„Lö­wen“-Domp­teur Kreu­zer

Münch­ner Ge­schich­ten: Ein „Ro­ter“soll die „Blau­en“zum Er­folg füh­ren

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DAS SPORTJAHR 2016 - Ha­rald Lin­der

An­fang No­vem­ber wur­de Oli­ver Kreu­zer beim kri­seln­den Fuß­ball-Zweit­li­gis­ten 1860 München als neu­er Sport­di­rek­tor ver­pflich­tet, um dort die per­so­nel­le Dau­er­kri­se in der sport­li­chen Füh­rung zu be­en­den. Ein Job, der dem ehe­ma­li­gen KSC-Ma­na­ger, der nach sei­nem Raus­wurf beim Bun­des­li­gaDi­no HSV im Ok­to­ber 2014 mit sei­ner Fa­mi­lie von Ham­burg wie­der nach München ge­zo­gen war, ak­tu­ell nur we­nig Freu­de be­rei­tet. Den­noch hat Oli­ver Kreu­zer den Schritt, „bis­lang kei­ne Mi­nu­te be­reut“, wie er im Ge­spräch mit dem SONN­TAG sagt. „Das ist ein Tra­di­ti­ons­ver­ein, der rund 300 Fan­clubs hat und ich will mit­hel­fen, dass er wie­der in ru­hi­ges Fahr­was­ser und auch sport­lich wie­der auf die Bei­ne kommt. Da­für wer­de ich al­les ge­ben“, macht der 50-Jäh­ri­ge deut­lich und spricht von ei­ner „enorm reiz­vol­len Auf­ga­be“bei den Münch­ner Lö­wen. „Auch wenn es na­tür­lich nicht leicht wird“, fügt er hin­zu.

Der 1860-Sport­di­rek­tor hofft auf Win­terzu­gän­ge

Über die bei sei­ner Ver­pflich­tung im Um­feld ge­äu­ßer­te Kri­tik, dass mit ihm jetzt aus­ge­rech­net ein ehe­ma­li­ger „Ro­ter“, der von 1991 bis 1997 als Pro­fi beim un­ge­lieb­ten Münch­ner Stadt­ri­va­len FC Bay­ern spiel­te, bei den „Blau­en“, den „Sech­zi­gern“, das Sa­gen ha­be, kann Oli­ver Kreu­zer nur schmun­zeln. „Ich glau­be nicht“, be­tont er, „dass das über­haupt ei­ne Rol­le spielt. Viel­leicht bei ein paar Su­per-Tra­di­tio­na­lis­ten, aber für die Mehr­heit kommt es dar­auf an, dass ich er­folg­reich ar­bei­te. Und zu­dem bin ja auch kein ech­ter Münch­ner, son­dern ein Zu­ge­reis­ter aus Ba­den“, meint der ge­bür­ti­ge Mann­hei­mer. Wenn dies sei­ne ein­zi­ge Sor­ge wä­re, könn­te Oli­ver Kreu­zer re­la­tiv ent­spannt ins neue Jahr ge­hen. Aber nach­dem sei­ne Mann­schaft bei ih­rem letz­ten Auf­tritt 2015 beim SC Frei­burg 0:3 das Nach­se­hen hat­te, die letz­ten bei­den Heim­spie­le ge­gen den FSV Frankfurt und den 1. FC Hei­den­heim ver­lor („da ha­ben wir so­zu­sa­gen zwei Elf­me­ter ver­schos­sen“, so Kreu­zer) und dar­über hin­aus noch zu Hau­se ge­gen den Li­ga­kon­kur­ren­ten VfL Bochum aus dem Po­kal ge­flo­gen ist, schrill­ten bei den „Lö­wen“sämt­li­che Alarm­glo­cken. Mit sei­nem Trai­ner Ben­no Möhl­mann ist er sich ei­nig, „dass wir uns in der Win­ter­pau­se mit zwei oder drei Spie­lern ver­stär­ken müs­sen“. Die An­for­de­run­gen sind klar: „Wir brau­chen Qua­li­tät, Er­fah­rung und Klas­se. In un­se­rem Ka­der ste­hen vie­le jun­ge, ta­len­tier­te Spie­ler, die zwar gro­ßes Po­ten­zi­al, aber noch we­nig Er­fah­rung ha­ben. Und nur mit Ta­lent und Ju­gend kann man in der Zwei­ten Li­ga nicht be­ste­hen“, nennt Kreu­zer die Pro­ble­me bei dem von der Club­füh­rung vor der Sai­son ver­ord­ne­ten „Ju­gend­stil“. Dass zu den neu­en Kräf­ten Ge­org Nie­der­mai­er (VfB Stuttgart) und Sascha Möl­ders (FC Augs­burg) ge­hö­ren könn­ten, woll­te Kreu­zer nicht kom­men­tie­ren, zu­mal er weiß, dass Neu­ver­pflich­tun­gen die­ses Ka­li­bers nicht bil­lig sind. Am Di­ens­tag kün­dig­te In­ves­tor Ha­san Is­ma­ik im­mer­hin an, dem Team um Trai­ner Ben­no Möhl­mann und Kreu­zer ei­ne Mil­li­on Eu­ro für Ver­stär­kun­gen in der Win­ter­pau­se zur Ver­fü­gung zu stel­len. Ein Sze­na­rio wie in der ver­gan­ge­nen Sai­son, als die „Sech­zi­ger“nur durch ei­nen Last-Mi­nu­te-Tref­fer in der Re­le­ga­ti­on ge­gen Hol­stein Kiel dem Ab­sturz aus der Zwei­ten Bun­des­li­ga ent­gin­gen, soll es nicht mehr ge­ben. Aber mit die­sem The­ma will sich Kreu­zer (zu­min­dest zur­zeit) so­wie­so nicht be­schäf­ti­gen, ob­wohl sein bis 2018 da­tier­ter Ver­trag auch für die Drit­te Li­ga gel­ten wür­de. „Der Ab­stand zu den Nicht­ab­stiegs­plät­zen ist nicht so groß, dass dies nicht auf­zu­ho­len wä­re“, meint er und will nach dem Trai­nings­la­ger im spa­ni­schen Es­te­bo­na mit neu­en Kräf­ten „den Re­set-Knopf drü­cken“, wie er am Te­le­fon sag­te.

Will den Fuß­ball-Zweit­li­gis­ten 1860 München wie­der auf die Bei­ne brin­gen: Oli­ver Kreu­zer (Mit­te), der neue „Lö­wen“-Sport­di­rek­tor. Dass der ge­bür­ti­ge Mann­hei­mer und Ex-KSC-Ma­na­ger einst beim Stadt­ri­va­len FC Bay­ern spiel­te, be­hagt ei­ni­gen Münch­ner Tra­di­tio­na­lis­ten über­haupt nicht – für Kreu­zer spielt’s kei­ne Rol­le. Foto: imago

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