Das gro­ße Rät­sel­ra­ten

Nach K.o. von Of­fen­burg: Wie geht’s wei­ter mit Box-Pro­fi Fei­gen­butz?

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - Harald Lin­der

Zwei Wo­chen ist es jetzt her, als Box­Pro­fi Vin­cent Fei­gen­butz den Tief­punkt sei­ner noch jun­gen Kar­rie­re er­leb­te. In der „St­un­de der Wahr­heit“, dem ReKampf ge­gen den Ita­lie­ner Gio­van­ni de Ca­ro­lis, ver­lor der 20-Jäh­ri­ge in der elf­ten Run­de durch tech­ni­schen K.o. – nach­dem der Ring­rich­ter den Schlag­ab­tausch ab­ge­bro­chen hat­te, weil Fei­gen­butz nach schwe­ren Wir­kungs­tref­fern durch den Ring ge­tor­kelt war. Der Traum des Karls­ru­hers, als jüngs­ter deut­scher Box­welt­meis­ter in ei­nem der gro­ßen Ver­bän­de Ge­schich­te zu schrei­ben, war da­mit aus­ge­träumt und die so steil be­gon­ne­ne Kar­rie­re des Vin­cent Fei­gen­butz wur­de (zu­nächst ein­mal) jäh ge­stoppt. Ent­spre­chend groß war hin­ter­her der Kat­zen­jam­mer. Bei Fei­gen­butz. Sei­nem Ma­na­ger Rai­ner Gott­wald. Und sei­nem Trai­ner Han­si Bren­ner. Auch der Sau­er­land-Box­stall und Sat 1 als über­tra­gen­der Fern­seh­sen­der wa­ren kon­ster­niert, dass Deutsch­lands gro­ße Bo­xhoff­nung ge­gen De Ca­ro­lis re­gel­recht un­ter­ging, denn der elf Jah­re äl­te­re Ita­lie­ner lag zum Zeit­punkt des Ab­bruchs auch klar nach Punk­ten vor­ne. „Wir müs­sen mit al­len Be­tei­lig­ten in Ru­he dar­über spre­chen, was da schief ge­lau­fen ist und uns über­le­gen, wie es mit Vin­cent wei­ter­geht“, sag­te der Me­di­en­di­rek­tor des Sau­er­land-Box­stalls, Jan Kucht. Mitt­ler­wei­le wur­den Fei­gen­butz und des­sen Ma­na­ger Rai­ner Gott­wald von Sau­er­land und dem Pri­vat­sen­der zu ent­spre­chen­den Ge­sprä­chen ein­ge­la­den; um die wei­te­re bo­xe­ri­sche Zu­kunft des „Iron Ju­ni­or“zu be­rat­schla­gen. „So wei­ter wie bis­her“wird und kann es nicht ge­hen – dar­über wa­ren sich al­le Be­tei­lig­ten ei­nig. Das sieht auch Rai­ner Gott­wald so, der nach ei­ge­nem Be­kun­den so­gar be­reit war, sei­nen Job als Ma­na­ger nie­der­zu­le­gen, „soll­ten die Grün­de für den ver­lo­re­nen Kampf bei mir und mei­ner Ar­beit ge­le­gen ha­ben“, wie er dem SONN­TAG sag­te. Doch nicht nur Gott­wald wird sich hin­ter­fra­gen müs­sen, war­um sein Schütz­ling in zwei Kämp­fen kein Re­zept ge­gen den Mann aus Rom fand und nur sel­ten sei­ne ge­fürch­te­te Schlag­kraft de­mons­trie­ren konn­te. Schon nach Fei­gen­butz’ um­strit­te­nen Punkt­sieg beim ers­ten Auf­ein­an­der­tref­fen zeig­te sich, dass dem 20-Jäh­ri­gen bei al­lem Herz das ihn aus­zeich­net und bei al­lem Punch, den er zwei­fel­los in den