Kra­wat­te: Ku­rio­ses rund um den Schlips

Auf 85 Ar­ten lässt sich der Schlips bin­den

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - avs

Für man­che Män­ner ist die Kra­wat­te das mo­di­sche Ac­ces­soire schlecht­hin, für an­de­re ist sie ein Fol­ter­in­stru­ment. Und: das um­strit­te­ne Stück hat ei­ne recht ku­rio­se Ge­schich­te. Hier ei­ni­ge wis­sens­wer­te Fak­ten:

Kra­wat­ten-Pio­nie­re: Die Idee, sich ein Stück Stoff kunst­voll um den Hals zu bin­den, ist mehr als zwei Jahr­tau­sen­de alt. Schon chi­ne­si­sche Sol­da­ten im drit­ten Jahr­hun­dert vor Chris­tus tru­gen ei­ne Art Schlips. Auch rö­mi­sche Sol­da­ten schütz­ten mit ei­nem Tuch ih­ren Hals: nicht nur vor der Käl­te, son­dern auch vor den schar­fen Kan­ten ih­rer Rüs­tung. Die­se Mo­de ging je­doch im Mit­tel­al­ter ver­lo­ren. Nur in ei­nem Land nicht: Kroa­ti­en. Tat­säch­lich stammt der deut­sche Aus­druck Kra­wat­te vom fran­zö­si­schen Wort „Cra­va­te“ab, was wie­der­um ein al­ter Aus­druck für „Kroa­te“ist. Wäh­rend des Drei­ßig­jäh­ri­gen Krie­ges hat­ten kroa­ti­sche Rei­ter­ver­bän­de Hals­tü­cher ge­tra­gen. Die­se Mo­de über­nah­men ih­re fran­zö­si­schen Ka­me­ra­den. Der fran­zö­si­sche Kö­nig Lud­wig XIV. „adel­te“dann mit sei­ner Vor­lie­be für Hals­tü­cher die Kra­wat­te. Von ei­nem „cra­va­tier“ließ sich der „Son­nen­kö­nig“all­mor­gend­lich ei­nen Korb voll Lang­bin­der zur Aus­wahl rei­chen. Die Kra­wat­te in ih­rer mo­der­nen Form wur­de erst Mit­te des 19. Jahr­hun­derts ein­ge­führt. Zu den meist­ver­wen­de­ten Stof­fen ge­hö­ren heu­te Sei­de, Po­ly­es­ter, Baum­wol­le und Me­ri­no­wol­le.

Oh­ne Bin­dungs­angst: Zwei Phy­si­ker an der Uni­ver­si­tät Cam­bridge ha­ben es er­rech­net: Auf 85 Ar­ten kann man sei­nen Schlips bin­den. Wirk­lich mo­disch sind aber nur sehr we­ni­ge. Auch wenn der wohl be­rühm­tes­te Kno­ten, der „Wind­sor“, so klingt, als kä­me er aus dem eng­li­schen Kö­nigs­haus: Er wur­de in den USA er­fun­den. Be­nannt ist er aber nach dem eng­li­schen Kö­nig Ed­ward VIII., der sich nach sei­ner Ab­dan­kung 1936 Her­zog von Wind­sor nann­te. Er war für sei­ne Kra­wat­ten­bin­de-Kunst be­rühmt.

Der Zwangs­bin­der: In ei­ni­gen of­fi­zi­el­len Äm­tern geht nichts oh­ne Sei­den­bin­der. Ei­nen „wei­ßen Lang­bin­der“ver­langt von Rechts we­gen das Land Ba­den-Würt­tem­berg für Rich­ter und An­wäl­te. Im Bun­des­tag herrsch­te bis 2014 für die Schrift­füh­rer der Frak­tio­nen Kra­wat­ten­zwang. Zwei Po­li­ti­kern der Grü­nen und der Lin­ken wur­de die Vor­schrift zum Ver­häng­nis: Sie wei­ger­ten sich, ei­nen Schlips an­zu­zie­hen und wur­den dar­auf­hin von der Lis­te ge­stri­chen.

Fo­to: AFP

Man(n) muss sich nicht un­be­dingt kon­ser­va­tiv klei­den, um die Kra­wat­te als mo­di­sches Ac­ces­soire zu schät­zen: Die­ser jun­ge Herr et­wa trägt die Kra­wat­te zu Strick­wes­te und Ka­ro­hemd.

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