Tipps & The­men

Ro­te Ro­sen: Stars ver­beu­gen sich vor Hil­de­gard Knef

Der Sonntag (Mittelbaden) - - ERSTE SEITE - max

Die Büh­ne für die rau­schen­de Ge­burts­tag­par­ty ist be­rei­tet, die Stim­men sind ge­ölt und die Mu­sik­ver­rück­ten ha­ben sich zu Eh­ren ei­ner Ein­zig­ar­ti­gen ver­sam­melt. Für Hil­de Knef, die am 28. De­zem­ber ih­ren 90. Ge­burts­tag ge­fei­ert hät­te, bün­deln die mu­si­ka­li­schen Gra­tu­lan­ten, was die Ju­bi­la­rin zu Leb­zei­ten wie kei­ne an­de­re der deut­schen Kul­tur­land­schaft in ih­rem Cha­rak­ter ver­ein­te: Schnau­ze, Charme und Sen­ti­ment. Der Pop ver­beugt sich vor der Grand Da­me des deutsch­spra­chi­gen Chan­son auf dem Tri­bu­te-Al­bum „für Hil­de“und nimmt sie, die Le­bens­rei­sen­de zwi­schen Dra­ma und Tri­umph, in sei­ne Mit­te. Will­kom­men im Mit­ten­mang, Hil­de­gard Knef! Mark Fors­ter, Sa­lut Sa­lon, Die Fan­tas­ti­schen Vier, Cos­ma Shi­va Ha­gen, Be­la B & Bo­na­par­te, Clue­so: Die Lis­te der mu­si­ka­li­schen Gra­tu­lan­ten ist auf „für Hil­de“so schil­lernd wie lang. Und die Knef ist mit ih­rer Chuz­pe, ih­rem Geist und ih­rer Stim­me mit­ten­drin im ak­tu­el­len Pop­ge­sche­hen. Die Fan­tas­ti­schen Vier un­ter­strei­chen mit „Im 80. Stock­werk“, ei­ner neu­en Ver­si­on ih­res Knef-Samp­le-Songs „Die Stadt die es nicht gibt“, die per­fek­te Ana­lo­gie von Knef, Groo­ve und Sprech­ge­sang. Das Ham­bur­ger Frau­en­quar­tett Sa­lut Sa­lon führt die Knef mit „Lass mich bei dir sein“auf kam­mer­mu­si­ka­li­sche Fähr­te. Mark Fors­ter holt „Halt mich fest“aus sei­nem ur­sprüng­li­chen Big Band-Ge­wand und de­stil­liert im be­hut­sam­mo­der­nen Ar­ran­ge­ment die Ein­dring­lich­keit die­ses Knef-Songs. Cos­ma Shi­va Ha­gen taucht „Der Mond hat­te frei“in ei­ne sinn­li­che Sym­pho­nie der durch­drin­gen­den Wör­ter. Be­la B & Bo­na­par­te ver­to­nen erst­mals den bis­lang un­ver­öf­fent­lich­ten Knef-Text „Wo­hin ich bli­cke“. Stan­des­ge­mäß, ver­steht sich. Wer könn­te Zei­len wie „… und ein leicht lä­dier­ter Af­fe wä­re all­zu gern Gi­raf­fe…“mit tref­fen­de­rem Pa­thos zu Ge­hör füh­ren als die­ses mu­si­ka­li­sche Dream-Team? Der Kn­e­fKlas­si­ker „Ich bin zu mü­de um schla­fen zu ge­hen“sieht die Welt durch die Au­gen von Clue­so. Sa­my Deluxe, Cä­the, Ju­pi­ter Jones, Den­de­mann, Miss Plat­num, Lea: Die Ge­burts­tags­gäs­te auf „für Hil­de“be­sit­zen so un­ter­schied­li­che mu­si­ka­li­sche So­zia­li­sa­tio­nen, wie die Neu­gier­de der Knef auf je­ne Ge­schich­ten, die nur das Le­ben schrei­ben kann, groß war. Für Hil­de war Mu­sik das Größ­te und sie war am liebs­ten mit den Mu­si­kern der je­wei­li­gen Zei­ten zu­sam­men, wenn sie ein Auf­nah­me­stu­dio be­trat. Fol­ge­rich­tig kam’s zwi­schen der Kon­ser­ven-Stim­me der Knef und Sa­my Deluxe für „Von nun an ging’s berg­ab“zum Gip­fel­tref­fen, an dem Hil­de ver­mut­lich ih­re hel­le Freu­de ge­fun­den hät­te. Nicht nur we­gen des Va­ters, der in der Neu­in­ter­pre­ta­ti­on stän­dig sto­ned war, son­dern vor al­lem we­gen des Brü­cken­schlags zwi­schen Mo­der­ne und glor­rei­cher Kn­e­fVer­gan­gen­heit. Ju­pi­ter Jones ar­ti­ku­lie­ren sich un­frei­wil­lig ta­ges­po­li­tisch ak­tu­ell mit ih­rer Ver­to­nung von Kn­efs „In­tri­gen In­tri­gen“. Miss Plat­num bringt das Le­bens­mot­to der Knef in „Mei­ne Lie­der“auf den Punkt: „Mei­ne Lie­der sind an­ders, so, wie ich bin!“. Cäthes Stim­me formt die Zer­ris­sen­heit zwi­schen Flucht­ver­such und Heim­weh von „In die­ser Stadt“mit dring­li­cher Di­rekt­heit. „für Hil­de“ist weit mehr als ein Tri­bu­teAl­bum. Zwar ver­beu­gen sich die mit­wir­ken­den Pop-Krea­ti­ven vor der Knef, aber ihr, der Un­beug­sa­men, wä­re si­cher viel lie­ber, was sich auf „für Hil­de“so nach­drück­lich prä­sen­tiert: Das Fol­gen des ei­ge­nen mu­si­ka­li­schen In­stinkts je­des ein­zel­nen Mit­wir­ken­den. Sie hät­te Spaß dar­an ge­fun­den, dass ih­re Lie­der wei­ter­klin­gen, in den unterschiedlichsten Sty­les. El­la Fitz­ge­rald at­tes­tier­te der Knef, „der Welt größ­te Sän­ge­rin oh­ne Stim­me“ge­we­sen zu sein. Mag sein, dass da was dran war. Aber sie be­haup­te­te ih­re Stim­me nicht nur in der Zeit, als die Beat­les das Pop-Ver­ständ­nis neu deu­te­ten. Auch heu­te, 50 Jah­re spä­ter, be­sticht ih­re mar­kant-brü­chi­ge Stim­me durch ein­zig­ar­ti­ge Non­cha­lance.

Fotos: So­ny

Sin­gen Songs der Knef: Miss Plat­num, Jo­han­nes Oer­ding, Nis­se, Mie­ze, Flo Me­ga, Den­de­mann, Cos­ma Shi­va Ha­gen, Clue­so, Be­la B, Ali­na, Cä­the, Mark Fors­ter (von links oben nach rechts un­ten).

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.