Fäus­ten hat, vor al­lem bo­xe­ri­sche Mit­tel feh­len, um ei­nen Geg­ner wie De Ca­ro­lis in die Schran­ken zu wei­sen. So denkt man bei Sau­er­land dar­über nach, wel­che Mög­lich­kei­ten es gibt, vor­han­de­ne De­fi­zi­te aus­zu­mer­zen. Ein kol­por­tier­ter Wech­sel zu Kult-Trai­ner Ul­li Weg­ner (73) sei laut Kucht zwar „kein The­ma“, aber das Ver­hält­nis zwi­schen Fei­gen­butz und des­sen lang­jäh­ri­gem Coach Han­si Bren­ner ist of­fen­bar längst nicht mehr so eng, wie es ein­mal war. So soll sich Bren­ner bei Ma­na­ger Gott­wald zu­letzt im­mer wie­der dar­über be­klagt ha­ben, dass Fei­gen­butz sei­ne An­ord­nun­gen nicht be­fol­ge. Im Ge­gen­zug mo­nier­te Fei­gen­butz, dass sich ei­ni­ge Trai­nings­maß­nah­men Bren­ners, wie die Ar­beit in ei­ner Hö­hen­kam­mer, für ihn über­haupt nicht eig­nen wür­den. „Vin­cent ist ein jun­ger Mann. Da macht man nicht im­mer das, was ei­nem vor­ge­setzt wird“, sagt Jan Kucht. Bei Sau­er­land sei man nach wie vor von sei­nem Ta­lent über­zeugt, zu­mal er et­was ha­be, das die Leu­te se­hen wol­len: viel Herz und Mut. „Er kann ein Gro­ßer wer­den, wenn er be­reit ist zu ler­nen und wenn er die rich­ti­gen Ent­schei­dun­gen trifft. Kucht: „Er ist es, der im Ring steht, er muss wis­sen, was er will. Wir kön­nen und wer­den ihm da­bei hel­fen.“Die­se Hil­fe sieht al­ler­dings nicht so aus, dass es ei­nen schnel­len Rück­kampf ge­gen De Ca­ro­lis gibt. Auch wenn ei­ne sol­che Ver­ein­ba­rung ge­trof­fen wur­de. Doch hat Sau­er­land den Ita­lie­ner nach des­sen Ti­tel­ge­winn für zwei WM-Kämp­fe un­ter Ver­trag ge­nom­men, da dürf­te Fei­gen­butz zu­nächst so­wie­so kein Geg­ner für De Ca­ro­lis wer­den. „Iron Ju­ni­or“, dem dem­nächst noch sei­ne Ab­schluss­prü­fung als Fein­me­cha­ni­ker be­vor­steht, wird an­de­re We­ge be­schrei­ten müs­sen, um wie­der nach oben zu kom­men. „Viel­leicht macht es Sinn, über ei­ne Welt­meis­ter­schaft im Ju­nio­ren­be­reich oder über die Eu­ro­pa­meis­ter­schaft die nächs­ten Schrit­te zu ge­hen“, meint Rai­ner Gott­wald. Aber auch dann wird Fei­gen­butz nicht um­hin kom­men, an den bo­xe­ri­schen Grund­la­gen zu ar­bei­ten. Denn die sind of­fen­sicht­lich das größ­te Man­ko des Jun­gen aus Dax­lan­den mit dem gro­ßen Her­zen und der gro­ßen Schlag­kraft.

Wech­sel zu Kult-Trai­ner Weg­ner „kein The­ma“

Kar­rie­restopp: Vin­cent Fei­gen­butz, rechts Ma­na­ger Rai­ner Gott­wald, woll­te jüngs­ter deut­scher Box-Welt­meis­ter wer­den. Statt­des­sen gab’s ei­ne K.-o.-Nie­der­la­ge ge­gen den Ita­lie­ner De Ca­ro­lis. Fo­to: GES/Prang

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