Al­les auf An­fang

Ein Ka­len­der teilt das Jahr in Ta­ge, Wo­chen und Mo­na­te ein

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SONNTAGSKINDER - Tan­ja Ka­sisch­ke

In fünf Ta­gen be­ginnt ein neu­es Jahr. „Das klingt selt­sam, weil sich nichts er­kenn­bar än­dert“, sagt Clara. Aus die­sem Grund wur­den Ka­len­der ein­ge­führt, da­mit die Men­schen Ori­en­tie­rung ha­ben und sich auf jah­res­zeit­li­che Än­de­run­gen ein­stel­len kön­nen. Ein neu­er Abreiß­ka­len­der, des­sen ers­tes Blatt ei­ne ro­te Eins zeigt, weil Neu­jahr Fei­er­tag ist, hängt dann in der Kü­che von Cla­ras Zu­hau­se. „2016 hat der Ka­len­der so­gar ein Blatt mehr“, weiß sie, „es ist ein Schalt­jahr mit ei­nem 29. Fe­bru­ar.“Ihn gibt es nur al­le vier Jah­re. Ob Schalt­jahr oder nicht, „ich fän­de es bes­ser, wenn der Jah­res­wech­sel in den Som­mer fie­le. Dann kann man Sil­ves­ter raus­ge­hen und das Feu­er­werk an­schau­en, oh­ne zu frie­ren. Und Neu­jahr ins Frei­bad ge­hen oder ei­ne Rad­tour ma­chen, weil es län­ger hell ist. Wer hat Ka­len­der ei­gent­lich er­fun­den und fest­ge­legt, wann ein neu­es Jahr be­ginnt?“Ein Ka­len­der teilt das Jahr in Ta­ge, Wo­chen und Mo­na­te ein. Ein Jahr ent­spricht der Län­ge ei­nes Son­nen­jah­res. Das ist die Zeit­span­ne, in der sich die Er­de ein­mal um die Son­ne dreht: 365 Ta­ge und sechs St­un­den. In vier Jah­ren kommt da­durch ein zu­sätz­li­cher Tag zu­sam­men, der Schalt­tag. Un­ser Ka­len­der heißt Gre­go­ria­ni­scher Ka­len­der und ist 433 Jah­re alt. Ein­ge­führt hat­te ihn der Papst, wes­halb der Ka­len­der nach ihm be­nannt wur­de: Gre­go­ria­nisch kommt von Gregor. Zu­nächst hiel­ten sich nur die ka­tho­li­schen Län­der Eu­ro­pas an die neue Ein­tei­lung. Auch die ka­tho­li­schen Kö­nig­rei­che und Her­zog­tü­mer Deutsch­lands, das da­mals noch kei­ne Bun­des­re­pu­blik war, son­dern aus klein­tei­li­ge­ren Staa­ten be­stand, über­nah­men die Ein­tei­lung. Die pro­tes­tan­ti­schen Län­der lehn­ten den Ka­len­der ab. In ganz Deutsch­land gilt der Gre­go­ria­ni­sche Ka­len­der seit dem Jahr 1776, in der Tür­kei erst seit 1926, in Chi­na so­gar erst seit 1949. Ka­len­der ist ein latei­ni­sches Wort. Es be­zeich­net die ers­ten Ta­ge ei­nes neu­en Mo­nats. Wie­so Latein? Weil der ge­bräuch­lichs­te Ka­len­der bis zur Re­form durch Papst Gregor la­tei­ni­scher – oder: rö­mi­scher – Her­kunft war. Den Ju­lia­ni­schen Ka­len­der er­ließ der rö­mi­sche Kai­ser Ju­li­us Cä­sar vor fast 2 000 Jah­ren. Schon da­mals be­stand ein Jahr aus zwölf Mo­na­ten und 365 Ta­gen. Dass die Mo­na­te Ju­li und Au­gust 31 Ta­ge ha­ben, war auch ei­ne Er­fin­dung der Rö­mer. Da­mit wür­dig­ten sie die Kai­ser Ju­li­us Cä­sar und Au­gus­tus. Die Mo­na­te Ju­li und Au­gust sind nach ih­nen be­nannt. Sep­tem­ber heißt „sieb­ter“, Ok­to­ber „ach­ter“, No­vem­ber „ne­un­ter“und De­zem­ber „zehn­ter“Mo­nat. Die­se Zäh­lung stimmt nicht mehr. Die Na­men ent­stan­den da­durch, dass die Rö­mer ein neu­es Jahr ab dem 1. März be­rech­ne­ten. In­fol­ge ei­ner Ka­len­der­re­form wur­de der 1. Ja­nu­ar zum Neu­jahrs­tag er­klärt. Die Mo­na­te Ja­nu­ar bis Ju­ni sind fast al­le nach Göt­tern be­nannt, Ja­nus (Ja­nu­ar), Mars (März), Aphro­di­te (April), Ju­pi­ter Mai­us (Mai) oder Ju­no (Ju­ni). Ei­ne Aus­nah­me bil­det der Fe­bru­ar. Sei­nen Na­men be­kam er vom „fe­brua“, dem rö­mi­schen Rei­ni­gungs­fest. Da­mit war nicht ge­meint, dass al­le Men­schen ih­re Häu­ser putz­ten und das dann fei­er­ten, son­dern ei­ne Zeit des In­ne­hal­ten und des Auf­räu­mens im ei­ge­nen Le­ben. Ver­mut­lich ist es kein Zu­fall, dass im Fe­bru­ar die Fas­ten­zeit be­ginnt. 2016 fällt der Ascher­mitt­woch auf den 10. Fe­bru­ar. 40 Ta­ge spä­ter, auch das of­fen­bart ein Blick in den Ka­len­der, ist Os­tern. Als ers­te Ka­len­der­wo­che gilt die Wo­che, in der min­des­tens vier Ta­ge des Ja­nu­ars fal­len. 2016 be­ginnt Wo­che eins al­so am 4. Ja­nu­ar.

In fünf Ta­gen ist Sil­ves­ter. Die­se zwei Nach­wuchs­ma­ler ha­ben schon ein­mal ge­übt, wie sich das neue Jahr schreibt. Die Mit­ar­bei­ter der „Sonn­tags­kin­der“-Re­dak­ti­on wün­schen ih­ren klei­nen und gro­ßen Le­se­rin­nen und Le­sern ei­nen gu­ten „Rutsch“und ein gu­tes neu­es Jahr. Foto: fo­to­lia

In die­sem Jahr müsst ihr am Ka­len­der ein Blatt mehr ab­rei­ßen, denn 2016 ist ein Schalt­jahr. Den 29. Fe­bru­ar gibt es nur al­le vier Jah­re. Foto: Imago

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.