Der ge­kauf­te Er­folg

Ra­senBall­sport Leip­zig – ein Re­tor­ten­club auf Bun­des­li­ga-Kurs

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SPORT - Pe­ter Tre­bing

Die Tat­sa­che, dass RB Leip­zig nach 19 Spie­len an der Spit­ze der 2. Bun­des­li­ga steht und dem Auf­stieg in die Eli­te­klas­se des deut­schen Fuß­balls im­mer nä­her kommt, ist nicht nur für die Tra­di­tio­na­lis­ten die­ses Sports der reins­te Hor­ror. Erst 2009 ge­grün­det, ist der Ra­senBall­sport (RB) Leip­zig ein Re­tor­ten­club mit au­ßer­ge­wöhn­lich gro­ßen fi­nan­zi­el­len Res­sour­cen. Die mach­ten es auch mög­lich, vom SSV Mar­kran­städt das Start­recht für die Sai­son 2009/10 in der Ober­li­ga Nord­ost zu über­neh­men. Den ra­san­ten Auf­stieg bis in die Zwei­te Li­ga ver­dankt man im Prin­zip nur dem En­ga­ge­ment des sport­ver­rück­ten Vi­sio­närs Dietrich Ma­te­schitz, des­sen Red Bull Kon­zern ins­ge­samt 99 Pro­zent an der Ra­senBall­spor­tLeip­zig-Gm­bH im Be­sitz hat. Als be­denk­lich wird auch die Ver­eins­struk­tur ein­ge­schätzt, denn die Fans des Clubs ha­ben im Prin­zip kei­ne Mög­lich­keit, auf die Ver­eins­po­li­tik ein­zu­wir­ken, da sie nicht stimm­be­rech­tigt sind. Ge­nau die­se Tat­sa­che sorgt auch für ei­ne fast kom­plet­te Ab­leh­nung der Ra­senBall­sport­ler in der Fan­sze­ne. Seit der Grün­dung des am­bi­tio­nier­ten Ver­eins wur­den knapp 46 Mil­lio­nen Eu­ro al­lei­ne in die Mann­schaft in­ves­tiert, da­von 42 Mil­lio­nen in die­ser und der ver­gan­ge­nen Sai­son. Auf der Ein­nah­men­sei­te tau­chen da­ge­gen nur 1,9 Mil­lio­nen Eu­ro auf. Knapp 1,5 Mil­lio­nen da­von wur­den mit dem An­teil der Ab­lö­se­sum­me von Jos­hua Kim­mich er­zielt, der zwar vom VfB Stuttgart zu den Münch­ner Bay­ern ge­wech­selt ist, zum Zeit­punkt der Trans­fer­ver­ein­ba­rung aber an RB Leip­zig aus­ge­lie­hen war. Und 400 000 Eu­ro gab es für Ex-KSC-Spie­ler De­nis Tho­mal­la von Lech Po­sen (Po­len). Um die Grö­ßen­ord­nung der Leip­zi­ger In­ves­ti­tio­nen zu ver­deut­li­chen: Ins­ge­samt ga­ben die 18 Zweit­li­gis­ten vor die­ser Run­de 35 Mil­lio­nen Eu­ro für neue Spie­ler aus – mehr als die Hälf­te da­von (18,6 Mil­lio­nen Eu­ro) ent­fällt auf die Trans­fer­aus­ga­ben der „Ro­ten Bul­len“. Ei­ne Be­zeich­nung, die auch kei­nen Hehl aus der Nä­he zum Ener­gy-Drink-Her­stel­ler aus Ös­ter­reich macht. Was al­ler­dings kein Zu­fall, son­dern eben auch Stra­te­gie ist. Dietrich Ma­te­schitz treibt sein Pro­jekt kon­se­quent vor­an. Und die Vor­be­hal­te ge­gen­über sei­nem Re­tor­ten­club kann er oh­ne­hin nicht nach­voll­zie­hen: „Wenn man die Ma­the­ma­tik stra­pa­zie­ren möch­te, han­delt es sich hier um null­kom­ma­nul­lir­gend­was Pro­zent al­ler Fuß­ball-In­ter­es­sier­ten“, sag­te er in ei­nem Interview über sei­ne Kri­ti­ker. Doch die sind ver­mut­lich zahl­rei­cher, als er glaubt. Aber RB Leip­zig be­wegt sich im Rah­men der Sta­tu­ten der Deut­schen Fuß­ball Li­ga, selbst das „Ver­schie­ben“von Spie­lern zwi­schen den RB-Fi­lia­len in Salz­burg, New York, Bra­si­li­en, Gha­na oder eben Leip­zig ist for­mal nicht zu be­an­stan­den. Und wird von Ma­te­schitz als Sy­ner­gie­ef­fekt be­zeich­net. Doch es bleibt na­tür­lich auch bei der Zweit­li­ga-Kon­kur­renz ein fa­der Bei­ge­schmack, wenn man in Sach­sen die schein­bar un­be­grenz­ten Mög­lich­kei­ten nach Be­lie­ben nutzt. Für Ralf Rang­nick, ei­gent­lich Sport­di­rek­tor, doch der­zeit in ers­ter Li­nie Trai­ner in Leip­zig, ist dies ein nor­ma­ler Vor­gang, denn: „Soll­te RB auf­stei­gen, wird das ei­ne ab­so­lu­te Be­rei­che­rung für die Li­ga sein, in je­der Be­zie­hung. Stim­mungs­mä­ßig, Fan-tech­nisch, vom Sta­di­on und von der At­trak­ti­vi­tät des Fuß­balls her. Die Men­schen hier sind un­end­lich hung­rig auf gu­ten Fuß­ball“, sag­te er der „Zeit“. Und was den Punkt der feh­len­den Tra­di­ti­on an­geht, ist er op­ti­mis­tisch: Wenn man kei­ne hat, dann müs­se man sich die eben er­ar­bei­ten. Und zwar am bes­ten schon bald in der Bun­des­li­ga.

Die bis­lang größ­te In­ves­ti­ti­on von RB Leip­zig: Stür­mer Da­vie Sel­ke wech­sel­te im Som­mer 2015 für ge­schätz­te acht Mil­lio­nen Eu­ro Ab­lö­se vom SV Wer­der Bre­men nach Sach­sen. Foto: avs

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