Flot­te Bie­ne mit schi­ckem Pelz

Die Bun­te Hummel ist die Wild­bie­ne 2016 / „Tie­re sind bei uns hei­misch“

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - Patri­cia Flo­ren

Die Wild­bie­ne des Jah­res 2016 hört man mög­li­cher­wei­se schon, be­vor man sie sieht – die Bun­te Hummel ist näm­lich nicht nur auf­fäl­lig bunt, son­dern auch auf­fäl­lig schnell. Be­reits zum vier­ten Mal hat das Ku­ra­to­ri­um „Wild­bie­ne des Jah­res“ei­ne be­son­ders in­ter­es­san­te Wild­bie­nen­art be­stimmt. „In die­sem Jahr ist es die Bun­te Hummel (Bom­bus syl­var­um), die frü­her auch ir­re­füh­ren­der­wei­se als Wald­hum­mel be­kannt war, ob­wohl man sie gera­de im Wald nicht an­tref­fen wird“, er­läu­tert Mar­tin Klatt vom Na­tur­schutz­bund (Na­bu) Ba­denWürt­tem­berg, der Mit­glied des Ku­ra­to­ri­ums ist. Die Tie­re le­ben viel eher in Streu­obst­wie­sen, Wie­sen oder auch in Gär­ten und Parks. „Die Bun­te Hummel ist im Blü­ten­be­such zwar nicht wäh­le­risch, aber sie ist wäh­rend ih­rer ge­sam­ten Flug­zeit auf ein hin­rei­chend ab­wechs­lungs­rei­ches und gro­ßes An­ge­bot an Pol­len und Nekt­ar an­ge­wie­sen, et­was, was in un­se­rer zu­neh­mend blü­ten­ar­men Land­schaft im­mer schwie­ri­ger wird“, be­dau­ert Klatt. Der deut­sche Na­me „Bun­te Hummel“ist gut ge­wählt, denn die­se Hummel ist tat­säch­lich rich­tig bunt: Der „Po“ist oran­ge­rot, der üb­ri­ge Hin­ter­leib ist gelb­lich und schwarz quer­ge­streift, der Pelz eben­falls gelb, schwarz und oran­ge ge­streift und das Ge­sicht gelb­grau be­haart. „Die Hum­meln ge­hö­ren wie die Ho­nig­bie­ne zu den staa­ten­bil­den­den In­sek­ten, aber im Ge­gen­satz zu den Bie­nen über­win­tern sie nicht als Volk“, er­klärt Klatt. Nur die be­gat­te­ten Hum­mel­kö­ni­gin­nen su­chen sich ei­nen Über­win­te­rungs­platz, zum Bei­spiel in Mäu­sel­ö­chern, der Rest des Hum­mel­vol­kes stirbt im Herbst. Nach dem Über­win­tern er­schei­nen die Kö­ni­gin­nen An­fang April und bau­en un­ter­ir­disch (wie­der­um zum Bei­spiel in Mäu­se­bau­ten) oder in der Kraut­schicht ih­re Nes­ter. Die Kö­ni­gin legt dort in der Re­gel acht Eier in ein ab und „be­brü­tet“die­se Eier, in­dem sie ih­re Flug­mus­ku­la­tur in Span­nung ver­setzt, qua­si al­so im Leer­lauf fliegt. Da­mit er­zeugt sie die not­wen­di­ge Wär­me für die Eier. Nach­dem die ers­te Ge­ne­ra­ti­on neu­er Ar­bei­te­rin­nen ge­schlüpft ist, wer­den die­se auch von der Kö­ni­gin mit Pol­len und Nekt­ar Erst da­nach wird die Brut­pfle­ge dann für die nächs­te und die fol­gen­den Ge­ne­ra­tio­nen von den Ar­bei­te­rin­nen über­nom­men und die Kö­ni­gin wid­met sich aus­schließ­lich der Eiab­la­ge. Das Volk kann im Lau­fe des Som­mers bis auf 150 Tie­re an­wach­sen. Ab En­de Ju­li schlüp­fen die Män­nWachs­ge­fäß chen, die sich mit den jun­gen Kö­ni­gin­nen ver­paa­ren. Man kann die Wild­bie­ne des Jah­res 2016 gut un­ter­stüt­zen, in­dem man für ei­ne kon­ti­nu­ier­li­che bun­te Blu­men­welt im ei­ge­nen Gar­ten sorgt. Wie­sen­blu­menmi­schun­gen aus hei­mi­schen Wild­pflan­zen sind ak­ti­ve Hilfs­ver­sorgt. maß­nah­men. Auch die Städ­te in un­se­rer Re­gi­on tun et­was für die hei­mi­sche In­sek­ten­welt. In Karls­ru­he wer­den städ­ti­sche Flä­chen na­tur­nah ge­stal­tet und in Bühl wur­de die Er­hö­hung der bio­lo­gi­schen Viel­falt so­gar als Leit­bild im Ge­mein­de­rat be­schlos­sen. „Die Tie­re sind bei uns hei­misch und ha­ben ei­ne im­men­se Be­deu­tung für un­se­re Na­tur. Des­halb ist es be­son­ders schön, wenn wir durch un­se­re An­stren­gun­gen zu ei­ner grö­ße­ren Bi­o­di­ver­si­tät den Tie­ren wich­ti­ge Flä­chen auch in der Stadt zu­rück­ge­ben kön­nen“, er­klärt da­zu der Büh­ler OB Hu­bert Schnurr. Ein Herz für Hum­meln und an­de­re In­sek­ten zeig­te auch die Daim­ler-AG Gag­ge­nau in ei­nem spe­zi­el­len Na­tur-Pro­jekt. Mit Hil­fe ei­nes Fach­be­trie­bes wur­de am Stand­ort in Ras­tatt ei­ne Brach­flä­che von 1500 Qua­drat­me­tern ge­zielt in ei­nen bun­ten Na­tur­gar­ten um­ge­wan­delt und be­glei­tend die

„Im Blü­ten­be­such ist sie nicht wäh­le­risch“ Die Stadt Bühl hat ein Herz für Hum­meln

Wild­bie­nen und Kä­fer auf den neu­en Flä­chen un­ter­sucht. „Im vier­ten Jahr flo­gen dort 64 Wild­bie­nen­ar­ten, un­ter an­de­ren auch die Bun­te Hummel, hier ger­ne an Min­ze, Nat­tern­kopf und Espar­set­te und es zeig­te sich ins­ge­samt ei­ne ganz deut­li­che Zu­nah­me der In­sek­ten­welt“, er­klärt Mar­tin Klatt. Die­se er­freu­li­che Viel­falt wird sich in den kom­men­den Jah­ren si­cher wei­ter stei­gern, „man konn­te dort den Ein­druck ge­win­nen, die In­sek­ten hät­ten nur dar­auf ge­war­tet, dass man ih­nen ir­gend­wo ein ent­spre­chen­des Blü­ten­an­ge­bot zur Ver­fü­gung stel­len wür­de“, freut sich Klatt.

Das Männ­chen der Bun­ten Hummel, hier zu se­hen an ei­ner Wie­sen­flo­cken­blu­me. Die Bun­te Hummel, die so­eben zur „Wild­bie­ne des Jah­res 2016“ge­kürt wur­de, lebt vor al­lem in Streu­obst­wie­sen oder auch in Gär­ten und Parks. Fo­to: Rai­ner Pro­si

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