sor­ge, in lei­ten­der Ver­ant­wor­tung. Bis heu­te spürt sie manch­mal ih­re Trau­rig­keit, dass ihr Mann, mit dem sie sich spä­ter ein­mal – ganz ih­rer Zeit vor­aus – ei­ne Pfarr­stel­le tei­len woll­te, be­reits 1963 starb. Ei­ten­ei­er ar­bei­te­te und zog den Sohn al­lei­ne groß. „Ich ha­be mir die Theo­lo­gie so hart er­kämpft, ich hät­te mir nicht vor­stel­len kön­nen, den Be­ruf auf­zu­ge­ben“, sagt sie. Für die da­ma­li­ge Zeit un­ge­wöhn­lich. Aber un­ge­wöhn­lich war und bleibt Bar­ba­ra Ei­ten­ei­er. Sie stu­dier­te 1952 Theo­lo­gie zu ei­ner Zeit als völ­lig un­klar war, wie der Weg für Frau­en in der evang­li­schen Kir­che wei­ter­geht. Im Ru­he­stand un­ter­schrieb sie 2011 als ei­ne der ers­ten ei­nen Of­fe­nen Brief, der sich da­für aus­sprach, dass ho­mo­se­xu­el­le Pfar­re­rin­nen und Pfar­rer in ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­part­ner­schaf­ten im Pfarr­haus woh­nen dür­fen. Heu­te ge­nießt Bar­ba­ra Ei­ten­ei­er bei schö­nem Wetter den Gar­ten in der Karls­ru­her Nord­west­stadt mit ei­ner 55 Jah­re al­ten Sil­ber­pap­pel. Die wich­ti­ge Ru­he fin­det sie auch in ih­rer Yo­ga­grup­pe. Nach der Pen­sio­nie­rung war Ei­ten­ei­er noch vie­le Jah­re eh­ren­amt­lich in der Ge­mein­de­be­ra­tung tä­tig, bis heu­te ar­bei­tet sie in Ge­sprächs­krei­sen mit, schätzt theo­lo­gi­sche Re­fle­xio­nen und Freund­schaf­ten. Und dann ist da noch die Lie­be zur Mu­sik. Seit über 40 Jah­ren mu­si­ziert sie mit Freun­den im Streich­quar­tett. Ih­re Gei­ge, ein Pra­ger In­stru­ment von 1704, hat sie als Stu­den­tin von ih­ren El­tern be­kom­men. Dass sie mit ih­rem 14-jäh­ri­ger En­kel ge­mein­sam Gei­genDu­et­te spie­len kann, freut die 83-Jäh­ri­ge be­son­ders. Ei­ne wich­ti­ge Rol­le spielt im­mer noch ihr Sohn. „Er er­det mich und öff­net mir die Au­gen für vie­les“, sagt sie über ihn, der hand­werk­lich sehr ge­schickt ist. Ihn be­ob­ach­tet sie ger­ne bei der Ar­beit, hilft ihm manch­mal, aber ge­nießt be­son­ders die Mo­men­te, in de­nen sie ein­fach mal die Hän­de in den Schoß le­gen kann.

Foto: ivo-press

Sie ist ei­ne der dienst­äl­tes­ten Pfar­re­rin­nen der Evan­ge­li­schen Lan­des­kir­che: Bar­ba­ra Ei­ten­ei­er er­hielt 1965 den Ti­tel Pfar­re­rin. Ei­ne Ge­mein­de durf­te sie als Frau da­mals al­ler­dings nicht lei­ten.

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