Sonn­tags­kin­der

Ro­te Na­se: Was hat das Ren­tier mit Weih­nach­ten zu tun?

Der Sonntag (Mittelbaden) - - ERSTE SEITE - Tan­ja Ka­sisch­ke

Ru­dolph, das rot­na­si­ge Ren­tier zählt zu den be­lieb­tes­ten Weih­nachts­lie­dern in den USA. Je­des Kind kennt dort die Ge­schich­te von Ru­dolph, der so ger­ne den Schlit­ten des Weih­nachts­man­nes zie­hen wür­de, wenn er Hei­lig­abend den Kin­dern die Ge­schen­ke bringt. Weil Ru­dolph aber statt ei­ner schwar­zen ei­ne ro­te Na­se hat, hän­seln ihn die an­de­ren Ren­tie­re und fin­den, Ru­dolph pas­se nicht zu ih­nen. Der Weih­nachts­mann gibt dem Ren­tier, das an­ders ist als sei­ne Art­ge­nos­sen, trotz­dem ei­ne Chan­ce. Und Ru­dolph nutzt sie! In Deutsch­land sind das Lied und sei­ne Ge­schich­te weit­aus we­ni­ger be­kannt, da­bei ist Ru­dolph schon stol­ze 76 Jah­re alt, ein Ren­tier-Opa. Weil die Er­zäh­lung aber vom jun­gen Ren­tier han­delt, al­ter­te Ru­dolph nicht. Er über­leb­te so sei­nen Er­fin­der, Ro­bert Le­wis May, der seit fast 40 Jah­ren tot ist. May schrieb Wer­be­tex­te für ein gro­ßes Kauf­haus in Chi­ca­go. 1939 be­auf­trag­te ihn die Ge­schäfts­füh­rung da­mit, sich ei­ne schö­ne Weih­nachts­wer­bung aus­zu­den­ken, ei­ne Ge­schich­te über ei­ne Fi­gur, aus der ein Mal­buch für Kin­der ent­ste­hen soll­te, das im Ad­vent an Kun­den ver­schenkt wür­de. Ro­bert Le­wis May er­fand das Ren­tier mit der ro­ten Na­se. Zu­nächst soll­te es Re­gi­nald hei­ßen. Der Na­me ge­fiel den Chefs des Kauf­hau­ses aber nicht. May pro­bier­te es mit Rol­lo. „Auch nicht bes­ser“, be­kam er zu hö­ren. Schließ­lich tauf­te er das Ren­tier Ru­dolph und las die Ver­se, die er über Ru­dolph ge­dich­tet hat­te, sei­ner Toch­ter Bar­ba­ra vor. Sie war be­geis­tert – und Mays Chefs wa­ren es auch. der Er­zäh­lung er­gat­tert Ru­dolph sei­nen Platz im Schlit­ten­ge­spann des Weih­nachts­man­nes, weil das Ren­tier mit der ro­ten Na­se im dich­ten Schnee­trei­ben den Weg leuch­ten kann. Die Na­se funk­tio­niert wie der Ne­bel­schein­wer­fer ei­nes Au­tos. Mit Ru­dolphs Hil­fe fin­det der Weih­nachts­mann im­mer den rich­ti­gen Weg und kann al­le Ge­schen­ke pünkt­lich zur Be­sche­rung ab­lie­fern. Das zu­vor ver­spot­te­te Ren­tier wird zum Hel­den, das müs­sen auch die an­de­ren Ren­tie­re ein­se­hen und ent­schul­di­gen sich bei Ru­dolph. Seit­dem darf er je­des Jahr den Schlit­ten des Weih­nachts­man­nes mit­zie­hen. Die Idee, Ru­dolph ei­ne rot leuch­ten­de Na­se zu ge­ben, hat­te Ro­bert Le­wis May ei­nes Abends, als er zu Fuß vom Bü­ro nach Hau­se ging und sich über die schlech­te Sicht bei dem dich­ten Ne­bel är­ger­te. Weil die Stadt Chi­ca­go an ei­nem See liegt, gibt es an Herbst- und Win­ter­aben­den dort oft Ne­bel. So auch dies­mal. Gut für Ru­dolph, sonst wä­re sei­nem Er­fin­der wo­mög­lich kein Licht auf­ge­gan­gen und die Ge­schich­te des Ren­tiers ganz an­ders ver­lau­fen. Das Mal­buch mit der Ge­schich­te von Ru­dolph, dem rot­na­si­gen Ren­tier, wur­de ein Rie­sen­er­folg. Je­des Jahr muss­te das Kauf­haus drei Mil­lio­nen Bü­cher dru­cken las­sen. Die wur­den dann ver­kauft. Ro­bert Le­wis May freu­te sich sehr über den Er­folg sei­nes Hel­den, „dem es ge­nau­so ging, wie mir. Er war ein Au­ßen­sei­ter, bis al­les gut wur­de“, hat er ein­mal in ei­nem Zei­tungs­in­ter­view ge­sagt. Das be­zog May auf sein ei­ge­nes Le­ben. Sei­nen Traum, ein Buch zu schrei­ben, konn­te er sich zu­nächst nicht er­fül­len, nach­dem sei­ne Frau früh ge­stor­ben war und er für sich und sei­ne Toch­ter sor­gen muss­te. Mit dem Geld, das er aus dem Ver­kauf des Ru­dol­phIn Bu­ches be­kam, konn­ten bei­de ein sor­gen­frei­es Le­ben füh­ren. Ei­ne schö­ne Be­sche­rung! Das be­lieb­te Weih­nachts­lied „Ru­dolph, das rot­na­si­ge Ren­tier“(im eng­li­schen Ori­gi­nal ist der Ti­tel „Ru­dolph, the red-no­sed Rein­de­er“) ent­stand 1949, zehn Jah­re spä­ter. Kom­po­niert hat es der Mu­si­ker John­ny Marks, der mit Ro­bert Mays Schwes­ter Mar­ga­ret ver­hei­ra­tet war.

Im Ne­bel hat­te der Au­tor ei­ne gu­te Idee

Foto: Ara­ca­ri-Ver­lag

Nicht al­le Ren­tie­re ha­ben ei­ne ro­te Na­se, wie die­ses Bild aus dem Buch „Der klei­ne Christ­baum“zeigt. Das Lied von „Ru­dolph, dem rot­na­si­gen Ren­tier“, ist in den USA ei­nes der be­lieb­tes­ten Weih­nachts­lie­der über­haupt. Je­des Kind kennt dort die Ge­schich­te von Ru­dolph, der so ger­ne den Schlit­ten des Weih­nachts­man­nes zie­hen wür­de, we­gen sei­ner ro­ten Na­se aber im­mer ge­hän­selt wird.

Das Ti­tel­bild ei­ner sehr al­ten „Ru­dolph“-Aus­ga­be aus den USA. Repro: Ro­nald Clan­cy

Foto: fo­to­lia

Ein freund­li­cher Zeit­ge­nos­se. Mar­ken­zei­chen: die ro­te Na­se.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.