Coo­le Ty­pen: Spio­ne, Agen­ten und De­tek­ti­ve

Auf ge­hei­mer Mis­si­on in der Fa­mi­li­en­aus­stel­lung „De­tek­ti­ve, Agen­ten und Spio­ne“in Spey­er

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Melanie Schnau­fer

Wo ist die Bot­schaft ver­steckt? Ein un­durch­dring­li­ches Wirr­warr aus ro­ten Buch­sta­ben be­deckt die Ti­sch­o­ber­flä­che. Doch Lu­ca – in der Hand ei­ne Lu­pe mit ro­ter Fo­lie – hat schon her­aus­ge­fun­den, wie er die Ge­heim­schrift ent­zif­fern kann. „Die Fo­lie wirkt wie ein Fil­ter. Die ro­ten Buch­sta­ben ver­schwin­den und die ver­bor­ge­ne schwar­ze Schrift wird sicht­bar“, ver­rät der Zehn­jäh­ri­ge, der am liebs­ten die span­nen­den Ge­schich­ten der „drei ???“hört. Neu­gier und de­tek­ti­vi­scher Spür­sinn sind ge­nau das, was die jun­gen Be­su­cher der in­ter­ak­ti­ven Fa­mi­li­en­aus­stel­lung des His­to­ri­schen Mu­se­ums der Pfalz in Spey­er brau­chen. „De­tek­ti­ve, Agen­ten und Spio­ne“ver­bin­det näm­lich nicht nur be­rühm­te Er­mitt­ler aus Li­te­ra­tur und Film mit rea­len Spio­na­ge­fäl­len, son­dern lässt an vie­len Mit­mach­sta­tio­nen Raum zum selbst aus­pro­bie­ren, er­for­schen und spie­len. Bis zum 31. Ju­li bil­den Ja­mes Bond, Sher­lock Hol­mes und Philipp Mar­lo­we auf 1500 Qua­drat­me­tern ei­ne un­ge­wöhn­li­che Wohn­ge­mein­schaft – ge­tarnt als schumm­ri­ge U-Bahn-Sta­ti­on und ge­füllt mit 250 Aus­stel­lungs­stü­cken, die von Film­re­qui­si­ten über Spio­na­ge­werk­zeug bis hin zu ei­ner ech­ten ENIG­MA-Ver­schlüs­se­lungs­ma­schi­ne aus dem Zwei­ten Welt­krieg rei­chen. „De­tek­ti­ve, Agen­ten und Spio­ne ar­bei­ten im Ver­bor­ge­nen. Sie dür­fen nicht er­kannt wer­den und er­mit­teln meist ver­deckt“, dringt ei­ne Stim­me der Fa­mi­li­en­füh­rung ans Ohr, der sich auch vie­le Er­wach­se­ne an­ge­schlos­sen ha­ben. Auch ein gu­ter De­tek­tiv ist auf Hilfs­mit­tel an­ge­wie­sen, da­mit sei­ne Tar­nung nicht auf­fällt. Da­von zeu­gen vie­le, auf den ers­ten Blick un­schul­dig wir­ken­de All­tags­ge­gen­stän­de, die sich bei nä­he­rer Be­trach­tung als Ge­heim­ver­ste­cke, Ka­me­ras oder so­gar Waf­fen ent­pup­pen. Wie die prä­pa­rier­te Bril­le, in de­ren Schei­ben klei­ne Spie­gel an­ge­bracht wur­den, um Ver­däch­ti­ge un­auf­fäl­lig be­schat­ten zu kön­nen. Wie der aus­ge­höhl­te Ab­satz ei­nes Schuhs, in dem sich ge­hei­me Do­ku­men­te ver­ste­cken las­sen. Oder die harm­lo­se Erd­nuss, die sich als Mes­ser aus dem Fun­dus des ame­ri­ka­ni­schen Ge­heim­diens­tes CIA ent­puppt. Sind Mu­se­en in der Re­gel Or­te, an de­nen stil­le Kon­zen­tra­ti­on herrscht, über­wiegt hier auf­ge­reg­tes Kin­der­la­chen. An ei­ner Sta­ti­on geht es be­son­ders laut zu. In bun­ten Au­tos ver­fol­gen jun­ge Nach­wuch­sagen­ten in Ja­mes-Bond-Ma­nier flüch­ti­ge Ver­bre­cher – al­ler­dings nicht durch den Aus­stel­lungs­raum, son­dern in ei­nem vir­tu­el­len Spiel. Die Be­we­gun­gen des Lenk­rads wer­den auf ei­ne Lein­wand­pro­jek­ti­on über­tra­gen. Ei­nen Raum wei­ter lan­den die Be­su­cher plötz­lich im vik­to­ria­ni­schen Lon­don des 19. Jahr­hun­derts, ge­nau­er in der Ba­ker Street 221b, dem Zu­hau­se des be­rühm­tes­ten De­tek­tivs der Welt. 1887 er­schuf Ar­thur Co­n­an Doyle Sher­lock Hol­mes, der ge­mein­sam mit Dr. Wat­son und mit Hil­fe sei­nes Scharf­sinns, wis­sen­schaft­li­cher Me­tho­den und ge­nau­er Be­ob­ach­tungs­ga­be vie­le mys­te­riö­se Fäl­le ge­löst hat. Die zwölf­jäh­ri­ge Kath­rin will es dem De­tek­tiv gleich­tun und iden­ti­fi­ziert Tat­ort-Pro­ben un­ter ei­nem Mi­kro­skop. „Ich ha­be schon Keks­krü­mel, Kau­gum­mi und Luft­polster­fo­lie er­kannt“, sagt Kath­rin. „Die Ge­schich­ten von Sher­lock Hol­mes ken­ne ich aber noch nicht“. Am nächs­ten Tisch un­ter­sucht ih­re Freun­din Lau­ra be­reits ih­ren Dau­men. „Je­der Fin­ger­ab­druck ist ein­zig­ar­tig“, weiß das Mäd­chen. Trotz­dem lässt er sich ei­nem Grund­mus­ter zu­ord­nen – Schlei­fe, Wir­bel, Bo­gen oder ei­ner Kom­bi­na­ti­on aus al­len drei­en. „Ich glau­be, mei­ner ist schlei­fen­för­mig“, ver­mu­tet Lau­ra und ver­gleicht ih­ren Fin­ger­ab­druck noch ein­mal mit den Vor­la­gen. „Die Aus­stel­lung ist rich­tig span­nend“, fin­det die Elf­jäh­ri­ge, die am liebs­ten die Hör­spie­le der TKKG hört. Im Bü­ro des läs­si­gen Pri­vat­de­tek­tivs Philipp Mar­lo­we aus Los An­ge­les, ei­ner Ro­man­fi­gur des Schrift­stel­lers Ray­mond Chandler, herrscht Auf­re­gung. Ein­zel­ne Ge­sichts­par­ti­en wie Au­gen, Mün­der, Na­sen und Bär­te lie­gen be­reit, da­mit sich die Kin­der fan­ta­sie­vol­le Phan­tom­bil­der zu­sam­men­stel­len kön­nen. Ge­drän­ge herrscht um das Ko­pier­ge­rät, rings­um bli­cken die un­ter­schied­lichs­ten Ver­däch­ti­gen mit star­rem Blick von der Wand. Gift­grü­ne La­ser­strah­len ver­sper­ren den Weg. Zum Schluss dür­fen jun­ge Nach­wuchs­de­tek­ti­ve ein­mal in die Rol­le von Tom Crui­se in „Mis­si­on Im­pos­si­ble“schlüp­fen und sich mit Ge­schick­lich­keit und vie­len Ver­ren­kun­gen durch den spek­ta­ku­lä­ren Hin­der­nis­par­cours im La­ser­tun­nel schlän­geln. Doch was pas­siert, wenn ein Agent den grü­nen Strahl be­rührt?

