Bun­des­li­ga ist die Lo­ko­mo­ti­ve

Po­si­ti­ve Zwi­schen­bi­lanz beim TV Bühl

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DAS SPORTJAHR 2016 - Pe­ter Tre­bing

Acht Spie­le in der Vol­ley­ball-Bun­des­li­ga sind in­zwi­schen ab­sol­viert, im DVVPo­kal hat man sich für die Fi­nal­teil­nah­me am 28. Fe­bru­ar in der Mann­hei­mer SAP-Are­na ge­gen die BR Vol­leys aus Ber­lin qua­li­fi­ziert – der per­fek­te Zeit­punkt al­so, um ein Zwi­schen­fa­zit der Sai­son 2015/16 zu zie­hen, zu dem auch der größ­te sport­li­che Er­folg in der Ge­schich­te der Vol­ley­ball­Ab­tei­lung des TV Bühl ge­hört. „Jetzt ha­ben wir es end­lich ein­mal bis ins Fi­na­le ge­schafft, al­so wer­den wir uns dort nicht ein­fach in un­ser Schick­sal er­ge­ben. Ber­lin ist zwar haus­ho­her Fa­vo­rit aber auch ver­wund­bar. Wir wer­den kämp­fen bis zum Um­fal­len. Wenn die Ber­li­ner un­se­ren Skalp wol­len, müs­sen sie da­für ei­ne

