Da­vid Bo­wie: Wer hört was von ihm am liebs­ten?

Elf Mu­si­ke­rin­nen und Mu­si­ker aus der Re­gi­on ver­nei­gen sich vor ei­nem gro­ßen Kol­le­gen

Der Sonntag (Mittelbaden) - - ERSTE SITE - Zu­sam­men­ge­stellt von Wolf­gang We­ber

Fast al­le Pop­kri­ti­ker wa­ren sich ei­nig: Das Al­bum „Black­star“kann Da­vid Bo­wie in ei­ne neue Um­lauf­bahn sei­ner atem­be­rau­ben­den Kar­rie­re füh­ren – zu ei­nem Al­ters­werk, in dem noch ein­mal mit krea­ti­ven Hö­hen­flü­gen zu rech­nen sei. Doch in­zwi­schen ist es, was noch vor ei­ner Wo­che nie­mand ahn­te, das mu­si­ka­li­sche Ver­mächt­nis des mit 69 Jah­ren an Krebs ge­stor­be­nen Sän­gers und Song­schrei­bers ge­wor­den. Der Ti­tel des Al­bums, das in­zwi­schen auf Platz 1 der deut­schen Charts steht, be­kommt nun ei­ne fast schon un­heim­li­che zu­sätz­li­che Be­deu­tung – zu­mal ei­ni­ge der sie­ben zwi­schen wuch­ti­gem Rock und mo­der­nem Jazz os­zil­lie­ren­den Songs zu den düs­ters­ten, me­lan­cho­lischs­ten in Bo­wies Kar­rie­re ge­hö­ren. Der SONN­TAG frag­te Mu­si­ke­rin­nen und Mu­si­ker aus der Re­gi­on: Was ist Ihr Lieb­lings­lied von Da­vid Bo­wie.

Gun­zi Heil: Dan­cing In The Street

Mein Lieb­lin­glied von Da­vid Bo­wie ist „Dan­cing In The Street“, das Du­ett mit Mick Jag­ger. So­wohl der Song als auch das Vi­deo, das da­mals im­mer auf MTV lief, sind re­la­tiv ein­fach ge­hal­ten. Die bei­den hüp­fen da her­um, man sieht, was für kör­per­li­che Per­for­mer die bei­den sind. Ich kauf­te mir das Lied da­mals als Ma­xi-Sing­le. Die ha­be ich im­mer noch.

Gun­zi Heil aus Karls­ru­he ist Mu­si­ker, Ka­ba­ret­tist und Li­te­rat.

Mo­ritz: This Is Not Ame­ri­ca

Bo­wies Mu­sik war ei­gent­lich nie mei­ne Mu­sik, da ich eher aus der Blä­ser-Ecke kom­me und auch selbst Blas­in­stru­men­te spie­le. Spon­tan fällt mir aber „This Is Not Ame­ri­ca“ein. Das Lied nahm Bo­wie 1985 ge­mein­sam mit dem Jazz­gi­tar­ris­ten Pat Me­the­ny und des­sen Band auf. Es ist et­was ganz Be­son­de­res, kei­ne 08/15-Rock­num­mer. Ob­wohl: Bo­wie hat na­tür­lich sehr vie­le ganz be­son­de­re Lie­der ge­schrie­ben.

Nor­bert Mo­ritz aus Dur­mers­heim ist Chef der Big Band „Mo­ritz And The Hor­ny Horns“, mit der er seit 35 Jah­ren Funk und Soul spielt. Am 18. März gas­tiert er im Ju­bez in Karls­ru­he.

Jo­han­nes Frisch: Al­ad­din Sa­ne

Es ist schwer, ei­nen Lieb­lings­song von ei­nem Künst­ler zu be­nen­nen, der sich durch die Jahr­zehn­te so ver­wan­del­te und im­mer wie­der nach neu­en Ufern such­te. Für mich war es „Al­ad­din Sa­ne“vom 1974 er­schie­ne­nen Al­bum „Da­vid Li­ve“, das ich da­mals rauf und run­ter hör­te. Es war auf der Dia­mond DogsTour auf­ge­nom­men, be­inhal­te­te aber auch noch vie­le Zig­gy-Songs. Je­der Ti­tel wirk­te wie ein klei­nes Thea­ter­stück und in vie­len Songs gab es sehr jaz­zi­ge An­klän­ge. Be­son­ders toll fin­de ich heu­te noch die la­tin-jaz­zi- ge Ver­si­on von „Al­ad­din Sa­ne“, nicht zu­letzt we­gen sei­nes aus­gie­bi­gen, äu­ßerst frei­en Kla­vier­so­los.

