Da wa­ren es nur noch fünf

Fifa: Auch Pla­ti­ni ist aus dem Ren­nen

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - Pe­ter Tre­bing

Sepp Blat­ter ist sus­pen­diert, sein po­ten­zi­el­ler Er­be Mi­chel Pla­ti­ni kom­plett frus­triert – und da­mit die Fra­ge wie­der of­fen, wer denn nun neu­er Fifa-Prä­si­dent wird. Der Eid­ge­nos­se Blat­ter wä­re es ja ei­gent­lich ger­ne ge­blie­ben, doch der öf­fent­li­che Druck war so groß, dass selbst der Son­nen­kö­nig vom Zü­rich­berg ein­se­hen muss­te, dass er als mäch­tigs­ter Mann des in­ter­na­tio­na­len Fuß­balls un­trag­bar ge­wor­den war. Die in­zwi­schen acht­jäh­ri­ge Su­s­pen­die­rung für den Schwei­zer dürf­te des­sen Kar­rie­re als Fuß­ball-Funk­tio­när wohl end­gül­tig be­en­det ha­ben – selbst wenn der In­ter­na­tio­na­le Sport­ge­richts­hof CAS die Ver­ban­nung Blat­ters noch auf­he­ben soll­te. Schließ­lich hat er auch noch die Schwei­zer Jus­tiz und die gna­den­lo­sen US-Er­mitt­ler im Na­cken. Auch der Fran­zo­se Mi­chel Pla­ti­ni hat in­zwi­schen ver­in­ner­licht, dass es kei­ne gu­te Idee ist, un­be­dingt bei ei­ner Wahl an­tre­ten zu wol­len, für die er mo­men­tan ja nicht ein­mal zu­ge­las­sen ist. Auch der Ue­fa-Prä­si­dent au­ßer Di­enst ist we­gen ei­nes du­bio­sen und bis­lang un­ge­klär­ten Be­ra­ter­ho­no­rars von 1,8 Mil­lio­nen Euro, das Blat­ter ihm über­wie­sen hat, ak­tu­ell für acht Jah­re sus­pen­diert. Da­ge­gen will er sich zwar ju­ris­tisch weh­ren (sie­he auch: Wi­der­stand von Pla­ti­ni“), doch auf sei­ne Kan­di­da­tur als Fifa-Prä­si­dent hat er am Frei­tag of­fi­zi­ell ver­zich­tet. Pla­ti­ni war aber schon vor der omi­nö­sen Ho­nor­ar­zah­lung um­strit­ten, bei­spiels­wei­se we­gen der WM-Ver­ga­be 2022 an Ka­tar, an der er maß­geb­lich be­tei­ligt ge­we­sen sein soll. Trotz­dem galt der Fran­zo­se bis zu­letzt als gro­ßer Fa­vo­rit auf den Pos­ten als Fifa-Prä­si­dent, weil der ge­nia­le Strip­pen­zie­her sich theo­re­tisch schon die gro­ße Mehr­heit der Stim­men ge­si­chert hat­te. Doch dann stol­per­te er auf der Ziel­ge­ra­den über 1,8 Mil­lio­nen Euro und Sepp Blat­ter. Der war einst der Men­tor des Ex-Welt­klas­se­fuß­bal­lers, in­zwi­schen aber ist er des­sen er­bit­ter­ter Geg­ner – viel­leicht so­gar des­sen Feind. Be­haup­tet zu­min­dest Pla­ti­ni. „Er woll­te mich er­le­di­gen. Er hat oft ge­sagt, dass ich sein letz­ter Skalp wä­re“, sagt der 60-Jäh­ri­ge. Man darf ge­spannt sein, wie die „Abrech­nung“der bei­den einst so mäch­ti­gen Funk­tio­nä­re Blat­ter und Pla­ti­ni dem­nächst wei­ter­geht. Klar ist aber schon jetzt: Es wird ein neu­es