Stil­le Ta­ge im Aletsch

Der Kan­ton Wal­lis setzt auf sanf­ten Win­ter­tou­ris­mus

Der Sonntag (Mittelbaden) - - REISE & URLAUB - Hf

Ja, es stimmt wirk­lich: Lei­se, ganz lei­se rie­selt der Schnee. Wo aber ist es bloß so still, dass man tat­säch­lich hö­ren kann, wie die klei­nen, fei­nen Kris­tal­le zu Bo­den schwe­ben? Im Alet­sch­wald zum Bei­spiel, beim Win­ter­wan­dern, an ei­nem der Zau­ber­or­te, von de­nen es so vie­le gibt in der Aletsch Are­na im Schwei­zer Kan­ton Wal­lis. Die drei Or­te Rie­der­alp, Bett­me­r­alp und Fie­scher­alp, auf ei­nem Son­nen­pla­teau hoch über dem Rhô­ne­tal ge­le­gen, sind au­to­frei und nur per Seil­bahn zu er­rei­chen. Die An­rei­se lässt sich be­quem per Zug or­ga­ni­sie­ren, zu­dem gibt es ei­nen kom­for­ta­blen Ge­päck­ser­vice. Und dann geht es mit­ten hin­ein in die stil­le Win­ter­wun­der­welt, zu Fuß oder per Schnee­schuh, dort­hin, wo man dem Rie­seln des Schnees lauscht. Oder den Blick über ei­ne Ge­birgs­ku­lis­se mit dem mäch­ti­gen Aletsch­glet­scher als Mit­tel- und dem Blick auf die 35 Vier­tau­sen­der als traum­haf­ten Hö­he­punkt schwei­fen lässt. Ein Kraf­t­ort? Hier, in­mit­ten die­ser wei­ßen Pracht, exis­tiert et­was Be­son­de­res. Ei­ne Art Ener­gie-Tank­stel­le, an der man rich­tig­ge­hend spürt, wie sich die Le­bens­re­ser­ven wie­der auf­fül­len. Ge­le­gen­hei­ten zum Auf­tan­ken be­kommt man vie­le: 86 Ki­lo­me­ter Win­ter­wan­der­we­ge und 14 Ki­lo­me­ter Schnee­schuh­trails lie­gen di­rekt vor der Ho­tel­tür oder sind mit dem Win­ter­wan­der­pass be­quem per Berg­bahn zu er­rei­chen. Wer sich auf­macht, den ge­bahn­ten We­gen zu Fuß zu fol­gen, oder – aben­teu­er­li­cher noch – die Schnee­schu­he an­schnallt, der wird mit Win­ter­ein­sam­keit be­lohnt. Auf ei­ner Win­ter­wan­de­rung von der Berg­sta­ti­on Moos­fluh bis zur Rie­der­alp liegt ei­nem der im­po­san­te Aletsch­glet­scher zu Fü­ßen, ein mäch­ti­ger Strom aus Eis, 23 Ki­lo- me­ter lang, von sei­nem Ge­burts­ort un­ter­halb des Gip­fels der Jung­frau in rund 4 000 Me­ter Hö­he bis zu sei­nem En­de an der Mas­sa­schlucht auf 1500 Me­ter. Wie im Vo­gel­flug geht es auf dem wei­ßen Wan­der­weg den Grat ent­lang gen Wes­ten. Es krib­belt und knis­tert buch­stäb­lich, so un­glaub­lich ist die Ener­gie, die der Gro­ße Aletsch­glet­scher und die ihn flan­kie­ren­den Gip­fel aus­zu­strah­len schei­nen. Kein Wun­der, dass die Hoch­ge­birgs­land­schaft ein UNESCO-Wel­ter­be ist. Wer nicht ge­nug be­kommt vom Glet­scher: Die drei Aus­sichts­ber­ge Moos­fluh, Bett­mer­horn und Eg­gis­horn sind be­quem zu er­rei­chen. Selbst der Nach­wuchs spürt , dass hier et­was an­ders ist. Wer nachts mit den Klei­nen vor die Tür tritt, freut sich über de­ren ehr­fürch­ti­ges Stau­nen. Der Him­mel leuch­tet – kein Licht gibt es, au­ßer in den klei­nen Ho­tels und Cha­lets oder fun­kelnd im Tal. Und man hört: nichts. Nur, wie der Wind über den Schnee trip­pelt. Dann fal­len die Au­gen der Klei­nen zu, die Kom­bi­na­ti­on aus Be­we­gung und fri­scher Luft macht ver­läss­lich mü­de. Selbst in der Hochsaison ist die Aletsch Are­na nicht über­lau­fen. Es ist ge­nü­gend Platz, um im frisch ge­fal­le­nen Weiß mit den Schnee­schu­hen ganz neue Spu­ren zu zie­hen. Oder auf ein­sa­men We­gen durch ver­schnei­te Wäl­der zu strei­fen, sich ein ganz klein biss­chen zu ver­lie­ren in der Ge­birgs­na­tur. Und so bleibt am En­de des Auf­ent­halts das Ge­fühl, ge­wapp­net zu sein für den All­tag: Die Ru­he aus­ge­kos­tet. Die Re­ser­ven auf­ge­füllt. Vol­ler Ener­gie.

Der Son­ne na­he: Mit sei­nen ty­pi­schen Wal­li­ser Cha­lets liegt der au­to­freie Ort Bett­me­r­alp auf ei­nem Son­nen­pla­teau hoch über dem Rhô­ne­tal. Foto: Frei

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