Schnee und Eis: Was ma­chen die Tie­re im Win­ter?

Die ei­nen flie­gen in den Sü­den, die an­de­ren le­gen sich ein­fach hin und schla­fen

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Nat­ha­lie Klüver

Brrr. So ein Win­ter­spa­zier­gang ist ja sehr schön – aber man freut sich schon, wenn man aus der Käl­te wie­der ins war­me Haus kommt, den Schnee­an­zug, Schal, die Hand­schu­he und die Mütze aus­zie­hen kann und sich bei ei­nem war­men Ka­kao auf­wärmt. Aber wie ma­chen das ei­gent­lich die Tie­re, die nicht ein­fach in ei­nen war­men Stall ge­hen kön­nen? Die Vö­gel ha­ben’s gut: Vie­le von ih­nen wie die Stör­che flie­gen im Win­ter ein­fach ins War­me Rich­tung Sü­den und kom­men im Früh­ling zu­rück. Doch was ma­chen die an­de­ren Tie­re? Man­che Tie­re zie­hen sich im Win­ter zu­rück und hal­ten Win­ter­schlaf, so wie Igel, Mur­mel­tie­re oder Fle­der­mäu­se. Sie ver­krie­chen sich an ei­nem ge­schütz­ten Platz – Igel mö­gen ger­ne die gro­ßen Laub­hau­fen, die im Herbst auf­ge­schich­tet wer­den. Hier schla­fen sie, fast den gan­zen Win­ter durch. Ih­re Kör­per­tem­pe­ra­tur sen­ken sie stark und auch der Herz­schlag ver­lang­samt sich. Da­durch brau­chen sie we­ni­ger Ener­gie – und kom­men so oh­ne Nah­rung aus. Igel zum Bei­spiel at­men im Win­ter­schlaf nur noch ein bis zwei­mal in der Mi­nu­te, statt wie sonst 50-mal! Die Ener­gie, die sie be­nö­ti­gen, ho­len sie aus den Fett­re­ser­ven. Kein Wun­der, dass sie im Früh­ling erst ein­mal Hun­ger ha­ben! An­de­re Tie­re hal­ten kei­nen Win­ter­schlaf, son­dern zie­hen sich zur „Win­ter­ru­he“zu­rück. So wie das Eich­hörn­chen oder der Dachs, selbst der gro­ße Braun­bär. Sie sen­ken ih­re Kör­per­tem­pe­ra­tur nicht so stark, schla­fen aber auch fast den gan­zen Win­ter über – je nach­dem wie kalt es ist, wa­chen sie ab und an auf und su­chen sich et­was zu fres­sen. Des­halb le­gen Eich­hörn­chen vor dem Win­ter auch übe­r­all rund um ih­ren Ko­bel, ihr Nest, klei­ne Vor­rä­te an. Fische, Frö­sche, Ei­dech­sen und In­sek­ten fal­len in ei­nen sehr tie­fen Win­ter­schlaf, den man Win­ter­star­re nennt, weil sie sich gar nicht mehr be­we­gen. Sie wa­chen erst wie­der auf, wenn ei­ne be­stimm­te Tem­pe­ra­tur er­reicht ist. Kann man die klei­nen Säu­ge­tie­re noch aus dem Win­ter­schlaf auf­we­cken (was man aber nie tun soll­te!), las­sen sich die Rep­ti­li­en, Am­phi­bi­en und In­sek­ten nicht aus der Win­ter­star­re auf­we­cken. Sie sind wech­sel­warm – das heißt, ih­re Kör­per­tem­pe­ra­tur passt sich der Au­ßen­tem­pe­ra­tur an. Frö­sche ver­gra­ben sich im Win­ter im Schlamm, In­sek­ten ver­ste­cken sich ger­ne im Holz. Doch auch wenn die Tie­re ganz starr wer­den, ihr Blut friert nicht ein: Denn sie ha­ben ei­ne Art „Frost­schutz­mit­tel“im Blut – so ähn­lich wie bei der Schei­ben­wasch­an­la­ge im Au­to! Auch Wa­le ha­ben die­ses be­son­de­re Blut, wes­halb ih­nen die Käl­te auch nichts an­ha­ben kann, ob­wohl sie Säu­ge­tie­re sind. Fische las­sen sich im Win­ter üb­ri­gens im Was­ser ganz nach un­ten sin­ken, wo das Was­ser wär­mer ist als an der Ober­flä­che. Ge­fähr­lich wird es aber, wenn es so lan­ge so kalt ist, dass das Was­ser bis auf den Grund zu­friert, wie das bei fla­che­ren Ge­wäs­sern in stren­gen Win­ter schon mal der Fall sein kann. Dann er­frie­ren die Fische. Doch vie­le Tie­re über­win­tern oh­ne Win­ter­schlaf und Win­ter­star­re. Re­he und Wild­schwei­ne, Füch­se und Ha­sen. Und nicht al­le Vö­gel flie­gen weg: Ihr habt si­cher schon die Am­seln, die Mei­sen, die Rot­kehl­chen oder Spat­zen ge­se­hen, die sich ihr Fut­ter an den Mei­sen­knö­deln su­chen. Wie hal­ten sich die­se Tie­re warm? Sie kön­nen sich