Jo­han­nes Frisch ist Kon­tra­bas­sist der Karls­ru­her Band „Kam­mer­flim­mer Kol­lek­tief“, zu er­le­ben wie­der 12. März bei den Stumm­film­ta­gen in Karls­ru­he, da be­glei­tet die Band Wal­ter Rutt­manns „Ber­lin, Sin­fo­nie ei­ner Groß­stadt“.

Uli Kof­ler: Space Od­di­ty

Mein Lieb­lings­lied von Da­vid Bo­wie ist ganz klar „Space Od­di­ty“(Ground Con­trol To Ma­jor Tom). Das Lied er­zählt nicht nur ei­ne pa­cken­de Ge­schich­te – da tun sich Wel­ten auf! Es ist auch har­mo­nisch gran­di­os! Das Quar­ten­mo­tiv schließt di­rekt an den Sound­track von Raum­schiff En­ter­pri­se an. Die Stim­mung im Lied – das ist ge­ni­al. Jahr­hun­der­te­lang do­mi­nier­te der Drei­klang un­se­re Mu­sik. Quar­ten­ak­kor­de sym­bo­li­sie­ren im Sinn des Wor­tes den Auf­bruch der Tra­di­ti­on, den Blick zu Neu­em.

Uli Kof­ler ist viel­be­schäf­ti­ger Chor­lei­ter und Pia­nist, li­ve zu er­le­ben ist er un­ter an­de­rem am 26. und 28. März als Mit­glied von Frl. Knöpf­le und ih­rer Her­ren­ka­pel­le im Kam­mer­thea­ter Karls­ru­he.

„Frau Ant­je“: Sta­ti­on To Sta­ti­on

Da­vid Bo­wie hat mich über all die Jah­re in mei­nem Le­ben, mei­nen Pha­sen und mei­nen Stim­mun­gen be­glei­tet. Als ich Gi­tar­re lern­te, moch­te ich sehr ger­ne „Starman“, „Kooks“und „Quicksand“. Ich ha­be ihn auch li­ve bei der „Se­rious Moon­light Tour“ge­se­hen, da­mals moch­te ich na­tür­lich die Plat­te „Let’s Dan­ce“sehr. Und da wahr­schein­lich vie­le „He­roes“nen­nen (das na­tür­lich auch mei­ne Ju­gend sehr ge­prägt hat), ent­schei­de ich mich für „Sta­ti­on to Sta­ti­on“aus dem Li­ve Al­bum „Sta­ge“. Die­ses Lied war qua­si der Raus­schmei­ßer in der Dis­ko­thek mei­ner Te­e­nie­jah­re und noch­mal die letz­te Ge­le­gen­heit, or­dent­lichst ab­zu­tan­zen.

Die Mu­si­ke­rin, Ko­mi­ke­rin und Schau­spie­le­rin Ant­je Schu­ma­cher ist auch als „Frau Ant­je“be­kannt. Ihr neu­es Pro­gramm „Wahn oh­ne Sinn – jetzt noch durch­ge­knall­ter!“stellt sie am 23. Ja­nu­ar im Karls­ru­her Toll­haus vor.

An­net­te Pos­tel: Let’s dan­ce

Da­vid Bo­wie war für mich zu­sam­men mit Fred­die Mer­cu­ry der ers­te mir be­wuss­te Su­per­star, als ich be­gann, Pop zu hö­ren. „Chi­na Girl“, „This is not Ame­ri­ca“, „Ma­jor Tom“(Space Od­di­ty)… al­les wun­der­ba­re Mu­sik, die mich be­glei­te­te. Die phi­lo­so­phi­schen Tex­te ver­stand ich da­mals ja noch nicht. Mein Lieb­lings­lied von Da­vid Bo­wie war und ist „Let’s dan­ce“. Letz­te Wo­che hat­te ich „Let’s dan­ce“wie­der im Ohr, weil ich für den Opern­ball gera­de ein Stück her­aus­su­che. „Let’s dan­ce“. So kraft­voll! Jetzt ist wie­der ein ganz ganz Gro­ßer ge­stor­ben! Ein Wan­del­ba­rer, ein Sich-im­mer-wie­der-neu-Er­fin­der, ein Ul­tra-Krea­ti­ver, ein schüch­ter­ner Mensch, wie er selbst über sich sag­te. Wie schön, dass sei­ne Mu­sik uns bleibt. Ich hof­fe, er hat ro­te Schu­he da­bei …

An­net­te Pos­tel, Chan­teu­se, Mu­sik­ka­ba­ret­tis­tin und wohl ein­zi­ge deutsch­spra­chi­ge Opern­par­odis­tin, schaut der­zeit zu­rück auf 20 Jah­re pral­les Büh­nen­le­ben: Zu er­le­ben ist sie am 30. Ja­nu­ar in Eden­ko­ben.