Ge­sicht an der Spit­ze der Fifa ge­ben. Am 26. Fe­bru­ar ha­ben die De­le­gier­ten der Fifa-Mit­glieds­ver­bän­de in Zü­rich die Wahl zwi­schen fünf Kan­di­da­ten (sie­he auch: „Wahl des neu­en Fifa-Prä­si­den­ten – die fünf Kan­di­da­ten“), die zu­min­dest ei­ne Ge­mein­sam­keit ha­ben: Kei­ner von ih­nen hat sich bis­her als Mes­si­as des Welt­fuß­balls pro­fi­lie­ren kön­nen. Ein Wahl­pro­gramm hat le­dig­lich Jé­rô­me Cham­pa­gne zu bie­ten, trotz­dem ist er chan­cen­los. Weil er nicht so gut ver­netzt ist, wie bei­spiels­wei­se der Fa­vo­rit Scheich Sal­man bin Ibra­him Al Cha­li­fa aus Bah­rain. Der hat näm­lich mit dem mäch­ti­gen „Kö­nigs­ma­cher“Scheich Ah­mad al Sa­bah aus Ku­wait den ent­schei­den­den Trumpf in der Hin­ter­hand. Denn nach wie vor funk­tio­nie­ren bei der Fifa die al­ten Seil­schaf­ten. Da wird mit Stim­men re­gel­recht jon­gliert, denn de­ren Ver­füg­bar­keit ba­siert oft auf den Ab­hän­gig­kei­ten der wahl­be­rech­tig­ten Funk­tio­nä­ren, von de­nen sehr vie­le wis­sen, dass ihr Vo­tum am 26. Fe­bru­ar sich durch­aus aus­zah­len kann. Das ist nicht erst seit den in­ten­si­ven Er­mitt­lun­gen der US-Jus­tiz be­kannt. Als ech­ter Re­for­mer, als mu­ti­ger Er­neue­rer taugt wohl kei­ner aus dem farb­lo­sen Quin­tett, das nach dem höchs­ten Fuß­ball-Amt strebt. Und so muss man wohl be­fürch­ten, dass die Fifa sich in ele­men­ta­ren Din­gen nicht ver­än­dern wird. Oder, wie Mehr­heits­be­schaf­fer al Sa­bah es in ei­nem ZDF-in­ter­view deut­lich for­mu­lier­te: „Wir kön­nen kei­nen Ein­fluss von au­ßen ge­brau­chen.“Das war schon un­ter der Re­gent­schaft von Sepp Blat­ter so. Das hät­te sich un­ter ei­nem Fifa-Prä­si­den­ten Mi­chel Pla­ti­ni wohl kaum ge­än­dert. Und auch die ver­blie­be­nen fünf Kan­di­da­ten ma­chen nicht den Ein­druck, als könn­ten oder woll­ten sie Auf­bruch­stim­mung im Verband er­zeu­gen. Im Ge­gen­teil. Ganz egal, wie die Wahl am En­de aus­geht: Viel än­dern wird sich bei der Fifa nicht. Weil der Wil­le da­zu nicht groß ge­nug ist. Die zu­letzt ge­zeig­te Ent­schlos­sen­heit der Fifa-Ethik­kom­mis­si­on ist zu we­nig, um den Verband in ei­ne bes­se­re und vor al­lem „sau­be­re“Zu­kunft zu füh­ren.

Der um­strit­te­ne Fa­vo­rit: Scheich Sal­man bin Ibra­him Al Cha­li­fa aus Bah­rain kann sich auf „Kö­nigs­ma­cher“Ah­mad al Sa­bah ver­las­sen, der als ef­fi­zi­en­tes­ter Strip­pen­zie­her im in­ter­na­tio­na­len Sport gilt. Fo­tos: avs

Au­ßen­sei­ter aus Süd­afri­ka: To­kyo Sex­wa­le ist ei­ner von fünf Kan­di­da­ten für das Fifa-Prä­si­den­ten­amt.

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