Spe­zi­el­les aus Spit­ze und Sei­de

„Man muss sich ei­ne Ni­sche su­chen“. . . und die Maß­schnei­de­rei hat Zu­kunft

Der Sonntag (Mittelbaden) - - MODE & STIL -

Da ist es, das Frouf­rou, wie die Fran­zo­sen sa­gen. Ein leich­tes Knis­tern, ein Ver­spre­chen, ein fei­nes, rät­sel­haf­tes Rau­nen. Sei­de lässt die Fan­ta­sie spie­len, fest ge­webt oder leicht und duf­tig. Ali Thomp­sons Hand glei­tet am Klei­der­stän­der ent­lang. Sie streift über Or­gan­za und Chif­fon, schwe­re und flüch­ti­ge Sei­den, matt und lu­mi­nös und ero­tisch auf­ge­la­den. Ein Hauch liegt über dem Ge­we­be – Spit­ze. Ali Thomp­son zieht Frau mit pu­rem Lu­xus an. In Ber­lin schnei­dert die Meis­te­rin nach Maß. Gro­ße Ro­ben, das Hoch­zeits­kleid, Ta­ges­klei­dung, die Spit­zen­blu­se. Auch Woll­kos­tüm oder Man­tel ha­ben ei­nen fan­tas­ti­schen Griff. Ex­zel­len­te Aus­gangs­ma­te­ria­li­en sind die Ba­sis für die Spe­zia­lis­tin. Das wah­re Kön­nen liegt im Au­ge und der Vor­stel­lungs­kraft der De­si­gne­rin und in der Prä­zi­si­on,

Ali Thomp­son be­kennt ger­ne Far­be

mit der sie ih­re Ent­wür­fe um­setzt. „Zu mei­nen Aus­zu­bil­den­den sa­ge ich im­mer, ich kann Euch al­les bei­brin­gen, nur die Au­gen müsst ihr mit­brin­gen, ihr müsst se­hen ler­nen“, er­zählt Ali Thomp­son. Ma­lu nickt. Sie ar­bei­tet an ei­nem Rock, mit der Hand ver­steht sich. Sie hat schon ein preis­ge­krön­tes ei­ge­nes Mo­dell. Noch im ers­ten Lehr­jahr hol­te sie den drit­ten Platz beim Leip­zi­ger Opern­ball Fa­shion Award. Das ist ei­ne Über­ra­schung, und doch. Im­mer wie­der be­scher­ten die in­zwi­schen 19 Lehr­lin­ge, die ihr Hand­werk – und ih­re Kunst – bei Ali Thomp­son ge­lernt ha­ben, dem Ate­lier Prei­se. Ganz wie Ali Thomp­son selbst. Aus­zeich­nun­gen beim Bun­des­kon­gress der Maß­schnei­der, die „Gol­de­ne Na­se“, die der Ge­samt­ver­band Tex­til und Mo­de ver­gibt . . . Zu­letzt ent­deck­ten die Fran­zo­sen die bril­lan­te Schnei­de­rin, die so un­glaub­lich mit Spit­ze um­zu­ge­hen weiß. Die Pa­ri­ser Maß­schnei­der lu­den Thomp­son, par­al­lel zu den Hau­te-Cou­ture-Schau­en, als ein­zi­ge Deut­sche zur Aus­stel­lung der klei­nen, fei­nen Or­ga­ni­sa­ti­on in die fran­zö­si­sche Me­tro­po­le ein. Aus fi­li­gra­ner Lei­nen­spit­ze (!) dem vor­ge­ge­be­nen Ma­te­ri­al, ent­warf Ali Thomp­son ein Fish­cut-Kleid, kör­per­be­tont, mit Wei­te nach un­ten, klas­sisch, ero­tisch, und spä­tes­tens mit dem Fe­der­ab­schluss am De­kol­le­té, ver­spielt, ein Hauch fri­vol und be­ste­chend hei­ter. Hier of­fen­bart sich ein Ge­heim­nis der Cou­turiè­re – der fei­ne, ex­tra­va­gan­te Bruch, das „Je-ne-sais-quoi“. Ali Thomp­son springt auf, wie sie es über­haupt kaum auf dem Stuhl hält. Sie zeigt auf die Per­len im „Strau­ßen­kra­gen“, das fei­ne Gold. Nichts sitzt hier ir­gend­wie, al­les ist durch­dacht, prä­zi­se bis zu den hand­ge­näh­ten Schlau­fen, in de­nen die Knöp­fe schim­mern. „Als ich zehn war, wuss­te ich, ich wer­de Schnei­de­rin“, er­in­nert sich Thomp­son. Schnei­de­rin? Ja, auch. Sie macht ei­ne Leh­re, schnei­dert mit an den Ko­s­tü­men für Wer­ner Her­zogs Fiz­car­ral­do, zieht Schau­spie­ler am Ber­li­ner Schil­ler­thea­ter und der Schau­büh­ne, un­ter an­de­rem die „Som­mer­gäs­te“in Pe­ter St­eins Ins­ze­nie­rung, an. Sie be­kommt Kin­der, lebt ei­ne Wei­le in En­g­land und schließt in Ber­lin ihr De­sign­stu­di­um an der Hoch­schu­le der Küns­te bei Uli Rich­ter ab. „Man muss sich ei­ne Ni­sche su­chen, das hat schon Uli Rich­ter ge­sagt“, er­zählt Ali Thomp­son. Ih­re Ni­sche sind „Spit­zen“und Sei­de als per­fekt sit­zen­des Maß­mo­dell ver­ar­bei­tet. „Mei­ne Kun­din­nen zah­len meist selbst“, sagt Thomp­son la­chend. Sie be­rät zum Typ, be­zieht – wenn es ge­wünscht ist – die Spit­ze des Braut­kleids der Mut­ter ein, spielt mit Cre­me­tö­nen und be­herrscht von glanzvoll bis matt die Kla­via­tur der Ober­flä­che. Ali Thomp­son be­kennt gern auch Far­be. „Wenn sie auf ei­nem Ball mit 3 500 Gäs­ten sind, trägt die Hälf­te, Män­ner, schwarz“, sagt Thomp­son. Dann auch noch ein schwar­zes Da­men­kleid? Die Ent­wür­fe der Ber­li­ner De­si­gne­rin sind schon über den ro­ten Tep­pich in Can­nes „ge­lau­fen“, brin­gen Ele­ganz aufs po­li­ti­sche Par­kett oder he­ben als som­mer­li­ches Rei­se­ge­päck Rich­tung Du­bai ab. Das Ent­schei­den­de: „Die Kun­din muss sich wohl­füh­len und das Kleid soll se­xy sein.“

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