Ro­cki­ges macht Mo­de

Wie man die „Re­bel­li­on“rich­tig trägt

Der Sonntag (Mittelbaden) - - MODE & STIL - Mag

Wer auf Rock ’n’ Roll und Rock­mu­sik steht, galt einst als Re­bell. Denn das wa­ren nicht nur ein­fach Mu­sik­vor­lie­ben, der Stil kam auch in der Klei­dung zum Aus­druck. Sich von Zwän­gen zu lö­sen, Gren­zen zu über­schrei­ten – die­se Wün­sche sieht Gerd Mül­ler-Thom­kins vom Deut­schen Mo­de-In­sti­tut hin­ter der Klei­dung mit Ro­ckF­lair, die sich auch in den Früh­lings­kol­lek­tio­nen be­haup­tet. „Op­po­si­ti­on, Re­vol­te fin­det so ja gar nicht statt – zu­min­dest kei­ne ernst ge­mein­te“, sagt er. Stil­be­ra­te­rin An­na Bin­ge­mer-Lehr un­ter­schei­det den Rock-Look der Rol­ling Sto­nes und den Glam-Fak­tor in­spi­riert von Da­vid Bo­wie von der Mo­de, die sich am ur­sprüng­li­chen Rock ’n’ Roll ori­en­tiert. Das sind et­wa Klei­der, die weib­li­che Kur­ven un­ter­strei­chen, so­wie wei­te Rö­cke und Pet­ti­coats. Aber auch hier steht das Ge­gen-den-Strom-Schwim­men im Vor­der­grund. Als Far­be der Ab­gren­zung spielt beim Rock-Chic Schwarz die ent­schei­den­de Rol­le, er­klärt De­si­gner Ro­bert Her­zog von der Staat­li­chen Mo­de­schu­le Stutt­gart. Vor al­lem aber schwar­zes Le­der und dar­un­ter die schwar­ze Le­der­ja­cke – qua­si ein Must-ha­ve des Rock-Chics. Heu­te hat sie na­tür­lich ei­nen leich­ten Wan­del hin­ter sich, die Stof­fe sind et­wa dün­ner. Dünn – das ist nicht nur in die­sem Zu­sam­men­hang von Be­deu­tung. Denn beim Le­bens­stil à la Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll kommt auch ei­ne ge­wis­se Ma­ger­keit zum Tra­gen, sagt Mül­ler-Thom­kins. So wer­de mit Hil­fe von Ma­te­ria­li­en Schlank­heit be­tont. Kunst­fa­sern mit Stretch sor­gen zum Bei­spiel für ei­ne en­ge Pass­form. Und so sind Legg­ins

Se­xy und doch ein biss­chen ab­wei­send

ne­ben der Le­der­ja­cke ein wei­te­res wich­ti­ges Klei­dungs­stück des Looks. „Ho­sen: eng, eng, eng!“, be­schreibt Her­zog die Sil­hou­et­ten. Bei­des zu kom­bi­nie­ren – pas­sen­des Ma­te­ri­al und Pass­form für den Rock-Chic –, das er­gibt dann die Le­der­legg­ins. Sie sei nicht tot­zu­krie­gen, sagt Her­zog. Er be­ob­ach­tet au­ßer­dem die Rück­kehr der Mi­kro-Mi­nis aus Le­der mit ei­nem Reiß­ver­schluss vor­ne in der Mit­te. Doch nicht nur Mi­ni und en­ge Le­der­ho­se sor­gen für den Sex-Ap­peal des Looks: Auch Ele­men­te mit Spit­ze und trans­pa­ren­te Stof­fe kom­men zum Ein­satz. Da­rin sieht Her­zog ei­ne star­ke Dop­pel­deu­tig­keit. Die Tei­le sol­len se­xy und trotz­dem ab­wei­send wir­ken. „Auf kei­nen Fall sind es Din­ge, die der bür­ger­li­chen Kon­ven­tio­na­li­tät ent­spre­chen.“Ein biss­chen Glanz ist auch nicht ver­kehrt. Das kommt für Mül­ler-Thom­kins ein­mal vom Le­der, zum an­de­ren aber auch von Ma­te­ria­li­en wie Chintz, ein zum Glän­zen ge­brach­tes Baum­woll­ge­we­be. Gleich­zei­tig glän­zen Reiß­ver­schlüs­se, Nie­ten und die Ac­ces­soires, vor al­lem in Sil­ber und Edel­stahl. „Das ist Bling-Bling auf ei­ne roughe-toughe Art.“Für Bin­ge­mer-Lehr, die sich ger­ne eher am ur­sprüng­li­chen Rock ’n’ Roll ori­en­tiert, kommt der Glam-Fak­tor durch ge­clips­te Ohr­rin­ge mit Strass­stei­nen und klas­si­sche Drei­er-Ket­ten in Ab­stu­fen, et­wa in hel­lem, mitt­le­rem und dunk­lem Grau, zu­stan­de. Für sie lässt sich der Look im 50er-Jah­re-Style auch mit dem pas­sen­den Ma­ke-up un­ter­stüt­zen, et­wa ei­nem star­ken Lid­strich und ro­ten Lip­pen.

Trans­pa­renz und Le­der: Col­li­na Stra­da

Mo­del­le/Fo­to: Sis­ley

John Richmond.

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