Wie „Phö­nix aus der Asche“– der neue BVB

Klopp-Nach­fol­ger Tu­chel hat aus Bo­rus­sia Dort­mund wie­der den Bay­ern-Jä­ger Num­mer eins ge­macht

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SPORT - Pe­ter Tre­bing

Neue Be­sen fe­gen be­kannt­lich be­son­ders gut. Und, um im Bild zu blei­ben, Bo­rus­sia Dort­mund scheint ge­nau den rich­ti­gen Be­sen ge­fun­den zu ha­ben, um nach ei­ner ziem­lich miss­ra­te­nen Sai­son „klar Schiff“zu ma­chen: Tho­mas Tu­chel. Der Coach, der bei Mainz 05 im Un­frie­den ge­schie­den war, weil er sich über­ra­schend selbst ei­ne Aus­zeit ver­ord­net und den „Kar­ne­vals­ver­ein“aus Rhein­hes­sen in der Trai­ner­fra­ge un­ver­hofft in die Bre­douil­le ge­bracht hat­te. So et­was ist nicht un­be­dingt image­för­dernd – doch bei Tu­chel scheint sich die­ser un­or­tho­do­xe Ab­schied von den „05-ern“nicht ne­ga­tiv aus­ge­wirkt zu ha­ben. Im Ge­gen­teil, die In­ter­es­sen­ten stan­den Schlan­ge bei Tu­chel. RB Leip­zig klopf­te an, auch der HSV schien in Tu­chel die per­fek­te Lö­sung sei­nes Trai­ner­pro­blems ge­fun­den zu ha­ben. Aber der hef­tig Um­wor­be­ne gab den Han­sea­ten trotz weit vor­an ge­schrit­te­ner Ver­hand­lun­gen doch noch ei­nen Korb, als er plötz­lich ver­kün­de­te, als Nach­fol­ger von Jür­gen Klopp zu Bo­rus­sia Dort­mund zu ge­hen. Ein Wech­sel mit An­sa­ge, denn „Klop­po“hat­te selbst sei­nen Ab­schied zum En­de der ver­gan­ge­nen Sai­son an­ge­kün­digt. Die Ab­nut­zungs­er­schei­nun­gen im Ver­hält­nis zwi­schen dem Kul­ttrai­ner und dem Team wa­ren zu of­fen­sicht­lich. Lan­ge schien dem BVB so­gar der Ab­stieg zu dro­hen, ehe man doch noch ei­ni­ger­ma­ßen die Kur­ve krieg­te. Klopp scheint nach kur­zer schöp­fe­ri­schen Pau­se in­zwi­schen beim FC Li­ver­pool sein neu­es Trai­ner­glück ge­fun­den zu ha­ben. Und Tu­chel ist dies wohl bei der Bo­rus­sia ge­lun­gen. Der „Pöh­ler“ging – und ein „Pro­fes­sor“kam. Tu­chel ist de­fi­ni­tiv nicht der Mann, der pau­sen­los an der Sei­ten­li­nie am Li­mit rum­turnt. Er ist eher der Typ des akri­bi­schen Ana­lys­ten, des Tak­ti­kers und Tüft­lers. Und ei­ner, der die rich­ti­gen Per­so­nal­ent­schei­dun­gen trifft. Denn mit zwei Aus­nah­men ar­bei­tet er mit dem fast glei­chen Spie­ler­ma­te­ri­al wie Vor­gän­ger Klopp. Die Neu­zu­gän­ge Ro­man Bür­ki (kam vom SC Frei­burg) und Mit­tel­feld­stra­te­ge Ju­li­an Weigl (vor­her 1860 München) ent­pupp­ten sich als Voll­tref­fer. Der Schwei­zer Bür­ki sorg­te für ei­nen fast ge­räusch­lo­sen Wech­sel im Tor und ver­dräng­te Welt­meis­ter Ro­man Wei­den­fel­ler auf die Bank. Weigl gibt dem Bo­rus­sen-Spiel neue Im­pul­se. Und der fast schon als Fehl­ein­kauf ab­ge­stem­pel­te Mat­thi­as Gin­ter wur­de auf die rech­te Ab­wehr­sei­te ver­scho­ben und fei­er­te in sei­ner neu­en Rol­le so­gar sein Come­back im Na­tio­nal­team. Da­zu kam die Leis­tungs­ex­plo­si­on ei­nes Pier­re-Eme­rick Auba­meyang. Auch Mar­co Reus, Il­kay Gün­do­gan, Shin­ji Ka­ga­wa, Hen­rikh Mk­hi­ta­ryan, Mar­cel Schmel­zer oder Ka­pi­tän Mats Hum­mels (trotz klei­ner Kri­se) blüh­ten wie­der auf und sor­gen für vie­le spek­ta­ku­lä­re Mo­men­te auf dem Platz. Tu­chel hat ei­ne neue BVB-Stra­te­gie kre­iert und die Bo­rus­sia da­mit zum Bay­ern-Jä­ger Num­mer eins ge­macht. Er hat da­für ge­sorgt, dass es in der Bun­des­li­ga an der Spit­ze zu­min­dest wie­der et­was span­nend ist. Re­spekt, Herr Tu­chel.

Neue Po­wer aus dem Pott – Shin­ji Ka­ga­wa, Pier­re-Eme­rick Auba­meyang und Hen­rikh Mk­hi­ta­ryan (von links) spie­len mit Bo­rus­sia Dort­mund bis­lang ei­ne spek­ta­ku­lä­re Sai­son. Der BVB ist här­tes­ter Ver­fol­ger der Bay­ern in der Bun­des­li­ga und auch im DFB-Po­kal und in der Eu­ro­pa Le­ague noch mit im Ren­nen. Foto: avs

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