Ra­ri­tä­ten von der In­sel

Aus­stel­lung „Very Bri­tish“in Spey­er

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION - Wolf­gang We­ber

Als Phil­ipp Fürst zu Ho­hen­lo­heL­an­ge­burg vor zwei Jah­ren Be­such von sei­nem On­kel zwei­ten Gra­des be­kam, hol­te er sei­nen bes­ten Sport­wa­gen aus der Ga­ra­ge und kut­schier­te Prinz Charles, den bri­ti­schen Thron­fol­ger, in ei­nem eng­li­schen Sport­wa­gen der Mar­ke Avis, Bau­jahr 1938, durch die Land­schaft. Der im­po­san­te Wa­gen ist ei­nes der Schmuck­stü­cke ei­ner Aus­stel­lung, die der­zeit im Technikmuseum in Spey­er zu se­hen ist. Un­ter dem Ti­tel „Very Bri­tish – Royals, Mi­ni, Tea­ti­me und Co“gibt es in der Raum­fahrt­hal­le des Mu­se­ums ei­nen klei­nen, aber fei­nen Ein­blick in die mo­to­ri­sier­te und bis­wei­len schrul­li­ge Welt der Bri­ten. Kaum ei­nes die­ser Fahr­zeu­ge wird man re­gel­mä­ßig auf ei­ner deut­schen Land­stra­ße se­hen, wenn man mal den klas­si­schen Mi­ni Cooper aus­nimmt, der in der Aus­stel­lung na­tür­lich nicht feh­len darf. Die an­de­ren Au­tos je­doch sind so sel­ten, ur­alt oder un­be­zahl­bar, dass die we­ni­gen Ex­em­pla­re, die es da­von noch gibt, die meis­te Zeit ih­res Da­seins da­mit ver­brin­gen, in ir­gend­wel­chen Ga­ra­gen stein­rei­cher Men­schen zu ste­hen. „Der größ­te Teil der hier zu se­hen­den Au­tos sind pri­va­te Leih­ga­ben“, er­zählt Micha­el Stil­ler, der die Aus­stel­lung mit­kon­zi­piert hat. „Ei­ner der Leih­ge­ber hat uns so­gar meh­re­re sei­ner Au­tos zur Ver­fü­gung ge­stellt.“Selbst­ver­ständ­lich will der au­to­ver­rück­te Samm­ler an­onym blei­ben. As­ton Mar­tin, Ja­gu­ar, Bent­ley, Rolls Roy­ce: In kei­nem an­de­ren Land der Welt wur­den so vie­le, so schö­ne Au­tos pro­du­ziert wie in Groß­bri­tan­ni­en. Zu se­hen ist bei­spiels­wei­se ein Bent­ley aus dem Jahr 1929. Von die­sem Fahr­zeug, das 1928 das 24-St­un­den-Ren­nen von Le Mans ge­wann, wur­den nur 669 Ex­em­pla­re ge­baut. Das in Spey­er aus­ge­stell­te Fahr­zeug wur­de un­ter an­de­rem von Kö­nig Edu­ard VIII. ge­fah­ren. Di­rekt ne­ben ei­nem knall­ro­ten Ja­gu­ar E-Ty­pe steht ein eben­so knall­ro­ter (und viel un­be­kann­te­rer ) Ja­gu­ar D-Ty­pe. Der D-Ty­pe galt in den 50er Jah­ren qua­si als un­be­sieg­bar; von 1955 bis 1957 sieg­te ein Wa­gen die­ses Typs drei­mal hin­ter­ein­an­der beim 24St­un­den-Ren­nen von Le Mans. Stir­ling Moss er­reich­te im Jahr 1954 die für da­ma­li­ge Zei­ten fast un­glaub­li­che Spit­zen­ge­schwin­dig­keit von 270 St­un­den­ki­lo­me­tern. Ein ech­ter Hin­gu­cker ist der dun­kel­grü­ne Mor­gan Th­reew­hee­ler Su­per Sport, der – wie es der Na­me schon sagt – nur drei Rä­der hat, ei­nes da­von hin­ten. An­ge­trie­ben wird der Wa­gen, der „als Renn­au­to fürs Volk“kon­zi­piert war, von ei­nem Zwei-Zy­lin­derMo­tor­rad­mo­tor mit Was­ser­küh­lung und 1 000 Ku­bik­zen­ti­me­tern Hu­b­raum. Ob­wohl der Wa­gen nur 40 PS hat, ist er, so Micha­el Stil­ler „ex­trem schnell. Zu­min­dest vom Ge­fühl her“. Ei­nes der be­rühm­tes­ten Film­au­tos der Welt ist der As­ton Mar­tin DB5. In meh­re­ren 007Fil­men (von „Gold­fin­ger“über „Feu­er­ball“ bis hin zu „Sky­fall“) war er zu se­hen. Sein kaum zu un­ter­schei­den­der Nach­fol­ger, der 1967 ge­bau­te DB6 (zu se­hen auf un­se­rer Titelseite), steht in Spey­er und er sieht so sau­ber und ge­leckt aus, als kä­me er ge­ra­de frisch aus der Fa­b­rik. Ne­ben vie­len Au­tos ist auch ein ganz be­son­de­res Zwei­rad zu be­stau­nen: ei­ne Nor­ton Manx, Bau­jahr 1951. Die Manx ge­wann in den 50er Jah­ren fast je­des be­deu­ten­de Stra­ßen­ren­nen, auch die Is­le Of Man TT, ei­nes der ge­fähr­lichs­ten und um­strit­tens­ten Mo­tor­rad­ren­nen der Welt. Heu­te ge­hört die Nor­ton Manx zu den teu­ers­ten Mo­tor­rad-Old­ti­mern in Eu­ro­pa. Die pas­sen­de De­ko­ra­ti­on mit ro­ter Te­le­fon­zel­le, his­to­ri­scher Klei­dung aus En­g­land und ei­ni­gen wei­te­ren Ac­ces­soires, run­det das Bild der Aus­stel­lung ab, die nicht nur für Mo­tor­freaks, son­dern vor al­lem auch für En­g­lan­dFans über­aus se­hens­wert ist.

Von oben sieht es fast aus wie ei­ne Spiel­zeug­land­schaft. Die hier zu se­hen­den Fahr­zeu­ge sind aber eben­so echt wie die alt­mo­di­sche ro­te Te­le­fon­zel­le. Nur die meis­ten der Per­so­nen auf dem Foto sind Pup­pen. Die Aus­stel­lung „Very Bri­tish“in Spey­er läuft noch bis zum 30. Ju­ni 2016. Fotos: ww

Ei­ner der Hin­gu­cker ist die­ser Ja­gu­ar XK 140, der Mit­te der 50er Jah­re ge­baut wur­de.

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