Der Glet­scher der Ski-Stars

Kärn­tens höchs­tes Ski­ge­biet

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Reise & Urlaub - Ste­phan Brün­jes

Möll­tal? Nie ge­hört. Da­bei ist Kärn­tens höchs­tes Ski­ge­biet von Sep­tem­ber bis Mai ge­öff­net, er­freu­lich preis­wert und schon lan­ge ein Ma­gnet für in­ter­na­tio­na­le Skistars – von Klam­mer bis Ko­ste­lic. Die Tal­sta­ti­on des Glet­scher-Ski­ge­biets taucht ur­plötz­lich zwi­schen den Bäu­men auf, ein in den Berg ge­haue­ner Be­ton­klotz in Flug­zeug-Han­gar-Grö­ße . Da­vor ein klei­ner Park­platz. Der war vie­le Win­ter­ta­ge lang zwei­te Hei­mat von Ja­ni­ca Ko­ste­lic, der viel­fa­chen Olym­pia­sie­ge­rin, mehr­fa­chen Ge­samt­welt­cup­sie­ge­rin und Welt­meis­te­rin. Hier haus­te sie An­fang der neun­zi­ger Jah­re mit ih­rem Bru­der Ivica und Va­ter An­te in ei­nem un­ge­heiz­ten Wohn­wa­gen auf engs­tem Raum. Der ehr­gei­zi­ge Trai­ner-Pa­pa, ehe­ma­li­ger Welt­klas­se-Hand­bal­ler, hat­te sich ge­schwo­ren, sei­ne Kin­der un­er­bitt­lich zu Welt­meis­tern zu trim­men. Mit St­ei­nen im Ruck­sack hat er sie hier an­geb­lich den Berg hoch­keu­chen las­sen, wäh­rend er mit den Ski im Au­to ne­ben­her fuhr. We­der das ei­ne noch das an­de­re müs­sen heu­ti­ge Be­su­cher des Möll­ta­ler Glet­schers. Sie kom­men näm­lich nur im Glet­scher-Ex­press nach oben. Oben wird man mit 360-Grad-Panorama über die Ho­hen Tau­ern und den Groß­glock­ner be­lohnt, mit Gäm­sen, die zwi­schen Fels­spal­tern her­vor­lu­gen und mit et­li­chen Pis­ten­ki­lo­me­tern, von blau bis schwarz. Hier oben sind so­gar schon Ös­ter­reichs Ski-Held Franz Klam­mer und „Gold“-Ro­si Mit­ter­mei­er ent­lang ge­fegt. „Mit­ten im Au­gust“, er­zählt Sieg­fried Hu­ber und grinst da­bei ver­schmitzt. 1971 war Hu­ber gera­de 25 Jah­re alt, frisch ge­wähl­ter Bür­ger­meis­ter von Flat­tach und hat­te die Vi­si­on, auf dem Glet­scher ein Ski­ge­biet zu er­schaf­fen. Um die­se Idee be­kannt­zu­ma­chen, woll­te er vor al­lem Auf­se­hen er­re­gen – mit dem hoch­som­mer­li­chen Ren­nen im Hoch­ge­bir­ge. Der ver­spro­che­ne Preis: ein Berg­kris­tall und um­ge­rech­net 150 Euro. Mit­ter­mei­er, Mo­ser-Pröll, Klam­mer & Co muss­ten mit den Ski auf den Schul­tern von der Duis­bur­ger Hüt­te 45 Mi­nu­ten lang den Glet­scher hoch­kra­xeln – Lif­te gab es nicht. Al­les, was fürs Ren­nen nö­tig war, hat­ten 60 Hel­fer in den Ta­gen zu­vor eben­falls weit­ge­hend „auf dem Bu­ckel“hoch­ge­schleppt. Nur ein vier Ton­nen schwe­res Die­sel-Ag­gre­gat war von ei­nem Hub­schrau­ber des Bun­des- hee­res hoch­ge­hievt wor­den. Für Ma­te­ri­alund Men­schen­trans­por­te sind heu­te die Gon­deln der Möll­ta­ler Glet­scher­bah­nen zu­stän­dig. Über den Glet­scher saust die hal­be Ski­welt: Neu­see­län­der, Aus­tra­li­er, Schwe­den, Nor­we­ger und ge­le­gent­lich auch die ame­ri­ka­ni­schen Ski-As­se trai­nie­ren hier für ih­re Welt­cup­ren­nen in den Al­pen – vor al­lem vor­mit­tags kann man sie durch ih­re Stan­gen­wäl­der bret­tern se­hen. Al­le schät­zen die au­ßer­ge­wöhn­lich gu­ten Be­din­gun­gen: Pis­ten bis in 3100 Me­ter Hö­he, die bei Be­darf kom­plett be­schneit wer­den kön­nen – ein­zig­ar­tig in Ös­ter­reich, ide­al für die Sai­son­vor­be­rei­tung. An­ders als et­wa in Ti­ro­ler Glet­scher­Ski­ge­bie­ten wie Pitz­tal oder Kau­ner­tal müs­sen hier kei­ne fuß­ball­feld­gro­ßen wei­ßen Bett­de­cken das Ab­schmel­zen ver­hin­dern, denn un­ter der „Syn­the­tik-Schnee­de­cke“ bleibt der Glet­scher weit­ge­hend tief­ge­kühlt. Wer hier ei­ne Wo­che Ur­laub macht, soll­te ei­ne aus­ge­präg­te Apres-Ski-All­er­gie und gro­ßes Ru­he­be­dürf­nis mit­brin­gen. Denn über preis­wer­te und gu­te Un­ter­künf­te mit Sau­na und Schwimm­bad hin­aus darf man nicht viel mehr er­war­ten von Flat­tach, dem Stra­ßen­dorf oh­ne Orts­kern, in dem abends un­über­seh­bar gilt: „Mi­ni­bar statt Nacht­bar“.

Mek­ka der Skistars: Der Möll­ta­ler Glet­scher ist das höchst­ge­le­ge­ne Ski­ge­biet Kärn­tens. Vie­le Na­tio­nal­mann­schaf­ten trai­nie­ren hier, aber auch we­ni­ger am­bi­tio­nier­te Ski­fah­rer kom­men hier auf ih­re Kos­ten. Fo­to: Brün­jes

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