Ei­ne ech­te Kämp­fe­rin

Sa­rah Kon­do aus To­go hat dank des IBZ-Pa­tin­nen­pro­jekts viel er­reicht

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION - Ingrid Voll­mer

In Ba­den frag­te sich Sa­rah Kon­do nur ei­nes: „Wo bin ich hier?“. Die To­go­le­sin kam mit 23 Jah­ren aus ih­rer Hei­mat nach Deutsch­land, ver­stand die Spra­che nicht, konn­te nichts le­sen, kann­te nichts von der Kul­tur und die Men­schen wa­ren ihr fremd. Sie war al­lei­ne. Aber Sa­rah Kon­do ist ei­ne Kämp­fe­rin. Und sie fand Hel­fe­rin­nen im In­ter­na­tio­na­len Be­geg­nungs­zen­trum (IBZ) in Karls­ru­he. In we­ni­gen Ta­gen steht ih­re Ein­bür­ge­rung an. Heu­te hat die 42-Jäh­ri­ge Kin­der, die zum Gym­na­si­um ge­hen, ei­ne Ar­beit und wei­ter­hin ei­nen fes­ten Wil­len: Sie will noch mehr er­rei­chen als das, was ihr be­reits ge­lun­gen ist. Sa­rah Kon­do ist für die Lei­te­rin des IBZ, Iris Sar­dar­a­ba­dy, ein Vor­bild an Mut, Stär­ke und Ehr­geiz. „Sie ist heu­te fa­mi­li­är, be­ruf­lich und so­zi­al so toll in­te­griert“, sagt sie. Sar­dar­a­ba­dy weiß, wie oft Sa­rah Kon­do am Bo­den zer­stört war. Sie hat­te al­le Mög­lich­kei­ten der In­te­gra­ti­ons­hil­fe aus­ge­schöpft, hat­te kei­nen Job, leb­te mit zwei Kin­dern nach der Schei­dung al­lei­ne. Sie kam ins IBZ und sag­te nur ei­nen ver­zwei­fel­ten Satz: „Ich brau­che Hil­fe“. Die be­kam sie un­ter an­de­rem durch das Pa­tin­nen­pro­jekt, das es im IBZ gibt. Hier grei­fen Ein­hei­mi­sche Zu­ge­wan­der­ten auf Au­gen­hö­he un­ter die Ar­me. Für die To­go­le­sin wur­de vor acht Mo­na­ten das fast Un­mög­li­che wahr: sie be­kam ei­ne dau­er­haf­te Stel­le als Haus­wirt­schaf­te­rin in ei­ner Wohn­grup­pe für min­der­jäh­ri­ge Flücht­lin­ge. Hier kann Sa­rah Kon­do ih­re wah­re Stär­ke zei­gen. Man mag es kaum glau­ben: die To­go­le­sin ver­mit­telt den Flücht­lin­gen deut­sche Tu­gen­den. „Es geht nicht, dass die da­von aus­ge­hen, dass nur Frau­en put­zen“, sagt sie auf­ge­bracht, „oder dass sie völ­lig un­mo­ti­viert rum­hän­gen. Ich sa­ge je­dem: Deutsch­land ist ein tol­les Land, und wer hier et­was er­rei­chen will, der er­reicht es. Aber er muss et­was da­für tun.“Sa­rah Kon­do mo­ti­viert die jun­gen Flücht­lin­ge, denn sie weiß aus ei­ge­ner Er­fah­rung, dass man sich nur mit star­kem Wil­len selbst auf die rich­ti­ge Bahn brin­gen kann. Ge­mein­sam mit den Päd­ago­gen und So­zi­al­ar­bei­tern be­spricht sie die Pro­blem­fäl­le. „Die sa­gen mir, dass ich so was wie So­zi­al­ar­beit ma­che. Und das ist mein nächs­tes gro­ßes Ziel. So et­was möch­te ich be­ruf­lich ma­chen“, sagt die Mut­ter zwei­er Kin­der. Es wird schwie­rig für sie wer­den, denn Sa­rah Kon­do hat kei­nen Schul­ab­schluss. Aber das nimmt ihr ih­re Zie­le nicht. Sie will wei­ter kämp­fen. Eva Ge­er­ken, Lei­te­rin des IBZ, be­wun­dert die To­go­le­sin: „Das Ar­beits­amt woll­te sie put­zen schi­cken, aber sie hat ge­sagt, sie wol­le mehr er­rei­chen.“Seit zwölf Jah­ren be­glei­tet Ge­er­ken das Pa­tin­nen­pro­jekt und weiß von rund 400 Frau­en, die in die­ser Zeit dar­an teil­ge­nom­men und mit­ge­macht ha­ben. Das IBZ ver­fügt über Netz­wer­ke und kann Tü­ren öff­nen. Sa­rah Kon­do bei­spiels­wei­se hat heu­te noch Le­se­pa­tin­nen, die mit ihr le­sen üben. „Das Pa­tin­nen­pro­jekt ist kein Hilfs­pro­jekt, son­dern ei­ne gleich­be­rech­tig­te Freund­schaft“, sagt Ge­er­ken. Kon­dos Pa­tin­nen wür­den auch von de­ren Wis­sen und ih­rer Klug­heit pro­fi­tie­ren. „Das Pa­tin­nen­pro­jekt und das IBZ, das ist mei­ne Fa­mi­lie“, sagt Sa­rah Kon­do heu­te. Klar kennt sie auch noch To­go­le­sen, aber „die kön­nen mir nicht hel­fen, wenn ich ein Pro­blem ha­be. Hier be­kom­me ich im­mer Hil­fe.“

Im In­ter­na­tio­na­len Be­geg­nungs­zen­trum Karls­ru­he (IBZ) hat Sa­rah Kon­do (Mit­te) ei­ne Hei­mat ge­fun­den. Die Lei­te­rin­nen Iris Sar­dar­a­ba­dy (links) und Eva Ge­er­ken hel­fen ihr da­bei. Foto: ivo-press

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