Al­le Tü­ren sind of­fen

Traum vom EM-Halb­fi­na­le nimmt für deut­sche Hand­bal­ler Kon­tu­ren an

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport -

Die Ab­wehr­kan­ten Finn Lem­ke und Hen­drik Pe­keler zock­ten ei­ne Run­de Sied­ler von Ca­tan, Bun­des­trai­ner Da­gur Si­gurds­son stu­dier­te stun­den­lang den nächs­ten Geg­ner: Die deut­schen Hand­bal­ler hat­ten ih­ren im­po­san­ten 29:19-Kan­ter­sieg ge­gen Un­garn schnell ab­ge­hakt und nah­men auf dem Weg ins Halb­fi­na­le das nächs­te Ziel ins Vi­sier – das Mot­to vor dem Russ­lan­dSpiel: Ver­lie­ren ver­bo­ten, Träu­men er­laubt. „Die Jungs kön­nen träu­men, wie sie wol­len“, sag­te Bun­des­trai­ner Da­gur Si­gurds­son: „Das heißt aber trotz­dem, dass wir ge­gen Russ­land un­ser bes­tes Spiel ma­chen müs­sen. Für

Par­tie heu­te ge­gen Russ­land ein „End­spiel“

mich ist das ein End­spiel.“Der Is­län­der for­der­te von sich und sei­nen Spie­lern die vol­le Kon­zen­tra­ti­on. „Man kann nicht ein­fach auf Au­to­pi­lot drü­cken. Es läuft nicht von al­lein“, so Si­gurds­son. Ent­spre­chend fo­kus­siert wirk­te der 42-Jäh­ri­ge ges­tern. Si­gurds­son spürt, dass der Weg sei­ner Jungspun­de bei die­ser EM noch lan­ge nicht zu En­de ist. Bei ei­nem wei­te­ren Sieg heu­te (18.15 Uhr/ARD) ge­gen die Rus­sen winkt am Mitt­woch ein Show­down ge­gen Vi­ze-Eu­ro­pa­meis­ter Dä­ne­mark um ei­nen Platz im Halb­fi­na­le. „Die Dra­ma­tur­gie ist jetzt wie für uns ge­macht“, sag­te DHB-Vi­ze­prä­si­dent Bob Han­ning. Mit je­der Mi­nu­te und je­dem Sieg wächst das Selbst­ver­trau­en im deut­schen La­ger. „Ganz klar, das Ziel je­der Mann­schaft muss der Ti­tel sein“, sag­te Shoo­ting­star Andre­as Wolff forsch. Wenn die Mann­schaft sich wei­ter von Spiel zu Spiel kon­zen­trie­re, „dann kön­nen wir viel­leicht so­gar die­se Rei­se an­tre­ten“, so der Tor­hü­ter, der mit 41 Pro­zent ge­hal­te­ner Bäl­le ge­gen Un­garn er­neut ei­nen Sah­ne­tag er­wisch­te. Und auch Kreis­läu­fer Pe­keler un­ter­strich: „Un­ser Ziel ist jetzt ganz klar das Halb­fi­na­le.“To­bi­as Reich­mann, ein­zi­ger DHB-Le­gio­när, der in Po­len bei KC Kiel­ce sein Geld ver­dient und mit 24 Tur­nier­tref­fern mit Ab­stand er­folg­reichs­ter Tor­schüt­ze des jüngs­ten al­ler EM-Teams, macht aus den neu­en Zie­len eben­falls kei­nen Hehl. „Al­le Tü­ren sind of­fen“, sag­te der Rechts­au­ßen, der 14 der 15 deut­schen Sie­ben­me­ter ver­senk­te, schob aber gleich hin­ter­her: „Wir müs­sen auch ein biss­chen auf dem Bo­den blei­ben. Der Sieg ge­gen Un­garn hat kei­nen Wert, wenn wir ge­gen Russ­land ver­lie­ren.“Bei ei­nem Sieg da­ge­gen, auch das un­ter­strich Reich­mann, „ist al­les mög­lich“. Hin­ten knüp­pel­hart und ge­wohnt bä­ren­stark, vor­ne er­staun­lich ab­ge­zockt: Beim drit­ten Sieg in Fol­ge zeig­te die deut­sche Mann­schaft ih­re bes­te Tur­nier­leis­tung (sie­he auch Sport­kom­men­tar Sei­te 13) – und wirk­te da­bei fast ein biss­chen un­ter­for­dert. Ihr vol­les Leis­tungs­ver­mö­gen scheint die mit 14 EM-Neu­lin­gen ge­spick­te DHB-Aus­wahl beim dritt­höchs­ten Sieg der deut­schen EMGe­schich­te noch nicht ein­mal ab­ge­ru­fen zu ha­ben. „Das ist im Mo­ment nicht ab­seh­bar“, er­klär­te Kreis­läu­fer Erik Schmidt mit ent­schlos­se­nem Ge­sichts­aus­druck: „Wir wol­len al­le ins Halb­fi­na­le, ganz klar. Es wä­re ge­lo­gen, wenn je­mand et­was an­de­res be­haup­tet.“Er­fül­len sich Schmidt und Co die­sen Traum, wä­re es der ers­te Halb­fi­nal­ein­zug ei­ner deut­schen Na­tio­nal­mann­schaft bei ei­nem in­ter­na­tio­na­len Groß­er­eig­nis seit Platz vier bei der EM 2008. Bei den Rus­sen, die mit ei­ner gu­ten Mi­schung aus er­fah­re­nen Spie­lern und jun­gen Pro­fis noch die Teil­nah­me an ei­nem Olym­pia-Qua­li­fi­ka­ti­ons­tur­nier si­chern möch­ten, ist der Re­spekt groß. „Die­se deut­sche Mann­schaft ist hung­rig und will der gan­zen Welt zei­gen, was sie kann“, sag­te Trai­ner Di­mi­tri Tor­go­wa­now, der jah­re­lang in der Bun­des­li­ga spiel­te. Mit sei­ner Ana­ly­se trifft es Tor­go­wa­now auf den Punkt, die deut­schen Hand­bal­ler sind in der Tat hung­rig und noch lan­ge nicht satt. „Wir hof­fen, dass das Un­garnSpiel nicht un­ser bes­tes Spiel bei die­ser EM bleibt“, sag­te Kee­per Wolff. Es klang wie ei­ne Dro­hung. Sein Bauch­ge­fühl für den wei­te­ren Tur­nier­ver­lauf? „Dass wir al­les ge­win­nen.“

„Ver­lie­ren ver­bo­ten, Träu­men er­laubt: Die deut­schen Hand­bal­ler, links Bun­des­trai­ner Da­gur Si­gurds­son, ha­ben ih­ren im­po­san­ten 29:19-Er­folg ge­gen Un­garn schnell ab­ge­hakt und neh­men auf dem Weg ins Halb­fi­na­le der Eu­ro­pa­meis­ter­schaft heu­te (18.15 Uhr/ARD) das nächs­te Ziel – ein Sieg ge­gen Russ­land – ins Vi­sier. Fo­to: avs

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