Stil­voll un­ter­wegs per Ei­sen­bahn

Die Zu­g­ro­man­tik des frü­hen 20. Jahr­hun­derts lebt an vie­len Or­ten auf

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Reise & Urlaub -

Gera­de in un­se­rer schnell­le­bi­gen Zeit seh­nen sich vie­le Men­schen nach Mo­men­ten, in de­nen sie zur Ru­he kom­men, die See­le bau­meln las­sen kön­nen und rund­um ver­wöhnt wer­den. Bei ei­ner Rei­se im Lu­xus­zug be­ginnt die­ser Mo­ment schon beim Ein­stei­gen und setzt sich fort bis zum En­de der Fahrt. Für Nost­al­gi­ker be­deu­tet die Rei­se im Lu­xus­zug die Er­fül­lung ei­nes Le­benstraums. Der In­be­griff ei­nes Lu­xus­zugs ist der Ori­ent­Ex­press. Als Train d’ Ori­ent star­te­te er am 5. Ju­ni 1883 zur Jung­fern­fahrt vom Pa­ri­ser Ga­re de l’Est über Straß­burg, Mün­chen, Wi­en, Bu­da­pest, Bel­grad und Bu­ka­rest bis zum ru­mä­ni­schen Do­nau­ha­fen Gi­ur­giu. Per Fäh­re setz­ten die Pas­sa­gie­re da­mals über und ge­lang­ten an Bord ei­nes Lo­kal­zugs durch Bul­ga­ri­en zum Schwarz­meer-Ha­fen Var­na, be­vor die Rei­se in Istan­bul en­de­te. Seit 1977 ist der Ori­ent­ex­press Ge­schich­te, doch die Fas­zi­na­ti­on lu­xu­riö­ser Zug­rei­sen lebt wei­ter. Ein ori­gi­nal­ge­treu re­stau­rier­ter Nach­fol­ger der Le­gen­de auf Schie­nen ist der Ve­nice Sim­plon-Ori­ent­ex­press. Nach ei­nem aus­ge­klü­gel­ten Fahr­plan schlän­gelt er sich seit mehr als 30 Jah­ren quer durch Eu­ro­pa. Am 2. Ju­ni 2016 macht der Zug nach län­ge­rer Ab­we­sen­heit auf dem Weg von Lon­don über Pa­ris wie­der Sta­ti­on in Ber­lin. Mit­te des 19. Jahr­hun­derts ent­stand nach 25 Jah­ren Bau­zeit die 10 000 Ki­lo­me­ter lan­ge Bahn­li­nie von Mos­kau durch den Ural, vor­bei am Bai­kal­see zum Pa­zi­fik­ha­fen Wla­di­wos­tok. Die Trans­si­bi­ri­sche Ei­sen­bahn, kurz Trans­sib durch­quert fast ganz Eu­ra­si­en von West nach Ost und pas­siert vier Land­schaf­ten – Wol­ga-Ebe­ne, Ural, west­si­bi­ri­sche Step­pe, ost­si­bi­ri­sche Berg­tai­ga – so­wie 16 gro­ße Flüs­se. Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Rei­sen un­ter an­de­rem mit dem Lu­xus­zug „Za­ren­gold“buch­bar, zum 100. Ge­burts­tag 2016 fin­den Ju­bi­lä­ums­rei­sen auf der Ori­gi­nal­rou­te statt. Ei­ne au­ßer­ge­wöhn­li­che Tour in Afri­ka ist die Fahrt mit dem Ro­vos Rail von Pre­to­ria nach Kap­stadt. Ein­mal pro Wo­che führt die Süd­afri­ka­rei­se durch das gold­rei­che High­veld, die geis­ter­haf­te Land­schaft der Gre­at Ka­roo und durch die Ge­birgs­ket­ten und ma­le­ri­schen Wein­län­der des Kaps. Un­ter­wegs ma­chen die 72 Pas­sa­gie­re Sta­ti­on im his­to­ri­schen, vik­to­ria­ni­schen Dorf Mat­jies­font­ein. Ein­mal jähr­lich star­tet die „Pri­de of Af­ri­ca“au­ßer­dem zu ih­rer be­rühm­ten Fahrt durch Süd­afri­ka, Sim­bab­we, Sam­bia und Tan­sa­nia. Die Zü­ge von Ro­vos Rail wer­den auf den ver­schie­de­nen Etap­pen von Dampf-, Die­sel- oder Elek­tro­lo­ko­mo­ti­ven ge­zo­gen. Die Pas­sa­gie­re rei­sen in 36 Sui­ten mit Holz­ver­klei­dung und Ein­rich­tungs­ge­gen­stän­den aus dem ed­war­di­a­ni­schen Zeit­al­ter um 1900. Ka­na­das Vor­zei­ge­zug ist der „Ro­cky Moun­taineer“. Er fährt auf fünf Rou­ten durch den Wes­ten, von Van­cou­ver in die Ro­cky Moun­ta­ins nach Banff, Cal­ga­ry, Whist­ler und Jas­per. Buch­bar sind die Zug­rei­sen in drei Ser­vice­klas­sen Red-, Sil­ver- und Gold-Le­af. Wer et­wa den Gold-Le­af-Ser­vice bucht, dem er­mög­licht im lu­xu­riö­sen Pan­ora­ma­wa­gen das Glas­dach ein frei­er Blick auf die Berg­gip­fel. Das in­di­sche Ei­sen­bahn­netz ist das zweit­größ­te der Welt. Täg­lich ver­keh­ren mehr als 7800 Zü­ge auf ei­ner Stre­cke von rund 63 000 Ki­lo­me­tern. Der No­bel­zug „Pa­lace on Wheels“dien­te im Ori­gi­nal den Herr­schern Ra­jast­hans als Trans­port­mit­tel. Heu­te fährt er ei­ne Wo­che lang von De­lhi aus durch Ra­jast­han über Jaipur, Chit­t­or­gargh, Udaipur, Sa­wai Madhopur, Jaisal­mer, Jodh­pur, Bha­rat­pur und Agra. Je­der der 14 Wa­gen trägt den Na­men ei­nes Fürs­ten­tums in Ra­jast­han. Sie sind neu ge­baut und im je­wei­li­gen tra­di­tio­nel­len Stil ge­stal­tet. Der „Ghan“zählt seit sei­nem Start 1929 zu den gro­ßen Ei­sen­bahn­le­gen­den welt­weit. Seit 2004 kön­nen Be­su­cher den aus­tra­li­schen Kon­ti­nent von Nor­den, von Adelaide über Ali­ce Springs nach Dar­win in den drei Ka­te­go­ri­en Pla­ti­num-, Gold- und dem ab­ge­speck­ten Red Ser­vice be­rei­sen. Das An­ge­bot an ex­klu­si­ven Zug­fahr­ten fast auf je­dem Kon­ti­nent ist grö­ßer denn je. Al­ler­dings ge­sellt sich zum Lu­xus der Lang­sam­keit auch der ei­nes stol­zen Prei­ses. Wer erst ein­mal schnup­pern möch­te, ob sich die im­men­sen Aus­ga­ben über­haupt loh­nen, kann mit güns­ti­ge­ren Al­ter­na­ti­ven wie ei­nem mehr­stün­di­gen Aus­flug mit den Schwei­zer Nost­al­gie­zü­gen wie Gla­cier Ex­press von Zer­matt nach Da­vos und Berni­na Nost­al­gie Ex­press von Pon­tre­si­na ins ita­lie­ni­sche Ti­ra­no be­gin­nen.

Un­ter­wegs mit dem „Za­ren­gold“

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