ja nicht ein­fach ei­nen Schnee­an­zug an­zie­hen! Aber et­was ganz ähn­li­ches ma­chen zum Bei­spiel Ha­sen oder Füch­se: Sie be­kom­men ein Win­ter­fell! Ih­nen wach­sen im Herbst län­ge­re und dich­te­re Haa­re. Nicht nur die Haa­re wär­men, son­dern vor al­lem die Luft zwi­schen den Haa­ren. Das ist al­so wie ein war­mer Ano­rak im Win­ter. Wenn es rich­tig stark stürmt und schneit, dann ha­ben die­se Tie­re noch ei­nen wei­te­ren Trick: Sie le­gen sich ins war­me Schnee­bett. Ja, rich­tig! Sie le­gen sich auf den Bo­den und las­sen sich vom Schnee zu­de­cken. Denn der be­steht aus klei­nen Kristallen, zwi­schen de­nen viel Luft ist – die ge­nau­so wärmt wie das Luft­pols­ter im Fell. Oft sieht man im Win­ter Re­he auch in Grup­pen bei­ein­an­der ste­hen. Sie ste­hen eng zu­sam­men und wär­men sich so ge­gen­sei­tig. Ist ih­nen rich­tig kalt, be­gin­nen ih­re Mus­keln zu zit­tern und er­zeu­gen so Wär­me: Das ist ei­ne Art Stand­hei­zung. Wie­der an­de­re Tie­re ha­ben ganz be­son­de­re Haa­re. Näm­lich hoh­le Haa­re. So wie der Seeot­ter, der da­von auch noch be­son­ders vie­le hat: 100 000 Haa­re auf ei­nem Fleck so groß wie ein Fin­ger­na­gel! Da kommt kein Trop­fen Eis­was­ser durch das Fell auf die Haut. Und durch die hoh­len Haa­re gibt es ei­ne wei­te­re Luft­schicht im Pelz, der vor der Käl­te schützt. Üb­ri­gens: 100000 Haa­re wach­sen bei uns Men­schen auf dem ge­sam­ten Kopf. Auch Eis­bä­ren ha­ben sol­che hoh­len Haa­re in ih­rem Pelz. Und die le­ben bei Tem­pe­ra­tu­ren, die wir uns hier gar nicht vor­stel­len kön­nen. Auch Vö­gel ha­ben im Win­ter ein dich­te­res Ge­fie­der. Zwi­schen den ein­zel­nen Fe­dern ist wie­der – na klar: Luft. Wenn es sehr kalt ist, plus­tern sich die Vö­gel noch zu­sätz­lich auf. Das habt Ihr be­stimmt schon mal ge­se­hen: Die klei­nen Spat­zen se­hen dann aus wie klei­ne run­de Bäl­le. Da­bei stel­len sie die Fe­dern hoch, so dass noch mehr Luft zwi­schen den Fe­dern ist. Und wie ma­chen das En­ten, die über das ge­fro­re­ne Eis lau­fen: Die müs­sen doch furcht­bar frie­ren, so ganz oh­ne Schu­he? Ganz ein­fach: Sie ha­ben kal­te Fü­ße! Aber das mer­ken sie gar nicht. Ih­re Fü­ße sind im­mer käl­ter als der Rest des Kör­pers. Im Win­ter sie­ben bis zehn Grad. So­mit ist der Un­ter­schied zum kal­ten Bo­den ge­rin­ger und wird von ih­nen gar nicht als Käl­te wahr­ge­nom­men. Ihr seht: Wir Men­schen ha­ben ei­gent­lich vie­le Tricks von den Tie­ren über­nom­men. Wie un­se­re war­me Klei­dung. Oder das Frost­schutz­mit­tel fürs Au­to. Und selbst das Weg­flie­gen in wär­me­re Ge­fil­de: Wer das Glück hat, im Win­ter nicht zur Schu­le zu müs­sen, reist ger­ne mal dort­hin, wo man selbst im Ja­nu­ar im T-Shirt her­um­lau­fen kann. Und wir an­de­ren zie­hen uns ein­fach ei­nen Pul­li mehr an.

Fo­tos: Fotolia

En­ten­tanz auf dem Schnee: Frie­ren tun sie nicht – aber sie be­kom­men tat­säch­lich kal­te Fü­ße, in die nur sehr we­nig Blut strömt. Auf dem Weg in die Fü­ße kühlt das Blut näm­lich von et­wa 40 Grad auf sechs Grad ab. Hät­ten En­ten war­me Fü­ße, wür­den sie das Eis, auf dem sie ste­hen, an­tau­en und dann mit dem Schmelz­was­ser fest­frie­ren. Viel Spaß im Schnee ha­ben na­tür­lich auch die Schlit­ten­hun­de. Ein Schlit­ten­hund­ge­spann, das so­ge­nann­te Team, kann aus zwei bis zu über zwölf Hun­den be­ste­hen.

Das Rot­kehl­chen ge­hört hier­zu­lan­de zu den we­ni­gen Vo­gel­ar­ten, de­ren Ge­sang man auch an mil­den Win­ter­ta­gen hö­ren kann. Mit sei­ner ro­ten Brust lässt es sich aber auch op­tisch gut iden­ti­fi­zie­ren.

Wei­ße Schnau­ze: Das di­cke Fell schützt den Bi­son vor der Käl­te.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.