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Der Sonntag (Mittelbaden) - - TIPPS & THEMEN - Avs

Ir­gend­wann mel­det sich Theo Schadt in ei­nem Sui­zid­fo­rum an. Er ha­be ei­nen Ver­rat er­le­ben müs­sen, aus­ge­rech­net von dem Men­schen, der ihn nie hät­te ver­ra­ten dür­fen: Sein engs­ter Freund. „Dass das mög­lich war, heißt, das ist men­schen­mög­lich! Wenn das men­schen­mög­lich ist, dann will ich, kann ich kein Mensch mehr sein.“Der Prot­ago­nist in Mar­tin Walsers neu­em Ro­man will ge­nau das sein, was der Ti­tel des Bu­ches schon ver­rät: „Ein ster­ben­der Mann“. Der 88-jäh­ri­ge Wal­ser schreibt über das Alt­sein, über den Wunsch zu ster­ben, über Tod und Ver­rat. Sei­ne Haupt­fi­gur: 72 Jah­re alt, be­ruf­lich rui­niert. Doch aus­ge­rech­net im Sui­zid­fo­rum stößt er auf Wi­der- stand: Ei­ne Teil­neh­me­rin schreibt ihm. „Und an den Ant­wor­ten die­ser sui­zi­da­len Frau kann er er­mes­sen, dass er ei­ne Art Leicht­ge­wicht ist, ver­g­li­chen mit ihr. Ihr Schick­sal ist ir­re­ver­si­bel“, sagt Wal­ser. „Sie nimmt ihn gar nicht be­son­ders ernst. Er hat ei­ne Ka­ta­stro­phe – Ver­rat – er­lebt. Aber mit die­sem Schick­sals­ver­gleich hat er dann zu tun.“Im „rich­ti­gen Le­ben“spricht sich Wal­ser üb­ri­gens für Ster­be­hil­fe aus. „Es ist un­wür­dig, das Ster­ben der Na­tur­ge­mein­heit zu über­las­sen, wenn Me­di­zin und Tech­nik es doch men­schen­mög­lich ma­chen könn­ten.“

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