Nach der Flucht

Aus ei­nem Lang­zeit­pro­jekt en­ga­gier­ter KIT-Stu­den­ten ent­stand ein be­mer­kens­wer­tes Buch

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - Wolf­gang We­ber

Hin­ter all den Zah­len über die Stei­ge­rung der Asyl­an­trä­ge, über die Zahl der Hei­mat­lo­sen und über die Kos­ten für die Un­ter­brin­gung und Ver­sor­gung von Flücht­lin­gen ste­hen ein­zel­ne Schick­sa­le von Men­schen. Und wer sich ein­mal von ei­nem Flücht­ling des­sen Ge­schich­te hat er­zäh­len las­sen, der sieht die gan­ze Be­richt­er­stat­tung in den Me­di­en plötz­lich mit ganz an­de­ren

„Flucht­weg Fünf­und­zwan­zig“

Au­gen. Doch weil nicht je­der die Mög­lich­keit hat, per­sön­lich mit Flücht­lin­gen zu re­den, ha­ben Stu­den­ten des Karls­ru­her In­sti­tuts für Tech­no­lo­gie (KIT) nun ein Buch ver­öf­fent­licht, in dem recht aus­führ­lich die Ge­schich­ten von 25 Flücht­lin­gen er­zählt wer­den. „Flucht­weg Fünf­und­zwan­zig“soll ein Plä­doy­er da­für sein, sich ein ei­ge­nes Bild von den Ein­wan­de­rern und ih­rer Si­tua­ti­on in un­se­ren Asyl­be­wer­ber­hei­men zu ma­chen. Vie­le der KIT-Stu­den­ten ge­ben den In­sas­sen ei­ni­ger Flücht­lings­hei­me schon seit län­ge­rer Zeit Sprach­kur­se oder spie­len mit ih­nen Fuß­ball. Da­her ken­nen sie die Ge­ge­ben­hei­ten in Karls­ru­he und ha­ben ein Ver­trau­ens­ver­hält­nis zu den Flücht­lin­gen, den Flücht­lings­hei­men und ih­ren Be­trei­ben auf­ge­baut. Im Rah­men des Sprach­kur­ses oder des Fuß­ball­spie­lens war und ist es au­ßer­dem am bes­ten mög­lich, die Flücht­lin­ge ken­nen­zu­ler­nen und span­nen­de und vor al­lem ehr­li­che Er­zäh­lun­gen von ih­nen er­zählt zu be­kom­men. Die­se sind nun in dem 183-Sei­ten-Buch nach­zu­le­sen. Flücht­lin­ge aus Sy­ri­en, Gam­bia, Ni­ge­ria, Af­gha­nis­tan, Pa­kis­tan, Li­by­en, dem Irak, Russ­land, Bos­ni­en und dem Ko­so­vo kom­men zu Wort, er­zäh­len ih­re Ge­schich­ten, las­sen den Le­ser teil­ha­ben an den Stra­pa­zen der Flucht und ih­rer Angst in der al­ten Hei­mat. Die Tex­te im Buch sind nicht in Ich-Form ge­schrie­ben, son­dern die Stu­den­ten schrie­ben auf, was die Flücht­lin­gen ih­nen er­zähl­ten. Die Bil­der sind aus­nahms­los in schwarz­weiß und zei­gen meist Flücht­lin­ge in Groß­auf­nah­me, bis­wei­len sehr trau­rig, dann aber auch durch­aus op­ti­mis­tisch drein­schau­end „Flucht­weg Fünf­und­zwan­zig“ist kein Buch, das man eben mal durch­blät­tert, son­dern es ist – ne­ben den ein­zel­nen Ge­schich­ten der Flücht­lin­ge – voll­ge­packt mit In­for­ma­tio­nen rund um die The­men Asyl­an­trä­ge, Lan­des­erst­auf­nah­me­ein­rich­tun­gen, Vor­läu­fi­ge Un­ter­brin­gung, An­hö­rung oder Ent­schei­dung. „Ich bin froh, dass es solch her­vor­ra­gen­de und krea­ti­ve Initia­ti­ven von Stu­den­ten gibt, die sich für ei­nen be­wuss­ten und sen­si­blen Um­fang mit Schutz­su­chen­den in un­se­rer Ge­sell­schaft ein­set­zen“, lobt Ay­dan Özo­guz, Be­auf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung für Mi­gra­ti­on, Flücht­lin­ge und In­te­gra­ti­on, im Nach­wort die Initia­ti­ve aus Karls­ru­he. Ent­ste­hen konn­te das Buch un­ter an­de­rem, weil der stu­den­ti­sche Ver­ein „Flücht­lings­zeit“, der das Buch pro­du­ziert hat, über ei­ne Crowd­fun­ding-Kam­pa­gne mehr als 3000 Euro be­kom­men hat – Ziel wa­ren 1 500 Euro ge­we­sen. Die Er­lö­se aus dem Ver­kauf sol­len ge­mein­nüt­zig ver­wen­det wer­den, zum Bei­spiel für Sprach­för­de­rung.

Hus­sein floh, weil er in Af­gha­nis­tan un­ter dem Ter­ror der Ta­li­ban sehr litt. Er ist Christ, was in sei­ner Hei­mat be­deu­te­te, dass er stän­dig in Le­bens­ge­fahr war.

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