Zwi­schen den Fron­ten

Die Be­reit­schafts­po­li­zei ist voll aus­ge­las­tet

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Fo­to: pol/Mon­ta­ge: SO

Im­mer mehr De­mons­tra­tio­nen und Hoch­ri­si­ko­spie­le im Fuß­ball las­sen die Zahl der Ein­sät­ze deut­lich an­stei­gen.

In den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren gab es vie­le Si­tua­tio­nen, die wir zu­vor für un­denk­bar hiel­ten“, sagt Vol­ker Er­le­wein. „Das fängt bei den An­schlä­gen von Pa­ris an und geht über die Köl­ner Über­grif­fe an Sil­ves­ter bis hin zu den im­mer häu­fi­ger wer­den­den Rechts-Links-De­mos. Wir als Po­li­zei müs­sen uns auf die­se neue La­ge ein­stel­len. Und das tun wir auch.“Als 16-Jäh­ri­ger kam der heu­te 58-jäh­ri­ge Lei­ten­de Po­li­zei­di­rek­tor 1974 zur Po­li­zei, seit et­was mehr als 100 Ta­gen ist er Lei­ter der Be­reit schafts po­li­zei di­rek­ti­on( BP Dir)Bru ch sal. Viel hat sich seit­her­ve rän­dert–im Land und bei­der Po­li­zei. Doch wo­für ge­nau ist die Be­reit schafts po­li­zei über­haupt zu­stän­dig? „Der Be­griff Be­reit schafts po­li­zei stammt noch aus den 50er Jah­ren und ist heut­zu­ta­ge ei­gent­lich ir­re­füh­rend“, sagt Er­le­wein. „Denn wir ha­ben das gan­ze Jahr Voll­aus­las­tung.“Al­lei­ne im ver­gan­ge­nen Jahr stieg die Zahl der„ Hun­dert schafts ein­sät­ze“der Bruch­sa­ler „BPDir“von 152 auf 250 an – das ist ein An­stieg um deut­lich mehr als die Hälf­te. Die Ein­sät­ze kön­nen übe­r­all statt­fin­den – nicht nur in Ba­den-Würt­tem­berg. „Es gibt kaum ei­nen Tag im Jahr, an dem die Ein­satz­ein­hei­ten der ’BPDi­ren’ nicht ge­for­dert sind“, sagt Roland Fleischer, Spre­cher des Po­li­zei­prä­si­di­ums Ein­satz aus­Göpp in gen, dem Sitz der an­de­ren­ba den-würt­tem­ber­gi­schen Be­reit schafts po­li­zei di­rek­ti­on .„ Und soll­ten trotz der Ein­sät­ze bei be­son­de­ren po­li­zei­li­chen La­gen noch Res­sour­cen vor­han­den sein, dann un­ter­stützt die Be­reit schafts po­li­zei die Re­gio­nal prä­si­di­en bei de­ren Ar­beit .“Der Wo­chen plan ei­nes Be­reit schafts po­li­zis­ten( ode rei­ner-po­li­zis­tin) kann bei­spiels­wei­se fol­gen­der­ma­ßen aus­se­hen: Frei­tag, Sams­tag und Sonn­tag Fuß­ball­spie­le, Mon­tag Ver­kehrs kon­trol­le, Di­ens­ta­gPe­gi da-De­mo, Mitt­woch Raz­zia im Bor­dell, Don­ners­tag Un­über­all in ei­nem Po­li­zei­re­vier, Frei­tag Fort­bil­dung, Ein­satz­trai­ning oder Sport, Sams­tag dann schon wie­der Fuß­ball... Und zwi­schen­durch soll­te auch mal ein frei­er Tag mög­lich sein. „Das Wo­che­n­en­de ist ein­deu­tig un­ser Haupt­ar­beits­feld“, sagt Er­le­wein. Was vor al­lem an den vie­len „Fuß­ball-Hoch­ri­si­ko­spie­len“liegt. Ein Bei­spiel: Al­lei­ne beim DFB-Erst­run­den- spiel zwi­schen dem Fuß­ball-Ober­li­gis­ten SSV Reutlingen und dem KSC im Au­gust 2015 wa­ren 1 000 (!) Po­li­zis­ten im Ein­satz. Die Si­tua­ti­on für die Ein­satz­kräf­te vor Ort ist oft be­droh­lich. Erst am ver­gan­ge­nen Wo­che­n­en­de wur­den bei ei­ner aus den Fu­gen ge­ra­te­nen Kur­den­De­mo in Heil­bronn 14 Po­li­zis­ten ver­letzt, die meis­ten durch Feu­er­werks­kör­per. Ein­drück­ter­stüt­zung lich in der Er­in­ne­rung blie­ben den be­tei­lig­ten Po­li­zis­ten auch Ver­an­stal­tun­gen wie die Kra­wal­le zur Er­öff­nung des EZB-Neu­baus in Frank­furt im März 2015, der G7-Gip­fel auf Schloss El­mau im Ju­ni oder die Pro­test­kund­ge­bun­gen ge­gen die NPD in Wein­heim im No­vem­ber, bei der die Po­li­zei von ge­walt­be­rei­ten De­mons­tran­ten ge­zielt an­ge­grif­fen wur­de. „Da stan­den wir mit­ten­drin und um uns her­um gab es Schar­müt­zel“, sagt Er­le­wein. Auch bei den De­mos in Leip­zig oder den MaiKra­wal­len in Ber­lin sind Be­reit­schafts­po­li­zis­ten aus Ba­den-Würt­tem­berg re­gel­mä­ßig im Ein­satz. Das Po­li­zei­prä­si­di­um vor Ort ent­schei­det, wie vie­le Hun­dert­schaf­ten es be­nö­tigt, und die wer­den dann an­ge­for­dert. „Die Ver­ant­wor­tung für ei­nen Ein­satz liegt grund­sätz­lich beim ört­lich zu­stän­di­gen Prä­si­di­um“, sagt Pres­se­spre­cher Roland Fleischer. „Auf­grund un­se­rer Er­fah­run­gen und Kom­pe­ten­zen be­kom­men wir aber im Ein­satz für be­stimm­te Auf­ga­ben die so­ge­nann­te Ab­schnitts­füh­rung über­tra­gen.“Der An­teil der Frau­en bei der Be­reit­schafts­po­li­zei liegt der­zeit bei et­wa 21 Pro­zent, die Ten­denz ist stei­gend, denn mitt­ler­wei­le ist et­wa ein Drit­tel al­ler Neu­ein­stel­lun­gen weib­lich. Melanie Mai­er (Na­me ge­än­dert) ar­bei­tet