Tom­my Bal­du: Space Od­di­ty

Mein Lieb­lings­song von Bo­wie ist „Space Od­di­ty“. Mit die­sem Song schickt er mich ins ALL! Ha­be in den letz­ten Ta­gen ein tol­les Zitat ge­le­sen: Wo Bo­wie war, war vorn! Hat mir sehr ge­fal­len und so war er für mich!

Tom­my Bal­du aus Jock­grim ist ei­ner der ge­frag­tes­ten Mu­si­ker der Re­gi­on. Kult ist sein „Ver­eins­heim Bal­du“im Karls­ru­her Tem­pel, das re­gel­mä­ßig aus­ver­kauft ist.

Jus­tin Brown: Zwei Songs

Als Schü­ler fand ich „Space Od­di­ty“und „Li­fe on Mars“wirk­lich sehr fas­zi­nie­rend, vor al­lem we­gen der en­gen Be­zie­hung zwi­schen der Aben­teu­er­lich­keit der The­ma­tik und der Har­mo­nik.

Jus­tin Brown ist Ge­ne­ral­mu­sik­di­rek­tor des Ba­di­schen Staats­thea­ters in Karls­ru­he.

Ste­fan Buch­holz: He­roes

Mein Lieb­lings­lied von Bo­wie ist „He­roes“. Der Song ist ja sehr mit Deutsch­land be­zie­hungs­wei­se Ber­lin ver­knüpft und han­delt von ei­nem Lie­bes­paar, das sich an der Mau­er küsst, wäh­rend ge­schos­sen wird. Die­ser 1977 ver­öf­fent­lich­te Hit ver­ur­sacht bei mir heu­te noch Gän­se­haut und ne­ben­bei macht es tie­risch Lau­ne, ihn selbst zu spie­len!

Ste­fan Buch­holz ist Schlag­zeu­ger und Ma­na­ger der Se­an Tre­acy Band und tritt seit vie­len Jah­ren re­gel­mä­ßig in der Re­gi­on auf.

Liv: Space Od­di­ty

Am meis­ten be­geis­tert mich das Lied „Space Od­di­ty“. Die Stim­mung in die­sem Lied ist ein­fach wahn­sin­nig ein­drück­lich. Vor al­lem durch die schö­ne Har­mo­ni­en, die ei­ne tol­le Me­lo­die ein­bet­ten. Mit mei­nem da­ma­li­gen New Yor­ker Pro­jekt in mei­ner New-York-Zeit ha­be ich als Gei­ge­rin die­ses Lied oft ge­spielt und es war im­mer mein Lieb­lings­lied des Abends. Das Lied wirkt ein­fach so er­ha­ben auf mich.

Die Karls­ru­her Sän­ge­rin und Mu­si­ke­rin Liv be­wegt sich zwi­schen skan­di­na­vi­scher Folk­lo­ris­tik, ge­heim­nis­vol­lem Groß­stadt­jazz und me­lo­di­schem In­die­pop. Am 22. Ja­nu­ar spielt sie als Spe­cial Gu­est von Cé­ci­le Ver­ny im Toll­haus.

Con­stan­ze Jung: Mo­dern Lo­ve

Als ich an der Son­glis­te für mei­ne ers­te CD saß, mei­ne Lieb­lings­lie­der aus den 80ern, war mir so­fort klar: Es muss­te ein Song von Da­vid Bo­wie auf die­se CD. Schon al­lei­ne, weil wir am sel­ben Tag Ge­burts­tag fei­er­ten. Es war „Mo­dern Lo­ve“. Auf ihn auf­merk­sam wur­de ich als Te­enager ko­mi­scher­wei­se nicht di­rekt durch sei­ne Mu­sik, son­dern als ich „Wir Kin­der vom Bahn­hof Zoo“las. Da­nach war ich sen­si­bi­li­siert und ha­be mir fast al­le sei­ne Plat­ten ge­kauft. Er ist bis heu­te für mich ei­ner der größ­ten Künst­ler durch und durch.

Die Karls­ru­her Sän­ge­rin Con­stan­ze Jung ist En­sem­ble­mit­glied des Ebert­bads in Ober­hau­sen und zog 2015 ins Ruhr­ge­biet um. „Mein Herz schlägt aber im­mer für die ba­di­sche Hei­mat, die ich so­wohl mu­si­ka­lisch als auch pri­vat re­gel­mä­ßig heim­su­che.“

Fo­to: Wolf­gang We­ber

Die Se­rious Moon­light Tour 1983 war Da­vid Bo­wies längs­te und er­folg­reichs­te Tour­nee. Im wei­ßen An­zug sang er un­ter an­de­rem künf­ti­ge Klas­si­ker sei­nes neu­en Al­bums „Let’s Dan­ce“.

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