„Die bes­ten Bot­schaf­ter, die Bühl je­mals hat­te“

Men­ge tun.“Das sagt ei­ner, der zwar sei­nen lang­sa­men Rück­zug aus dem Büh­ler Vol­ley­ball vor­be­rei­tet, in sei­ner Funk­ti­on bei der „Bühl ist Vol­ley­ball Gm­bH“und als Ab­tei­lungs­lei­ter aber noch im­mer voll ins Ge­sche­hen in­vol­viert ist: Jor­go Vla­cho­jan­nis. Er sieht in die­ser Run­de vor al­lem den Kurs be­stä­tigt, den die Ver­ant­wort­li­chen ge­wählt ha­ben: „Wir ha­ben uns für den Weg mit den jun­gen Spie­lern ent­schie­den. Da­mit sind wir total zu­frie­den. Und beim Blick auf die bis­her ab­sol­vier­ten Spie­le fällt mir nur ei­nes ein, in dem wir rich­tig schlecht wa­ren: Bei der Heim­nie­der­la­ge ge­gen Co­burg.“Aus­ge­rech­net Co­burg, denn kurz vor der Plei­te im Bun­des­li­ga-Spiel hat­te man die Ober­fran­ken noch lo­cker mit 3:0 aus dem Po­kal ge­wor­fen. Ver­mut­lich fehl­te ge­nau des­halb die nö­ti­ge Kon­zen­tra­ti­on, um auch in der Li­ga ge­gen die Co­bur­ger nach­zu­le­gen. „Doch da­nach hat die Mann­schaft ge­zeigt, welch tol­len Cha­rak­ter sie hat. Wenn ich se­he, wie sie sich an­schlie­ßend beim Heim­sieg ge­gen den VfB Fried­richs­ha­fen oder im Po­kal-Halb­fi­na­le ge­gen Lü­ne­burg prä­sen­tiert hat, dann bin ich schon stolz auf die Jungs“, sagt Jor­go Vla­cho­jan­nis. Ge­ra­de auch, weil die jüngs­ten Spie­ler im Team sich längst durch­ge­bis­sen ha­ben. Dia­go­nal­spie­ler Lu­bos Kos­to­la­ni et­wa ha­be man ganz be­wusst ge­hen las­sen, weil man da­mit Paul Buchegger auch ein Si­gnal ge­ben woll­te. Vla­cho­jan­nis: „Da­mit ha­ben wir ihm un­ser Ver­trau­en ge­schenkt.“Und der Ös­ter­rei­cher zahlt die­ses Ver­trau­en zu­rück – mit vie­len Punk­ten und über­ra­gen­den Leis­tun­gen. Die zeigt auch Da­vid Sos­sen­hei­mer kon­stant. Er ist Ka­pi­tän der Mann­schaft und lebt in die­ser Rol­le auf. „Ihm die­ses Amt zu über­tra­gen, war ei­ne ab­so­lut rich­ti­ge Ent­schei­dung“, lobt Ab­tei­lungs­lei­ter Vla­cho­jan­nis. Des­sen star­ke Vor­stel­lun­gen in der Bun­des­li­ga über­ra­schen ihn al­ler­dings nicht: „Er hat so viel Ta­lent und Qua­li­tät, da ha­be ich ei­gent­lich er­war­tet, dass er so gut ist, wenn er re­gel­mä­ßig spielt.“Stamm­spie­ler ist Sos­sen­hei­mer längst – sein Team­kol­le­ge Jens Sandmeier aber auch. Spe­zi­ell bei ihm ist der Leis­tungs­sprung enorm. Dies dürf­te auch der Kon­kur­renz nicht ver­bor­gen ge­blie­ben sein. Die jun­gen Wil­den des TV In­ger­soll Bühl we­cken Be­gehr­lich­kei­ten, doch beim TVB gibt man sich ent­schlos­sen: „Wir wer­den al­les dar­an set­zen, das Team in­klu­si­ve un­se­rer Trai­ner min­des­tens noch ein oder so­gar zwei Jah­re in Bühl zu hal­ten. Hier kön­nen die jun­gen Spie­ler rei­fen. Hier be­kom­men sie ih­re Spiel­zei­ten. Und ha­ben mit Ru­ben Wo­lochin ei­nen Trai­ner, der sie wirk­lich vor­an­bringt. Er und sein Team sind maß­geb­lich dar­an be­tei­ligt, dass sich die Jungs in der Bun­des­li­ga eta­blie­ren konn­ten.“Sport­lich ist schein­bar al­les im Lot, doch in den ver­gan­ge­nen Wo­chen sorg­ten Ge­rüch­te rund um das Bun­des­li­ga-Team für Un­ru­he. Ir­ri­ta­tio­nen, die Jor­go Vla­cho­jan­nis re­la­ti­viert. „Das The­ma Hal­len­mie­te war für uns nie wirk­lich eins. In der Sum­me war dies al­les ein Miss­ver­ständ­nis. Das ha­ben wir aus der Welt ge­schafft – Punkt. Die of­fe­nen For­de­run­gen sind be­gli­chen.“Auch auf die an­geb­li­chen fi­nan­zi­el­len Pro­ble­me geht er ein: „Da es sich um ein schwe­ben­des Ver­fah­ren han­delt, will ich es so um­schrei­ben: Ei­ne drit­te Par­tie hat ei­ne For­de­rung an uns ge­stellt, de­ren Recht­mä­ßig­keit noch ge­klärt wer­den muss. Dies pas­siert ge­ra­de auf ju­ris­ti­schem Weg. Wie es sich für or­dent­li­che Kauf­leu­te ge­hört, ha­ben wir da­für aber ent­spre­chen­de Rück­stel­lun­gen in un­se­rem Etat ge­bil­det.“Und der ge­rüch­te­wei­se dro­hen­de Ver­lust der Bun­des­li­ga-Li­zenz? Wie steht es da­mit? „Durch die ge­ra­de er­wähn­ten Rück­stel­lun­gen muss­ten wir bei der Vol­ley­bal­lBun­des­li­ga (VBL) ent­spre­chen­de Si­cher­hei­ten vor­le­gen. Die­se For­de­run­gen ha­ben wir er­füllt – des­halb ha­ben wir auch die Li­zenz und neh­men am Spiel­be­trieb teil.“Und dies will man auch in Zu­kunft tun. Im ers­ten Quar­tal 2016 will man wie im­mer „Kas­sen­sturz“ma­chen und se­hen, was mach­bar ist. „Das ha­ben wir schon im­mer so ge­hand­habt“, sagt Vla­cho­jan­nis, „das ist ein ganz nor­ma­ler Vor­gang bei uns.“Doch trotz des treu­en Stamms an Spon­so­ren wird man die Su­che nach wei­te­ren Geld­ge­bern for­cie­ren, um die Kos­ten in der Bun­des­li­ga stem­men zu kön­nen. Bei der Wer­bung will man die über­re­gio­na­le Wer­bung wie­der for­cie­ren. Und den Rück­gang bei den Zu­schau­er­zah­len will man in­ten­siv ana­ly­sie­ren, um auch in die­ser Hin­sicht schnell wie­der ehe­ma­li­ge Re­kord­mar­ken zu er­rei­chen. „Der Bun­des­li­ga-Vol­ley­ball ist der bes­te Bot­schaf­ter, den die Stadt Bühl je­mals hat­te. Die vie­len Eh­ren­amt­li­chen beim TV Bühl ar­bei­ten sehr hart für die­ses Pro­jekt, von dem wir al­le be­geis­tert sind. Denn Vol­ley­ball in Bühl ist eben nicht nur das Bun­des­li­gaTeam, das ist je­de Mann­schaft im Ver­ein. Bis run­ter in die Ju­gend.“Das Bun­des­li­ga-Team sei aber ein­deu­tig die Lo­ko­mo­ti­ve, die den „Vol­ley­ball-Zug“(Vla­cho­jan­nis) zieht. Und noch ei­nes will der Ab­tei­lungs­lei­ter nicht un­er­wähnt las­sen: „Al­le Sport­ler, die wir in Bühl ha­ben, tra­gen ih­ren Teil da­zu bei, dass das Image der Stadt po­si­tiv ge­stärkt wird. Wir müs­sen al­le zu­sam­men­hal­ten und die­ses Be­wusst­sein kul­ti­vie­ren.“

„Mann­heim wir kom­men“– die­ses Foto stammt aus dem Po­kal-Halb­fi­na­le ge­gen Lü­ne­burg, in dem sich der TV In­ger­soll Bühl mit 3:1 durch­set­zen konn­te. Das End­spiel fin­det erst­mals in der SAP-Are­na statt. Geg­ner am Sonn­tag, 28. Fe­bru­ar, ist der haus­ho­he Fa­vo­rit BR Vol­leys aus Ber­lin. Foto: Steue­rer

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.