Zahl der Ein­sät­ze stieg dras­tisch an

seit zwei Jah­ren in Bruch­sal, die 26-jäh­ri­ge Frau aus Kehl nimmt re­gel­mä­ßig an Ein­sät­zen teil, zu­letzt bei ei­ner Pe­gi­da-De­mo im Drei­län­der­eck in Kan­dern. Ver­spürt sie manch­mal Angst? „Wäh­rend des Ein­sat­zes steht man so un­ter Ad­re­na­lin und hat so viel zu tun, dass man gar nicht dar­an denkt. Erst an­schlie­ßend wird ei­nem manch­mal klar, dass man ja ei­gent­lich Angst hät­te ha­ben kön­nen.“Er­schwe­rend (im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes) kommt bei Ein­sät­zen das Ge­wicht der so­ge­nann­ten Kör­per­schutz­aus­stat­tung hin­zu. Die­se wird un­ter dem Ein­satz­an­zug ge­tra­gen und wiegt zwi­schen sie­ben und acht­ein­halb Ki­lo­gramm. Was die un­ge­wis­se Zu­kunft mit er­höh­ter Ter­ror-Ge­fahr an­geht, lässt sich die Po­li­zei nicht ver­rückt ma­chen. „Wir wer­den den ein­ge­schla­ge­nen Weg wei­ter­ge­hen, um uns zu wapp­nen“, sagt Vol­ker Er­le­wein. „Bei uns tritt nie Ru­he ein. Es ist ein stän­di­ges For­dern.“

Bruch­sa­ler hel­fen auch in Leip­zig oder Ber­lin

Fo­tos: pol

Den Ernst­fall mit dem Was­ser­wer­fer pro­ben die­se Po­li­zis­ten. Die Be­reit­schafts­po­li­zei in Ba­den-Würt­tem­berg muss im­mer mehr Groß­ein­sät­ze be­wäl­ti­gen. Grün­de sind un­ter an­de­rem die zahl­rei­chen De­mons­tra­tio­nen und die vie­len „Hoch­ri­si­ko­spie­le“im Fuß­ball.

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