„Hohl und blöd“

Der Sonntag (Mittelbaden) - - TIPPS & THEMEN - Avs

Der Schau­spie­ler Ulrich Tu­kur sieht das zeit­ge­nös­si­sche deut­sche Thea­ter kri­tisch. „Ich bin da­mals aus­ge­stie­gen, als die Re­gis­seu­re an­fin­gen, sich über die dra­ma­ti­sche Li­te­ra­tur zu er­he­ben und in Er­man­ge­lung neu­er oder ei­ge­ner Stü­cke frag­men­tier­ten und zer­stör­ten, was mir wert­voll war“, sagt der 58-Jäh­ri­ge. Tu­kur hat vie­le Jah­re mit dem re­nom­mier­ten In­ten­dan­ten Pe­ter Za­dek (1926 bis 2009) zu­sam­men ge­ar­bei­tet und war Schau­spie­ler des Jah­res (1986). „Die Re­gis­seu­re ha­ben der ei­gent­li­chen Stär­ke des Thea­ters nicht mehr ge­traut, sei­nem ar­chai­schen Zau­ber“, be­dau­er­te Tu­kur. „Sie ha­ben die Fi­gu­ren und Au­to­ren nicht mehr ernst ge­nom­men und sich auf ei­ne bla­sier­te Art über vie­les hin­weg­ge­setzt“, kri­ti­sier­te er. „Es wur­de laut, hohl und blöd – kaum ein Thea­ter mehr für die Zu­schau­er, eher zur Be­frie­di­gung der Ego­ma­ni­en mit­tel­mä­ßi­ger Thea­ter­ma­cher.“Tu­kur ist über­zeugt: „Du brauchst nur ei­ne Glüh­bir­ne, zwei gu­te Schau­spie­ler und ei­nen tol­len Text – und du kannst ei­ne Welt er­zäh­len.“Es müss­ten jun­ge Dra­ma­ti­ker ge­fun­den und auch or­dent­lich be­zahlt wer­den, die Stü­cke über un­se­re Zeit schrie­ben – so wie et­wa in En­g­land. „Ich möch­te ger­ne wie­der ans Thea­ter“, sag­te Tu­kur. Mög­li­cher­wei­se wer­de er En­de 2017 oder 2018 wie­der in Ham­burg auf der Büh­ne ste­hen.

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