Hier kann man sich ein­mal wie Ge­heim­agent Ja­mes Bond füh­len. Bei der in­ter­ak­ti­ven Ver­fol­gungs­jagd fie­bern die jun­gen Mu­se­ums­be­su­cher sicht­lich mit. Die Aus­stel­lungs­räu­me, die ei­ner Lon­do­ner U-Bahn-Sta­ti­on nach­emp­fun­den sind, bie­ten vie­le span­nen­de Mit­mach­sta­tio­nen. Fo­tos: Tan­ja Mo­ri Mon­tei­ro

Wer war der Tä­ter? Bil­der von Au­gen, Mün­dern, Na­sen und Bär­ten lie­gen be­reit, da­mit sich die jun­gen Mu­se­ums­be­su­cher ein Phan­tom­bild nach ih­rer Vor­stel­lung zu­sam­men­ko­pie­ren kön­nen.

Un­zäh­li­ge Män­tel, Hü­te, Pe­rü­cken und Bril­len lie­gen zum Ein­satz be­reit. Die­se jun­ge Nach­wuch­sagen­tin hat sich wie ein Pro­fi bis zur Un­kennt­lich­keit ge­tarnt.

Lu­ca (10) und sein Bru­der Mat­theo (4) ent­zif­fern ei­ne Ge­heim­schrift.

Nur zum Schein: Die­se Flö­te ent­puppt sich in Wahr­heit als ge­fähr­li­che Waf­fe für Spio­ne.

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